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Darnach empfängt ihn eine dritte Arbeiterin, deren Maſchine die aus der Sohle herausguckenden Stifte abfeilt. Wieder wenige Minuten. Darnach werden die Abſätze gemacht und rund geſchliffen, endlich kriegt ihn die Nähmaſchine, die das dickſte Leder mit der größſten Ruhe durchſtichelt, die Henkel daran näht, und fertig iſt er.
Daneben iſt eine Fabrik für Damenſchuhwerk. Auch hier ein unglaublich kurzes Verfahren von der gröbſten bis zur feinſten Arbeit, denn die letztere macht nicht mehr Mühe als
die erſtere, nur die Materialien ſind theurer und die Maſchinen
In einer halben Stunde iſt der eleganteſte Frauen⸗
ſind feiner. Eine Königin
ſtiefel fertig, und mag er noch ſo elegant ſein. kann ihn nicht eleganter gebrauchen!
Von der Kleiderfabrikation rede ich gar nicht, wohl aber von den Hunderten von Nähmaſchinen, die hier alle neben einander in kleinen hübſchen Werkſtätten thätig ſind. So weit das Reich der Frauenarbeit ſich erſtreckt, ſo weit reicht hier auch die Maſchine. Sie näht und ſtickt, ſogar die Perlen⸗ ſtickerei verrichtet ſie wie den gewöhnlichſten Steppſtich⸗ Die Hand der Arbeiterin braucht nur das Werk der Maſchine zu leiten, ihr die Richtung zu geben, in der ſie arbeiten ſoll.
Seht dort die Handſchuhfabrik. Hier werden die Hand⸗ ſchuhe geſchnitten, mit Maſchine, dort werden ſie genäht, geſtickt, alles mit Maſchine. Im Nu iſt ein Paar in die Welt geſetzt.
Und ferner die Buchdruckerei! Eine kleine Preſſe nimmt den Satz, den junge Arbeiterinnen in ſchwarzen Calicot⸗ Blouſen mit den Winkelhaken in der Hand beſorgen. Dort die Steindruckerei, die Kupfer⸗ und Stahlſtecherei mit allen ihren Variationen, die Steinſchneiderei, deren Maſchine in das härteſte Geſtein gravirt.
Dort iſt auch eine Fabrik von Operngläſern, in welcher vor unſeren Augen die eleganteſten Operngläſer von A bis Z fertig gemacht werden. Der ganze Proceß geſchieht vor unſern Augen. 6 Hier iſt eine Preſſe, welche in dünne blanke Metall⸗ plättchen, dem ſogenannten double d'or, die niedlichſten Preſſungen beſorgt, vergoldete Uhrſchlüſſel, Broſchen, Hemd⸗ tnöpfe u. ſ. w. fabricirt. Daneben iſt eine Kammfabrik, welche die Zähne der Kämme mit der Maſchine ausſägt, eine Drechslerwerkſtatt, in welcher die Späne wie im Wirbelwind umherfliegen; dort eine Blumenfabrik, eine Fächerfabrik, eine Fabrik von Guipiren, von Falblas und Volants, von Uhr⸗ ketten, Meſſern und Gabeln und Gott weiß, was ſonſt noch.
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Da iſt auch eine Fabrik von Paſtillen und Bonbons; einem kleinen zierlichen eiſernen Kochherd ähnlich, fabricirt die Maſchine die ſüßeſten Dingerchen, auch die Vichy⸗Paſtillen; endlich eine Chocoladenfabrik, deren Maſchine nicht nur die Platten der Chocolade fertigt, ſondern ſie auch zugleich in die ſauberſten Etiquettes einſchlägt, und zwar mit einer Genauig⸗ keit, mit welcher Menſchenhände ſie nicht zu wickeln im Stande ſein würden.
Nicht minder intereſſant ſind die kleinen Maſchinen, welche die Briefcouverts fertigen, und wenn's lange dauert, werden ſie auch wohl noch die Briefe für uns ſchreiben, ſo daß wir uns die Finger nicht mehr mit Tinte zu beſchmutzen brauchen.
Ich führe hier nur einige Zweige aller dieſer Arbeits⸗ branchen an, denn endlos würde mein Artikel werden, wollte ich Alles beſchreiben. Wohin aber, frage ich, ſoll das führen? Der liebe Gott hat ſich gewiß viel Mühe gegeben, um unſere Gliedmaßen, unſere Hände und Füße ſo gelenkig und ſubtil zu ſchaffen, weil er uns auf unſerer Hände Arbeit anwies, wir aber ſind mit einander in eine ſo heftige Coneurrenz ge⸗ rathen, daß wir die Maſchinen erfinden mußten, um dem Gegner den Rang abzulaufen, um immer billiger und ſchneller zu fertigen. Ich ſehe ſchon kommen, daß wir Maſchinen erfinden, die uns das Eſſen gekaut in den Mund ſtecken, da⸗ mit wir uns nicht zu bemühen brauchen und die Zähne ſchonen, die uns Morgens an⸗, Abends ausziehen und uns zu Bette legen u. ſ. w.
Aber, ſo frage ich in allem Ernſt, was wird aus dem Handwerkerſtande, wenn die Maſchine um ſich greift? Er⸗ funden iſt ſie bereits für faſt jeden Handwerkszweig, und die Speculanten werden ohne Zweifel mit ihren Kapitalien ſich dieſer eiſernen Arbeiter bemächtigen, um aus dem mühſamen Werk der Hände eine Maſchinen⸗Arbeit zu machen.
Bisher genügte dem Geſellen ein geringes Kapital, um ſich zu etabliren, eine Werkſtatt zu errichten und Meiſter, Familienvater zu ſein. Wer aber von ihnen wird in Zukunft im Stande ſein, ſich die unentbehrlich gewordenen Maſchinen zu kaufen, und wie wird der arme Schuhmacher beſtehen können, wenn ich dem reichen Schuhfabrikanten nur das Bein in ſeine Thür hineinzuſtrecken brauche, um es beſtiefelt, mit Berückſichtigung aller Ueberbeine, Hühneraugen und ſonſtiger Eigenthümlichkeiten, wieder herauszuziehen?
Hans Wachenhuſen.
Reiſebriefe eines Perliner Künſtlers aus Aegypten und Rleinaſien.
Mitgetheilt durch Wilhelm Angerſtein.
P
Alexandrien, den 3. December 1861.
Lieber Vater! Heute Morgen bin ich hier glücklich an⸗ gekommen und ſende Dir und meinen lieben Geſchwiſtern dem gegebenen Verſprechen gemäß nun den erſten Theil meiner Reiſeerlebniſſe.
Wie Ihr wißt, verließ ich am 14. November früh mit meinen Reiſegefährten Berlin. Wir fuhren an dieſem Tage bis Prag. Die Fahrt war ziemlich langweilig, den beſten Theil zur Unterhaltung trugen die intereſſanten Punkte der ſächſiſchen Schweiz bei. Abends gegen 7 Uhr kamen wir an unſern Beſtimmungsorte ziemlich ermüdet an.
Prag bietet für den Fremden ſehr viel Sehenswerthes. Wir verwandten den ganzen nächſten Tag zur Beſichtigung der Stadt und würden viel mehr Zeit gebraucht haben, wenn wir uns nicht auf das Hervorragendſte beſchränkt hätten. Als ſolches muß ich beſonders den Hradſchin, die Domkirche auf demſelben mit dem Grab des heiligen Nepomuk und das alte
Judenviertel mit der uralten Synagoge anführen. Da gerade
der Schabbes begann, ſo ſahen wir die letztere in voller,
prächtiger Beleuchtung.
Die folgende Nacht hindurch reiſten wir bis Wien, wo wir am 16. November früh eintrafen. Die Kaiſerſtadt zu beſchreiben iſt ſchwer! Sollte ich Euch die Straßen, Gebäude ꝛe. herzählen,— es würde nichts Vollſtändiges werden! Und ſoll ich Euch erzählen, daß ich faſt allabendlich im Theater war, daß die Gemälde⸗Galerie ausgezeichnete Bilder enthält, daß es ſehr guten Wein gibt, das Alles könnt Ihr viel aus⸗ führlicher in Büchern und Feuilletons leſen! Genug, mir hat es in den vier Tagen meines Aufenthaltes ſehr wohl ge⸗ fallen. Freilich habe ich nirgends Silbergeld geſehen, manche Leute kennen daſſelbe gar nicht, und es machte auf uns einen höchſt komiſchen Eindruck, wenn wir ſahen, daß Herren und Damen ſtatt der Portemonnaies eine große Taſche mit mehreren einzelnen Abtheilungen hervorgezogen und ihre Kreuzerſcheine zuſammenſuchten.
Am 20. fuhren wir von Wien ab. Die Bahn über den Semmering iſt eine der wundervollſten, die es überhaupt geben kann; ſie ſteigt fortwährend in großen Bogen die furchtbaren Höhen hinan. Schneebedeckte Alpen wechſeln mit reizenden Thälern, dabei geht es durch eine Unmaſſe von Tunnels, von denen einer allein 4527 Fuß lang iſt. Von Morgens 8 bis Mittags 1 Uhr fuhren wir und hatten dann erſt die ganze


