Jahrgang 
1867
Seite
680
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mericaniſchen Generale: ſchwarzes Beinkleid in langen Reiter⸗

wurfsfreie Würde und edler Charakter für ſich gewonnen hat.

Die Garde des Kaiſers, unter dem Namen Palaſtwache, beſtand aus vierzig Hellebardieren, unter dem Befehle des

ſeitdem die ganze Armee

Grafen Bombella, des Jugendfreundes Maximilian's. Dieſe Zellebardiere waren prachtvoll coſtümirt.

Der Kaiſer trug bei allen Vorſtellungen die Uniform der

ſtiefeln, ſchwarzer Ueberrock mit goldenen Epauletten, das Band des Goldenen Vließes um den Hals, und in der letzten Zeit das Breite Band des Adlers über die Schulter. Er

hatte außer dieſem Orden den Verdienſtorden geſchaffen.

Ein Privatbrief erzählt, daß zwei Tage vor Lopez Ver⸗ rath, welcher Quaretaro überlieferte, die Truppen Maximilian durch Zuruf das Commandeur-Kreuz eben dieſes Verdienſt⸗ ordens für ſeine ſchöne Vertheidigung der Feſtung zuer⸗ kannten.

Als die Rede davon war, dieſen Orden einzuführen, hatte die Kaiſerin Charlotte einen ziemlich heftigen Streit mit einer hochſtehenden Perſönlichkeit, welche Seiner Majeſtät im Namen der franzöſiſchen Regierung verbot, die Farbe des Bandes der

Ehrenlegion zu nehmen, um das Ordenskreuz daran zu hängen. Als ſie mit ihren Beweisgründen zu Ende war die Verhand⸗

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lung fand ſchriftlich ſtatt, klebte die Kaiſerin auf ein Blatt Briefpapier drei Blätter papaver sivestris, oder in all⸗ gemein verſtändlichen Worten, rothe Mohnblumen, und ſchrieb darunter dieſe beiden Zeilen:Ich nehme für meinen Orden die Farbe dieſer Blume an, welche, wie ich mir denke, vor der Ehrenlegion geſchaffen wurde. Ich habe dieſen Satz ſelbſt in einer merkwürdigen Autographen⸗Sammlung Char⸗ lottens und Maximilian's geleſen.

Wir werden vielleicht noch einmal genauer auf dieſe Fürſtin eingehen, deren unglückliche Schickſale Europa in Auf⸗ regung verſetzten, ehe die ihres Gemahls bekannt wurden. Es war eine energiſche, ſtolze, hochſtrebende Seele, welche ein über⸗ triebenes aber achtungswerthes Gefühl für die Ehre ihres Hauſes wie ein ſchwankes Rohr zerbrochen hat, eine unerklär⸗ liche Erſcheinung, eine Frage, welche für Diejenigen, die ſie gekannt haben, ohne Löſung geblieben iſt.

Wenn es den mepicaniſchen Damen, welche, wie man ſagt, in tiefer Trauer, wie Römerinnen, ſich Juarez zu Füßen geworfen und um das Leben des Kaiſers gebeten haben, ge⸗ lungen wäre, ihrem Vaterlande dieſe ewige Schmach zu er⸗ ſparen, ſo würde die Entwickelung dieſes Dramas nicht das ifentliche Gewiſſen erſchreckt und die gebildete Welt in ein⸗ ſtimwiger Entrüſtung empört haben. D.

Savari war einer der Letzten, welche eintraten. Die Damen empfingen ihn, ſo wie ſie's verabredet, mit Enthuſiasmus. Die Herren zeigten ſich beim Anblick ſeiner Perſon kälter. In Frankreich ſetzt die Menge Alles in Schrecken, was nit dem Zuchtpolizeigericht in Berührung gekommen. Jede Perſon, die vor demſelben irgend etwas auszugleichen hatte, erſcheint von vorn herein verdächtig. Ein anſtändiger, unbe⸗

ſcholtener Mann betritt den Hof des Aſſiſengerichts und wandert frei wieder hinaus frei nicht allein nach dem Spruche der Geſchworenen, ſondern auch dem öffentlichen Urtheil und der innerſten Ueberzeugung nach; ſollten da nicht alle Hände nach

ihm ſich ausſtrecken, und alle Menſchen ihm ſympathiſch ihr innigſtes Beileid erweiſen? Hat er nicht unſchuldig gelit⸗ ten? Weit hiervon entfernt wendet man von ihm ſich ab, man iſt kalt, man nimmt Anſtand, ihn zu grüßen, und man fürchtet, ſich durch die leiſeſte Berührung mit ſeiner Perſon zu compromittiren, indem man äußert:Ich freilich weiß, daß er unſchuldig iſt; der Herr dort aber, welcher mich beobachtet, könnte ſchlechterdings doch von ſeiner Schuld über⸗ zeugt ſein!.

Auch wenn man mich beſchuldigte, die Thürme von Notre⸗Dame geſtohlen zu haben, äußerte Jemand,würde ich anfangs reißaus nehmen, um, frei, mich demnächſt deut⸗ licher hierüber zu erklären!

Dieſe Worte enthalten eine tiefe Wahrheit. Handelt es ſich nämlich darum, irgend ein Verbrechen für wahr zu er⸗ achten, erheben ſich hundert Menſchen; betrifft es aber die Anerkennung einer guten Handlung wird ſich Niemand finden. Vibert und Julia Vidal kamen erſt an, als die ganze G6Seſellſchaft ziemlich vollzählig war. Ihr Erſcheinen in dem

Salon der Frau Pelagie d'Ermont fiel wenig auf. Schon

ſeit einer Stunde wurde ſcharf geſpielt; eine Bank folgte der andern, und Jeder vertheidigte ſein Geld mit einer viel zu großen Wuth, als daß er auf irgend etwas Anderes geachtet hätte, was außerhalb der Peripherie des Spieles lag.

Das war's, was Vibert vorausgeſehen, als er, ſo ſpät wie möglich, in den Saal getreten. Noch mistraute er der Kraft Julia's, und er wollte vor ihr die nächſten Hinderniſſe beſeitigen. Er fürchtete, daß die anſtändige Frau, welche ſo

Ein geheimnißvolles Dramn. Von A. Belot.

(Fortſetzung.)

rathen, offen ihren Widerwillen und ihre Unbehaglichkeit an den Tag legen könnte.

Aber, von einer Seite betrachtet, ſind Frauensperſonen, die da ſpielen, keine Frauen, ſondern Spieler. Ihre Unter⸗ haltung beſchränkt ſich auf die Worte, welche Allen gehören, denn man ſpielt heute höchſt unglücklich:Ich halte Alles ich bitte um die Karten... der König iſt gut.. unerträg⸗ liches Spiel.... Banque.. bitte um den Reſt

Ferner war Julia nic in das eigentliche Weltleben durch ihren Gemahl hinausgeführt worden; beſaß ſie auch den An⸗ muth einer Gattin, ſo kennzeichnete ſie doch ihre Unwiſſenheit, die ſie aus der Fremde mitgebracht, wo ſie in einer Stadt zweiten Ranges in der Familie ſelbſt erzogen worden. Sie konnte inſtinctgemäße Abneigungen im Buſen tragen, aber ihr mangelte die Wahrnehmung jener Einzelneindrücke, welche eine Pariſerin zu beleidigen vermögen. Schließlich verfolgte ſie das Werk ihrer Rache jederzeit mit einer ſolchen Glut, wie ſie allein den Naturen des Südens eigen iſt, wie der Eifer ihrer zweiundzwanzig Jahre und ihr exaltirter Charakter es mit ſich brachten. Die Leiden, welche die Eigenliebe ihr bereitete, die Gefahren, welche ihren Ruf bedrohten, der Elel, den ſie empfinden mußte, kamen dabei gar nicht in Betracht. Der Weiſung ihres ſterbenden Gatten gegenüber ließen ſich ja alle dieſe Empfindungen ſehr leicht erſticken! Wird ſie ſich ſchwach fühlen, dann iſt's nicht ein Fläſchchen mit engliſchem Salz, das ſie aus der Taſche zieht, es iſt das Notizbuch von Moritz Vidal, das auf ihre Bitten der Unterſuchungsrichter zurück⸗

gegeben, und worin mit dem Blute des einzigen Mannes, den ſie geliebt, die Worte verzeichnet ſtehen:

Julia, räche mich!

Ernſt und aufmerkſam beobachtete Julia Vidal, die ſich in einem Winkel des Saales in einen Fauteuil niedergelaſſen, Albert Savari, welcher neben dem Spieltiſche ſtand.

Er war ihren Blicken bereits einmal begegnet, und zwar im Zimmer des Unterſuchungsrichters. Durch den engen Zwiſchenraum des Vorhanges, welcher ſie dort den Blicken der Männer verbarg, hatte ſie ſich mit ſeinen Zügen bekannt gemacht, jetzt fuhr ſie fort, ſeine Phyſiognomie zu ſtudiren.

Er war nicht mehr derſelbe Menſch. Gezwungen,

ſeine Freiheit, vielleicht gar ſein Leben ſelbſt, zu vertheidigen, hatte

plötzlich unter dieſe mehr oder weniger entarteten Weſen ge⸗