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zu fahren.
und unauflöslich liefern, wie die dadurch hochgeachteten amerika⸗ niſchen Wheeler- und Wilſon⸗Maſchinen. Die cleganteſten Figuren, wahre Kunſtickereien, vermag ſie mit den verſchiedenen Nadeln und Apparaten an ihrer Maſchine, mit dem Tam⸗ burier⸗, dem Kettenſtich, dem Grover& Baker⸗Stich hervorzu⸗ bringen, ohne daß ſie mehr zu thun braucht, als den Stoff ſo unter die Nadel zu führen, wie ſie will, daß die Nadel ſtechen und ſticken ſoll. Sie wird eine Stickerin, eine Künſtlerin mit dieſer eiſernen Nähmamſell, ohne daß ſie viel Mühe des⸗ wegen hat. So ein Köpfchen von Mädchen hat ſeinen Stolz, und wer mag es ihm verdenken? Die Nähterin heut zu Tage fühlt ſich mit ihrer Maſchine im Beſitz eines Dienſt⸗ boten, der ihr willig das Geld verdient. Sie hat ſtatt der harten Arbeit jetzt eine leichte und anmuthige; ſie hört nähen, ſie ſieht nähen, und ſie ſelbſt näht doch nicht. Statt der er⸗ müdenden, abſtumpfenden Nähterei von früher wird jetzt ihr Geiſt durch den ſchnellen Fortgang der Arbeit belebt; munter folgt ſie der raſtlos thätigen und Figuren malenden Nadel mit ihren Augen, ohne ſelbſt die Hände zu rühren, und ſie nimmt nach neun, zehn Stunden Geſellſchaft bei ihrer Maſchine Abſchied von derſelben, um mit hellem Geiſt und in der beſten Gemüthsverfaſſung in Oskar's Arme zu eilen. Sie hat keine merkliche Anſtrengung gehabt und weder die Augen ſchmerzen, noch iſt die Bruſt gedrückt, noch der Finger zerſtochen.
Ganz beſonders verliebt iſt natürlich die Hausfrau, die Mutter der Familie, in eine ſolche eiſerne Nähmamſell. Die Frauen unſerer Zeit können nicht genug ihr günſtiges Schickſal preiſen wegen der Annehmlichkeiten, die ihnen ſo leicht und ſo reichlich gegen früher geboten werden. Alles verſchwört ſich, ihnen die Arbeit, die Gemeinheit des Daſeins zu nehmen, und es hängt wahrhaftig nur von ihnen ab, wieder zu Göttinnen zu werden, zu Engeln. Ein Dampf⸗Kochtopf ſpart ihnen Zeit, Feuer, Mühe; in zwei Stunden arbeitet die Nähmaſchine ſo viel, wie ſonſt an einem ganzen Tage zwei fleißige Hände. Die ehemalige Nähmamſell kommt nun freilich nicht mehr ins Haus, aber die Mutter verſchmerzt dieſe kleine Entbehrung leicht, denn ſie hat eine eiſerne, welche nicht horcht, nicht klatſcht, nicht plaudert, nicht übellaunig iſt und die zu ihrem Unterhalt nichs koſtet und jede Arbeit aufs beſte und pünkt⸗ lichſte beſorgt. Frauen, die nähen mußten für ihre Familie, die jeden freien Augenblick benutzen mußten, um für die „Bälger“ die Wäſche zu flicken, die damit nie fertig wurden — ſie beſorgen das Geſchäft jetzt ſpielend in einer Nach⸗ mittagsſtunde beim Plaudern und Kaffeetrinken und haben dann Zeit zur Ruhe, zur Erholung in geiſtigeren Beſchäftigungen.
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Wie gebildet, wie intereſſant, wie geiſtreich müſſen infolge der Nähmaſchinen alſo nicht die Frauen werden! Und die anderen Frauen, die vornehmen, welche ſich dafür bedankten, für ihre Familie ſelber zu nähen, die Nähen geradezu als eine ihrer unwürdige Arbeit misachteten und die daher immer nähen ließen— die gewinnen jetzt durch die Nähmaſchine Geſchmack an dieſer weiblichen Pflicht, erfüllen ſie mit Ver⸗ gnügen, betrachten die einſt misachtete Laſt jetzt als einen ariſtokratiſchen Zeitvertreib, als eine intereſſante und nützliche Spielerei. Förmliche Hymnen ſind aus dieſen Kreiſen der Nähmaſchine gewidmet worden. Die Nähmaſchine, natür⸗
lich recht elegant beſchaffen, mit Cylinderbureau, Holzſchnitzerei,
Silberverzierung, bei Friſter& Roßmann für 120 Thaler zu erhalten, bezaubert ſolche vornehme Dame. In großer Toilette, immer fertig zum Empfang ihrer Beſuche, ſchön und fertig für ſich ſelbſt, ſetzt ſie ſich heut an die Nähmaſchine, wie ſonſt ans Pianino, und mit ihren Füßchen bringt ſie das wunderſame Spiel in Gang. Ihre Kinder verlaſſen die Puppenſtube und ſchauen ihr zu und die kleine Turnübung verſchafft Madame Appetit, geſunden Humor und heitere Laune, worüber ihr Gatte ſich am meiſten freut. Wie lernen alſo dieſe Müßiggängerinnen von früher arbeiten und damit die Arbeit achten! Wie werden ſie alſo ſpielend an ihre Pflicht gemahnt und bilden fich mehr zu Hausfrauen als bis⸗ her! Jede anſtändige Königin, jede Prinzeſſin ſchafft ſich ein ſolches nützliches Spielzeug an und näht, und ſtolz zeigt ſie Sr. Majeſtät oder Sr. Hoheit das Hemde, welches ſie höchſt⸗ ſelbſt für dieſelbe angefertigt. Wie lange wird es dauern, daß in den gewöhnlichen Hofberichten der Zeitungen zur Ver⸗ breitung guter Beiſpiele auch zu leſen ſein wird: Ihre königl. Hoheit geruhten ſich alsdann an höchſtdero Nähmaſchine zu ſetzen, woſelbſt Hochdieſelben Se. Hoheit den Prinzen X. empfingen, dem Hochſie ihre Kunſtfertigkeiten mit der Nadel in überraſchend ſchneller Anfertigung einer Nachtjacke zu be⸗ weiſen geruhten. Worauf andern Tags Prinz A. um die Hand der Prinzeß anhält. Welche Frau wird ſich heutzutage daher nicht ſehnen, eine Nähmaſchine in ihrem Beſitz zu haben? Welches Mädchen ſie ſich nicht zu ihrer Ausſtattung wünſchen? Welcher Mann nicht gerne, und ohne daß ſeine Braut ſich deswegen zu ber⸗ drießen braucht, eine ſolche Nähmamſell mit anheirathen? Und es braucht ja heute keine fremde, keine amerikaniſche mehr zu ſein; deutſche Männer liefern heute ſolche deutſche Jungfrauen von Eiſen, und Berlin hat ſeinen Stolz darein geſetzt, auch hiervon richtige Berliner Kinder aufweiſen zu können. S.⸗W.
Ein heiteres Pild aus trüber Zeit.
„O Wandern, o Waondern, du freie Burſchenluſt!“ Wie Manchem wecken nicht dieſe Worte die Wanderluſt! aber doch Keinem ſo ſehr als dem„freien Burſchen“, dem ſie auch vor Allem gehören. Ein Stückchen ſolchen Burſchen⸗Wanderlebens iſt es nun, was ich erzählen will.
Durch Deutſchland wogte der Waffenlärm des letzten Jahres. Die Kriegstrommel raſſelte. Die Trompete rief ins Feld. Eine angſtvolle Gewitterſchwüle hüben und drüben laſtete auf jedem Gemüth. Wer nicht in der Fremde war, ſuchte gern, wenn er nicht ſelbſt auf der Schlachtenbühne eine Nebenrolle übernehmen mußte, die Heimat auf, und wer da⸗ heim war, dachte nicht ans Wandern.
Damals war es, als zwei Studenten in Heilbronn das Dampfſchiff beſtiegen, um nach Heidelberg den Neckar hinunter Der Eine war ein Rheinländer, der Andere ein Pommer. Sie kamen von Tübingen und hatten nichts Geringeres auf dem Herzen, als aus dem Preußiſchen ſich Geld zu holen. Es kamen keine Geldſendungen mehr nach Süddeutſchland durch, und wer ein wenig im ſtudentiſchen Daſein erfahren
iſt, der weiß, daß der Student„ohne Moos“ ein ruinirter
Menſch iſt.
Das Wetter war bei guter Laune, und die Studenten nicht minder. Sie addirten gewiſſenhaft die Trümmer ihrer „Heller und Batzen“ zuſammen, und fehlte auch manch theures Haupt, ſo hofften ſie doch, bei ökonomiſcher Strebſamkeit bis N. am Rhein zu kommen, ihrem Zielpunkt, wo die Schwind⸗ ſucht ihres Geldbeutels geheilt werden ſollte. Uebrigens nahmen die reizenden Neckarufer mit ihren zahlreichen epheuum⸗ rankten Burgen, Dörfern und Städtchen, die ſich friedlich an den waldigen Bergen hinzogen, ihre Aufmerkſamkeit ſo hin, daß ſie mit doppeltem Vergnügen reiſten.
Erſt in Ebersbach, einem badiſchen Städtchen, wo man Anker warf, wurden ſie wieder an den Ernſt der Gegenwart erinnert. Wohl der ganze Ort, Alte und Junge, Männer und Frauen, Alles war um eine Zahl abziehender Rekruten am Landungsplatze verſammelt. Das war ein Küſſen und Händedrücken, ein Schluchzen und Weinen und Lebewohl⸗ Rufen! O der Krieg! Aber glücklicherweiſe paarte auch hier das„Zarte ſich mit dem Rauhen.“ Nicht nur, daß es rührende Liebesſcenen gab, ſondern Jeder wollte den Abziehen⸗ den noch etwas Gutes auf den Weg geben. Dem fuhr eine Wurſt in die Taſche, Jener drückte mit Inbrunſt einen halben


