Jahrgang 
1867
Seite
527
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grellſten Contraſt bildete. Die Uniform der Offiziere(Abyſſinier wie ſie Alle) glich ganz der der Soldaten, indeß war der Stoff derſelben weißer und feiner, und anſtatt der geſchnürten Gamaſchen trugen ſie Stiefeln. Wie die Zouaven hatten die Unteroffiziere und Soldaten eineu grauen Mantel mit Kapuze, die Ofſiziere hingegen Mäntel von ſchwarzer Farbe.

Als Gradzeichen trugen die Corporale einen ſimplen Galon von gelber Wolle, die Sergeanten zwei Galons, die Sergeants⸗Majors drei dergleichen. Die Sous⸗Lieutenants trugen unter dem Aermel einen herumgehenden goldenen Galon; die Lieutenants hatten deren zwei, die Kapitäns drei, der Commandant vier.

Unteroffiziere und Soldaten waren mit dem gewöhnlichen Bajonnetgvehr bewaffnet, das ſie nach Art der Zouaven und Turcos unter dem rechten Arme trugen. Beide hatten keine Säbel, ſondern trugen außer dem Dienſt das Bajonnet an der Seite. Lieutenant und Sous⸗Lieutenant trugen gerade Säbel in Eiſenſcheiden wie die Offiziere der franzöſiſchen Infanterie. Der Commandant und die Kapitäne waren mit

ſehr ſchönen Yatagans bewaffnet.

So marſchirten ſie vom Bahnhof durch Paris nach dem Hotel des Invalides, wo ſie einquartirt werden ſollten, und zwar unter dem Trommelſchlage ihrer Tambours, deren Marſch nicht monotoner gedacht werden kann. Sie ſchienen auch nur einen einzigen Marſch gelernt zu haben, doch wechſelten zur Zufriedenheit der Pariſer die Trompeter zuweilen mit den Tambours ab.

Faſt ſämmtliche Abyſſinier waren von hohem Wuchs, und man ſchreibt ihnen eine herkuliſche Stärke zu. Alle hatten ſie die mexicaniſche Medaille auf der Bruſt, mehrere ihrer Offiziere ſo⸗ gar den Orden der Ehrenlegion. Natürlich ſchloſſen ſich ihnen auf dem langen Marſche durch die Stadt die Pariſer Soldaten

an und ſuchten vergeblich mit ihnen eine Unterhaltung anzu⸗

knüpfen. Indeß ſagt man, es ſeien unter ihnen einige Neger Abyſſiniens, die als Sous⸗Offiziere bei den Turcos gedient und ihnen als Dolmetſcher beigegeben worden.

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Das Bataillon zählte, als es Aegypten verließ, 400 Mann, hat aber von dieſen 140 verloren. Man hat es ſtets zu Operationen in der Terra caliente verwendet, in deren heißem, verderblichem Klima europäiſche Soldaten unfehlbar dem vomito negro erlegen wären.

Seit der Einquartierung des Bataillons ſah man nun

täglich den Boulevard Latour⸗Maubourg von Neugierigen be⸗

lagert, die ſich an die Abyſſinier drängten; doch war ſelbſt den Zungenfertigſten eine Unterhaltung mit dieſen Fremd lingen unmöglich, da die Sprache derſelben ein Gemiſch von Koptiſch, Türkiſch und Arabiſch ſein ſoll und außer den Dol metſchern kein Menſch mit ihnen ſich zu verſtändigen vermag.

Auch die Lebensweiſe dieſer Menſchen iſt ganz die heimiſche geblieben und hat ſelbſt der Krieg in fremder Erde ſie nicht von ihren heiligen Gebräuchen abzuwenden vermocht.

Compagnieweiſe kaufen ſie lebende Hammel ein, die in ihrer Gegenwart geſchlachtet werden und deren Fleiſch dann mit Reis zubereitet wird. Hierin beſteht ihre hauptſächliche Nahrung. Haben ſie nach orientaliſcher Vorſchrift das Thier nicht bluten geſehen, ſo rühren ſie es nicht an.

Am Tage nach ihrer Ankunft luden die Offiziere der kaiſerlichen Garde, welche mit ihnen dieſelbe Kaſerne theilen, die Abyſſinier zum Diner ein und führten ſie dann in die Kaffeehäuſer. Natürlich hatte man auch bei dieſer Gelegen⸗ heit die Vorſicht gebraucht, die Hammel, welche zu Cotelettes bereitet wurden, vor ihren Augen zu ſchlachten.

Nichts geht über die Mäßigkeit dieſer Leute. Keiner von ihnen rührt einen Tropfen Wein an, ebenſo wenig Liqueur; dahingegen verſchmähten ſie bei dem Diner Bier und Limonade nicht.

Zwei dieſer Abyſſinier ſind amputirt worden. hat den Arm, der andere das Bein verloren.

Man führt ſie jetzt in Paris umher, um ihnen die Wunder der Reſidenz und der Induſtrie⸗Ausſtellung zu zeigen; danach ſollen ſie auf Koſten der Regierung wieder nach Abyſſinien in ihre Heimat gebracht werden. N.

Der eine

Feuilleton.

Luxemburg.

Bei dem bedeutenden Intereſſe, welches die Feſtung wie das Land Luxemburg durch die politiſchen Ereigniſſe der neueſten Zeit für Jeder⸗ mann angenommen haben, wird es unſern Leſern ſicherlich erwünſcht ſein, wenn wir zu dem in der heutigen Nummer befindlichen Holz⸗ ſchnittDie Feſtung Luxemburg einige geographiſche Daten bringen, welche wir einem Artikel derIll. Ztg. entnehmen.

Luxemburg liegt auf den das maleriſch-ſchöne Felſenthal der Elz(franz. Alzette) umgebenden Höhen und iſt theils auf den nackten Felſen gebaut, theils in denſelben hineingearbeitet, ähnlich wie Gibraltar. Die Werke, welche einen Umfang von faſt einer deutſchen Meile haben, zerfallen in zwei Haupttheile: 1. Die eigentliche Feſtung die ſogenannte Oberſtadt auf dem linken Ufer der Elz, die auf drei Seiten durch die ſenk⸗ rechten Thalmünde des Fluſſes, der hier einen weiten Bogen be⸗ ſchreibt, geſchützt iſt; nur die vierte Seite geſtattet auf der Höhe der Felsebene eine, wenn auch ſchwierige Annäherung, iſt aber durch inen dreifachen Gürtel von Befeſtigungen und abgeſetzten Forts ge⸗ ſchützt. Die Oberſtadt iſt Krone und Mittelpunkt der ganzen Feſtung eine eigentliche Citadelle beſitzt ſie nicht. 2. Die Höben auf dem echten Elzuſt von geringerer dem linken Ufer liegt; ihre Stirnſeite iſt gegen Norden gerichtet. Belagerungsarbeiten auszuführen iſt ſchwierig, da der nackte Felſen faſt überall zu Tage tritt. Luxemburg kann eine wahre Muſterkarte befeſtigter Anlagen genannt werden; von der Form des römiſchen Caſtells den Römern verdankt die Feſtung ihre erſte Entſtehung ſind hier die Syſteme vieler Nationen, beſonders aber die Vauban'ſchen Muſter und die neupreußiſchen Forts vertreten.

Die Rückkehr des öſterreichiſchen Freicorps aus Mexico.

Der Fall des jungen mexicaniſchen Kaiſerreichs iſt eine allbe⸗ kannte Thatſache. Die franzöſiſche Armee hat dem Schauplatz des unrühmlichen Krieges den Rücken gewendet und mit ihr haben die öſterreichiſchen und belgiſchen Truppen, welche im Dienſte Kaiſer Maximilian's ſtanden, den Rückweg über den Ocean angetreten. Auf

zwei franzöſiſchen Transportſchiffen langte der Reſt der öſterreichiſchen Legion, welche zwei Jahre vorher, von den kühnſten Hoffnungen be⸗ ſeelt, dem Bruber ihres Kaiſers nach Mexico gefolgt war, um ihm dort einen Kaiſerthron erkämpfen zu helfen, im Hafen von Liſſa an. Ohne dies Ziel zu erreichen, nach unſäglichen Strapazen und Ent⸗ behrungen, kehrte die Hälfte der Legion, welche bei ihrer Abreiſe nach Veracruz ungefähr 7000 Mann zählte, in die Heimat zurück, die andere

Hälfte ruht größtentheils in mexicaniſcher Erde.

Das Freicorps hat dem Ruf des öſterreichiſchen Soldaten drüben in Amerika keine Schande gemacht. Unbekannt mit dem Terrain in einem feindlichen, inſurgirten Lande, mit dem Guerrillakriege und der Angriffsart, haben ſie ſich als eine tapfere und unerſchrockene Truppe bewährt, die der kampfgewohnten franzöſiſchen Armee ebenbürtig zur Seite ſtand. Iſt ihnen ein Vorwurf zu machen, ſo iſt es höch der zu großer Kühnheit, welche ſie oft die Vorſicht außen ließ und ſie zu Opfern plötzlicher Ueberfälle aus n Hinter⸗ halten machte.

Die mexicaniſche Kriegsgeſchichte worden und uns fehlt der Raum ſtürmung von Tezuitlan unter O nah von Zacapoaxtla, Acap

vén Tagesblättern erzählt ér zu wiederholen. Die Er⸗ Aieutenant von Kodolich, die Ein AcoTetela del Oro, Papaula, Teco⸗ den Legi cen glänzende Erinnerungen bleiben, und ſelbſt vie La Carbonera; wo eine öſterreichiſche Abtheiluug durch Porfirio Vraz gänzlich aufgerieben wurde, und bei Ahuacatlan haben die Bravour der hier von großer Uebermacht Be⸗

ſiegten dargethan. In Oeſterreich iſt zum Beſten der Heimgekehrten eine Subſerip⸗ tion unter dem Protectorat des Erzherzogs Karl Ludwig ef O

** Die Frauen Nordamerikas.

Der franzöſiſche Reiſende Duvergier de Hauranne erzählt uns über das amerikaniſche Badeleben, namentlich in dem von uns bereits mehrfach erwähnten Saratoga. Am Morgen begibt man ſich zu Fuß nach der Quelle, um Waſſer zu trinken; man ſpielt Kegel, ſchießt nach der Scheibe und flanirt nach Belieben. Um drei Uhr läutet die Glocke

zur Tafel. Die Muſik beginnt in dem Moment, wo die Neger, die