Jahrgang 
1867
Seite
654
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einmal eine Ahnung von dieſer unterſten Branche unſeres Handwerks loszukriegen. Welch' ein flottes Leben wir füh ren! Drei Mal nur wird in der Woche geſpielt; denn wir wollen Vergnügen, keine Arbeit. Glänzende Einnahmen, die brüderlich zu gleichen Theilen getheilt werden. Und an freien Tagen werden gemeinſame Feſte arrangirt, werden die Thäler

des nahen Schwarzwaldes durchſtreift, wird bei ländlichen Mäcenen Einkehr gehalten, Abends im Staufener Mühlgarten geſchwelgt, und die unerſchöpflichen Batterien unſeres Hu⸗ mors ſpeien dazu ihre Schwärmer und Leuchtkugeln gen Himmel.

(Schluß folgt.)

Die franzöſiſchen Flüchtlinge in Deutſchland.*)

Die ſranzöſiſche reformirte Kirche war um die Mitte des 17. Jahrhunderts am zahlreichſten und blühendſten; deſto heftiger waren die Angriffe gegen ſie, deſto ſchwerer der Druck, den ſie zu erdulden hatte. Sie ſchien feſtgegründet auf ein feierliches Reichsgeſetz, das Edict von Nantes (1598), welches ſeit fünfzig Jahren mehr als ein König be⸗ ſchworen und von welchem die Kirche Schutz und Sicherheit erwarten zu dürfen glaubte.

Heinrich IV., dieſer Zögling der Proteſtanten, der beſte unter den Königen Frankreichs, und auch der Einzige, der von Proteſtanten erzogen worden und ſelbſt lange Zeit Proteſtant geweſen war, erklärte es mit den kräftigſten Aus⸗ drücken für ewig und unwiderruflich. Seine beiden Nach folger, Ludwig XIII. und Ludwig XIV., beſchworen es als ein ſolches, wie das auch von allen Obrigkeiten ſeit Hein⸗ rich IV. geſchehen war. Wer ſollte ſich darum nicht wundern, daß es von Ludwig XIV., trotz jenes Schwures, durch den er es verbürgt, ohne auch nur einen Grund für eine ſolche gewaltſame Verletzung des Rechts anzuführen, widerrufen wurde. Die wahren Urſachen dieſer großen und gewaltſamen Staatsrevolution ſind nicht etwa in tieferen Veranlaſſungen, ſondern vielmehr in gewiſſen kleinen, niedrigen Leidenſchaften zu ſuchen.

Aus eben dem Grunde, aus dem er Gelehrten in allen Ländern, auch Proteſtanten, Penſionen gab, widerrief er auch gegen alle Heiligkeit des Eidſchwures das Edict von Nantes. Doch würde es ſchwerer geweſen ſein, die natürliche Güte ſeines Herzens dazu zu vermögen, wenn nicht das Gewiſſen, das auch Könige foltert, ihm die Ausſchweifungen ſeines vorigen Lebens vorgehalten und ihn geſtraft hätte. In dieſem Schuldbewußtſein ſuchte er Hülfe bei ſeinem Beicht⸗ vater, einem Jeſuiten. Dieſer machte ihm, als Univerſal⸗ medicin, Verfolgung und Ausrottung der Ketzer zu einer heiligen Verpflichtung, wie das in früheren und ſpäteren Zeiten zum Schmerz der Menſchheit von Denen, die Duld⸗ ſamkeit und chriſtliche Liebe predigen ſollen, leider ſo oft ge⸗ ſchehen iſt.

Und um ſeinen Zweck um ſo eher zu erreichen, täuſchte man den König durch die unwahre Erklärung, der größte und beſte Theil ſeiner Unterthanen habe ſich ſchon bekehrt. Selbſt das Revocationsedict ſagt:

Das Edict von Nantes höre von ſelbſt auf, da der größte und beſte Theil der Proteſtanten die katholiſche Religion angenommen.

Wenn irgend etwas einen Vorwand hätte abgeben können, den Reformirten dieſen Religionsfrieden zu entreißen, ſo waren es einige unruhige Große unter ihnen, die zu unüberlegt die Waffen ergriffen, um ihre öfters gedrückte Religionsgeſellſchaft zu vertheidigen. Der Cardinal Richelieu, dem es ein Leichees geweſen, ſie ihrer Religionsfreiheit zu berauben, begnügte ſich damit, zur Verſtärkung der königlichen Macht ihnen die wichtigſten Feſtungen zu nehmen, in deren Beſitz ſie als eine der Regierung feindliche Partei erſchienen waren.

Der Cardinal Mazarin, der bis zum Jahre 1661 während der Minderjährigkeit Ludwig's XIV. das höchſte Anſehen in Frankreich zu behaupten wußte, dachte ebenſo wenig daran, dieſe gedemüthigte Partei ihrer kirchlichen Rechte zu be⸗ rauben.

Das Nachſtehende entnehmen vin ſoeben erſchienenen kleinen BucheDie Refugiés von C. F. Köhler, auf deſſen intereſſante Mit⸗ theilungen über die Colonien in Preußeh und Kurheſſen wir aufmerkſam machen. D.

Ludwig übernahm darauf ſelbſt die Regierung, und er bewies ſich anfangs gegen die Reformirten duldſam.

Wenn ihnen gleich nach der Eroberung ihrek vornehmſten Schutzwehr, La Rochelle, ihre freie Religionsübung in dieſer Stadt, wie in einigen anderen, aufgehoben wurde: ſo blieb doch vorerſt das Edict von Nantes ſtehen, bis äußere Einflüſſe den König zur Aenderung ſeiner Geſinnung brachten, was, wie ſchon oben bemerkt worden, um ſo leichter geſchah, weil er um das Heil ſeiner Seele beſorgt war.

Mehrere Prälaten boten Alles auf, um den König gegen die Reformirten einzunehmen und dadurch deren Untergang vorzubereiten.

Aber erſt im Jahre 1669 war es, wo Ludwig XIV., der bisher hauptſächlich auf die Vergrößerung ſeiner Macht

Bedacht genommen und unter prachtvollen und üppigen Ver⸗

gnügungen ſeine größte Zeit verlebt hatte, von einer gewiſſen Bekehrungsſucht bezüglich ſeiner reformirten Unterthanen er⸗ griffen wurde.

Ihr ſuchte die katholiſche Geiſtlichkeit immer mehr Nahrung zu geben, und ein großer Theil ſeiner Unterthanen theilte ihre Geſinnungen.

Ludwig war an ſich nicht bösartig, er beſaß einen ge⸗ ſunden Verſtand; aber er war eitel und dabei ſchwach, wol lüſtig und ein Freund der weltlichen Luſt.

Von Kriegsruhm erfüllt, ſuchte er den Krieg und dachte daran, ſein Land zu vergrößern und dadurch zu beglücken; aber die wahre Staatswiſſenſchaft war ihm fremd, er wollte ein Licht in der Kirche ſein und die Ehre haben, die hart⸗ näckigen Hugenotten ihr zugeführt zu haben, ohne zu wiſſen, worin das Weſen der Religion und der Kirche beſtehe. Da⸗ her war es begreiflich, daß er ein Spiel der Geiſtlichkeit und ſeiner Miniſter, beſonders des Louvois, wurde. Und je älter und unbeholfener Ludwig wurde, um ſo größer wurde auch ſeine Blindheit, und je mehr zuweilen einige Regungen ſeines Gewiſſens ihm ſagten, er habe Viel gut zu machen, um ſo willkommener mußte ihm die Verſicherung ſein, daß es einen für ihn ſicheren und leichten Weg gebe, ruhig zu ſterben und ſelig in den Himmel einzugehen: die Bekehrung und Ausrottung der Ketzer.

Zuerſt begann man mit dem Plane, fünfzig reformirte Prediger für den Katholicismus zu gewinnen; dieſe ſollten dann auf der Synode von ihrer Kirche ſich losſagen. Man hoffte, daß ihr Beiſpiel Viele nach ſich ziehen würde; dann ſei das Edict von Nantes ganz überflüſſig.

Der ausgezeichnete, aber durch die Verheerung der Pfalz mit Feuer und Schwert befleckte Turenne, der lange den Verſuchungen, Katholik zu werden, widerſtanden, trat

nach dem Tode ſeiner proteſtantiſchen Gemahlin, nachdem er nun eine ſchöne Katholikin geheirathet hatte, zu ihrer Kirche über, und nun arbeitete auch er für jenen Be⸗ kehrungsplan. Zugleich hatte der gelehrte Biſchyf Boſſuet eineErklärung der Lehre der katholiſchen Kirche heraus⸗ gegeben, durch welche die Reformirten für die katholiſche Kirche gewonnen werden ſollten. Obgleich dieſe Schrift in ihrer feinen Darſtellungsweiſe und Einkleidung der religiö⸗ ſen Wahrheiten manche Lehrer blendete: ſo fand ſie doch im Ganzen weder bei Katholiken noch Reformirten den Beifall, den er erwartet hatte, und verfehlte ganz ihren Zweck.

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