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„Allerdings. Der Richter iſt meinem Rathe geſolgt.“
„Was hoffen Sie aber jetzt?“
„Sehr viel, vorausgeſetzt, daß Sie mir helfen.“
„Ich?“
Sie.
„Nun gut, mein Herr“, ſagte Julia energiſch,„meine Plicht, das einzige Ziel meines Lebens iſt, die letzten Wünſche meines Gatten zu erfüllen, ihn zu rächen. Man hat mir geſagt, ich ſolle auf Sie vertrauen. Wohl, ich ſetze meine ganze Hoffnung auf Sie und gehöre Ihnen mit Leib und Seele.“
„Gut, Madame, wir haben gewonnen“, rief Vibert freudig, indem er die Hand Julia's ergriff und kräftig ſchüttelte.
Julia ließ dies geſchehen, ohne irgendwelche Zurückhal⸗ tung zu zeigen. Für ſie war Vibert weder ein Mann, noch ein Polizei⸗Beamter, ſondern nur ein Verbündeter, ein Gehülfe ihrer Rache.“
Sie ſaßen einander gegenüber und Vibert ergriff wiederum das Wort:
„Nachdem nun drei Tage vergangen ſind, beharren Sie bei Ihrer Anſicht, daß Albert Savari der Mörder Ihres Gatten iſt?“
n Sie
„Ich auch; nicht genug; meine Vermuthungen ſind faſt zur Gewißheit geworden, doch dieſe Gewißheit iſt nur moraliſcher Natur, wir brauchen aber materielle Beweiſe.“
„Und haben Sie das Mittel gefunden, dieſe zu be⸗ ſchaffen?“
„Ja, aber ich bedarf Ihrer dabei.“
„Befehlen Sie über mich.“
„Bedenken Sie aber, daß Sie viel Energie werden an⸗ wenden müſſen.“
„Ich beſitze viel Energie.“
„Große Geduld.“
„Ich habe ſie.“
„Sie werden manchen berechtigten Abſcheu überwinden müſſen.“
„Ich werde dies können, wenn es ſein muß.“
„Endlich wird der Plan, den ich Ihnen darlegen werde, Ihnen abſcheulich, unerhört erſcheinen; Sie werden ihn zuerſt zurückweiſen.“
„Ich werde ihn aber nachher annehmen.“
„Gut, Madame, ſo hören Sie.“
Julia folgte den Worten Vibert's mit athemloſer Spannung. Um nicht eine Silbe zu verlieren, hatte ſie ſich dicht neben den Beamten geſetzt, ein Uneingeweihter hätte die Beiden für ein Liebespaar halten können.
„Vor allen Dingen erfahren Sie, Madame, daß ich Savari ſeit ſeiner Entlaſſung aus der Haft nicht einen Moment aus den Augen verloren habe. Ich erwartete ihn vor dem Gefängniß. Er warf ſich in einen Wagen, ich that daſſelbe, ſeit drei Tagen bin ich unausgeſetzt ſein treuer Begleiter geweſen. Während ich hier bin, überwacht einer meiner geſchickteſten Agenten ſein Thun und Treiben. Sie ſehen, er kann uns nicht entgehen. Aber, während ich dieſe Ueberwachung organiſirte, bin ich andererſeits nicht müßig ge⸗ weſen. Ich unterrichtete mich genau über die Vergangenheit Savari's, ich ſammelte aufmerkſam Alles, was mir irgend zu Gebote ſtand. Ich habe daraus erfahren, entſchuldigen Sie mich, wenn meine Ausdrücke manchmal das Zartgefühl ver⸗ letzen, daß Savari noch niemals eine ernſte Liaiſon ge⸗ habt hat.“
„Aber was nützt das uns?“ fragte Julia.
„Viel, Madame, ſehr viel. Wenn Sie die Güte haben, mich anzuhören, werden Sie bald meiner Meinung ſein. Savari hat, wie ich bereits ſagte, noch keine ernſthafte Liaiſon gehabt. Er hat ſein Leben genoſſen wie Viele ſeines Gleichen überall. Er hat überall campirt, nirgends gewohnt. Sein Mund hat oft geſprochen, ſein Herz noch nie geſchworen. Ich weiß nicht, ob Sie mich verſtehen, Madame.“
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„Vollſtändig“, ſagte Julia, immer mehr erſtaunt über
die Worte Vibert's.
„Eine einzige Frau, von der in dem Verhör etwas mehr als von Anderen die Rede geweſen iſt, iſt eine alte ver⸗ heirathete Frau, Madame Pelagie d'Ermont, die der Polizei vollſtändig bekannt iſt. Demi⸗Monde eine große Rolle ſpielte, iſt jetzt aus der Mode. Sie konnte es nicht über ſich gewinnen, auf den Lurus zu verzichten, an den ſie durch ihre Liebhaber gewöhnt war und griff zu dem unter Frauen ihres Schlages weit verbreiteten Mittel, ſie gibt Thee⸗Geſellſchaften.“
„Sie ſprechen in Räthſeln“, unterbrach Julia Vibert.
„Entſchuldigen Sie meine Ungeſchicklichkeit, Madame““, verſetzte Vibert.„Ich durfte nicht annehmen, daß Sie in die Pariſer Sitten ſo eingeweiht ſind. Eine Frau, die Thee⸗ Geſellſchaften gibt, ladet ein oder zwei Mal in der Woche einige Freundinnen, die ſie aber aus den ſchönſten und liebens⸗ würdigſten ihres Geſchlechts auswählt, zu ſich ein. Dann erhalten ſämmtliche Herren ihrer Bekanntſchaft Einladungen⸗ Sie ſagt dem Einen:(Sie werden Cora treffen v;(Sie werden der ſchönen Valentine begegnen“, einem Andern: (Kommen Sie und bringen Sie Ihre Freunde mit. So angelockt, kommen die Freunde und die Freunde dieſer Freunde. Man unterhält ſich, lacht, trinkt Thee, dann ſchlägt eine der Damen ein kleines Spielchen vor— ein ganz unſchuldiges Spielchen, die erſten Einſätze überſteigen nicht die Summe von fünf Francs.(Setzen Sie ſich zu mir?, ſagt Volentine zu einem ganz jungen Manne, dem ſie bereits den Kopf verdreht hat,„kommen Sie, ich bringe Ihnen Glück, Sie gewinnen die ganze Nacht.“ Der junge Mann thut, wie ihm geheißen, ſeine Freunde machen es ebenſo, ſie nehmen einen Louisd'or
aus der Börſe und verlieren ihn, ein zweiter folgt dem 64
Um zwei Uhr Morgens iſt der Einſatz von fünf Francs a
funfzig und hundert geſtiegen; auf die Goldſtücke ſind die Banknoten gefolgt. Um fünf Uhr ſieht man auf dem Tiſche weder Louisd'ors noch Banknoten; Jeder ſchreit, daß er ver⸗ liert, dabei iſt aber alles Geld verſchwunden.
ſetzen, ſpielt man mit Bons, mit Schuldſcheinen. Morgens trennt man ſich endlich. und zehntauſend Francs verloren. hat ſich bereits um fünf Uhr
Um elf Uhr
Die Herrin des Hauſes
weiten Taſchen ihres Kleides als Entſchädigung für den Thee untergebracht hat.“
„Ich begreife“, ſagte Julia, die aufmerkſam zuhörte.
„Unter den ſo geworbenen Männern“, fuhr Vibert fort, „befinden ſich nun ſtets mehrere, die zu den intimen Freunden des Hauſes gehören. Sie kennen denn auch natürlich die Gebräuche und Sitten dieſes Hauſes, ihnen iſt die Redensart: „Einſatz nicht über fünf Francs? wohlbekannt, ſie wiſſen ſehr wohl, daß es gerathen iſt, nicht zu ſetzen, wenn Cora Bank hält, daß ſie ſich vor den Refaits von Valentine hüten müſſen. Sie wiſſen auch, wenn die rechte Zeit gekommen iſt, aufzu⸗ hören, oder wenn es Zeit iſt, die gewonnenen Goldſtücke und Banknoten einzuſtecken. So haben ſie denn eigentlich kein Unrecht begangen, und verlieren ſelten dabei. Man vergißt nie, ihnen wieder Einladungen zuzuſchicken, denn Sie rekrutiren die Spieler, beleben das Spiel und ſteigern die Höhe der Einſätze. Meine Andeutungen werden Ihnen hinreichende Aufklärung über das Verhältniß Savari's zu Madame Pelagie gegeben haben: ſie verfolgen Beide ein gemeinſames Intereſſe. Nicht ohne Grund ſagte ich Ihnen vorhin, daß Savari noch niemals eine ernſthafte Liaiſon gehabt habe, weil eine ſolche zu Pelagie dErmont gar nicht eriſtirt hat.“
„Aber, was folgt daraus?“ fragte Julia, ungeduldig,
daß Vibert nicht mit ſeinem wahren Plan heraus wollte. Weil“, antwortete der Polizei⸗Agent,„Savari noch nie
geliebt hat, ſo folgt daraus, daß er für die Liebe ſehr
empfänglich iſt.“
machen?“ „Sie, Madame!“,
Dieſe Pelagie, welche einſt in der
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Um es zu er⸗ Jeder hat drei⸗, fünf⸗
Morgens zur Ruhe begeben, nachdem ſie ſorgfältig alle Geldſtücke und Banknoten in den
„Ich verſtehe, wen wollen Sie denn nun zu ſeiner Geliebten
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