Jahrgang 
1867
Seite
474
Einzelbild herunterladen

Kle.

. mm

kühn und ſeltſam, aber zugleich ſo kindlich naiv, dieſe friſchen, üppigen rothen Lippen, halb geöffnet und die weißen Perl⸗ zähne zeigend, dieſes rabenſchwarze Haar, das nachläſſig ge ſchürzt halb auf den Nacken herabfiel, endlich dieſe ſchlanke und doch ſo runde Geſtalt, die kleine Hand, die einen Strauß von Feldblumen trug die ganze, ungewöhnliche Erſcheinung war es, welche Leopold mit Zaubergewalt getroffen hatte.

Und auch ſie ſchien Leopold nicht ohne ein gewiſſes Intereſſe angeblickt zu haben. In dieſem großen ſchwarzen Auge lag ein gewiſſes Lächeln, um dieſen reizenden Mund ſchwebte etwas wie Ueberraſchung, als ſie an ihm vorüber ſchritt und dann ſchelmiſch das Antlitz auf den Strauß der Waldblumen ſenkte.

Leopold war es, als müſſe er ihr nacheilen, als ziehe es ihn mit unwiderſtehlicher Gewalt ihr nach, und dennoch

waren ſeine Füße wie er an den Boden gefeſſelt!

Da ſchritten Beide neben einander hin, ſie leicht und elaſtiſch wie ein Elf, er bewußt und ſicher Beide ein Räthſel.

Und da ſtanden inzwiſchen die beiden Andern, ihnen nachſchauend, bis ſie hinter den Bäumen verſchwanden.

Lahrſtein war der Erſte, der wieder ein Lebenszeichen von ſich gab. Er nahm den Hut ab, führte die Hand an die Stirn und rieb dieſelbe, als ſuche er ſich von einem Traum zu befreien.

Er murmelte etwas vor ſich hin, was nur er ſelbſt ver⸗ ſtehen konnte, er trocknete den Schweiß von der Stirn, ſchüttelte den Kopf, fuhr ſich mit der Hand durch das Haar, blickte noch einmal nach derſelben Stelle, wo die beiden Fremden verſchwunden waren, ſtülpte ſich wieder den Stroh⸗ hut auf den Kopf und fuhr mit beiden Händen in die Hoſen taſchen, wie er es that, wenn er zu einem Entſchluß kam.

Laß uns nach Hauſe zurückkehren. Ich fühle mich un⸗ wohl! ſagte er mit mühſam verſtärkter Stimme zu Leopold, ohne auf deſſen Stimmung und Verfaſſung zu achten, von der er, mit ſich ſelbſt beſchäftigt, noch keine Ahnung hatte.

Leopold hätte gern den Wunſch ausgeſprochen, den Frem den zu folgen, denen es ihn nachzog, aber er hatte jede Dis⸗ poſition über ſich ſelbſt verloren; er fühlte ſich in einer Ver wirrung, die ihm keinerlei ſelbſtändige Handlung erlaubt haben würde. Leben und Traum, Bewußtſein und vollſtändige Geiſteszerfahrenheit wechſelten in ihm und verſetzten ihn in einen Taumel, der ihn willenlos machte.

Mechaniſch folgte er dem Vater, und Beide langten in einem Zuſtand bei den Ihrigen an, der dieſe mi Schrecken erfüllte.

Bisher war es nur Leopold geweſen, der durch ſein ſeltſames Venehmen Allen Beſorgniß eingeflößt; jetzt kehrte auch der Vater in einer ganz ähnlichen Stimmung zurück.

Vergeblich drang ſeine Frau in ihn; Lahrſtein wies jede Frage zurück und vertröſtete ſie auf morgen.

Sie verſuchte, aus Leopold etwas herauszubringen, aber der war in einer Verwirrung, die ihn ganz unzurechnungsfähig machte.

Frau Lahrſtein eilte händeringend in den Garten, in welchem ahnungslos die beiden Mädchen ſaßen.

Mit Beſtürzung hörten dieſe, was geſchehen, oder viel mehr was die Mutter ſelbſt nicht wußte. Aber auch ſie

wandten vergeblich alle Künſte auf, ein Räthſel zu durchdringen,

das bisher nur den Sohn verſchloſſen, jetzt aber auch den Vater zur Sphinx machte.

Ohne Zweifel, über dieſem Thal mußte irgend eine ent⸗

Ein Unglück,

ſetzliche Fee walten! man es jemals

betreten.

daß

2 3

Wir ſahen, wie der Vater ihn im Garten ſich ſelbſt überließ und Leopold ſich am Ufer auf den Raſen hinſtreckte.

Den Rauch ſeiner Cigarre in die Luft blaſend lag er da. Ihm war es ſo wohl, wenn er ſich allein befand. Dieſe herrlichen Mondnächte, wenn Alles ſtill um ihn her, wenn der See ihm ſo geheimnißvoll zuflüſterte und des Himmels reine Bläue mit der des Sees wetteiferte dieſe Nächte waren es, die auf ihn, der ſonſt nur in der ausge laſſenſten Geſellſchaft ſich wohl befunden, einen ſo mächtigen Reiz übten.

Er fühlte keinerlei Sehnſucht, die ihn in dieſe Welt hätte zurückziehen können; er war, wie ſchon geſagt, auffallend ernſt und contemplativ geworden, und wenn er mit ſich allein war, entwarf er hundert Pläne für die Zukunft, die ihm früher ſehr gleichgültig geweſen.

Eine halbe Stunde war verſtrichen,

gangen. Der Mond ſtand ſo klar am Himmel, die Sterne blitzten wie Brillanten an dem blauen Firmament; dunkler und tiefer, in eigenthümlichen Tönen färbten ſich die Felſenwände zum Ufer des Sees hinab.

Seit mehreren Tagen ſchon hatte Leopold es verſäumt, Abends den Kahn zu löſen, in den See hinein zu rudern und ſich dann auf der ſtillen Waſſerfläche treiben zu laſſen.

Er ſprang auf, ſchritt durch das Schilf, betrat die kleine Landungsbrücke, löſte den Kahn und ließ ſich mit einem Ruder⸗ ſtoß weit in den See hinein gleiten. Hier legte er ſich der Länge nach mit dem Rücken auf den Teppich des Kahns, ließ ſich langſam im Kreiſe herum treiben und zählte die Sterne am Himmel, nicht ſeine Gedanken.

Lange lag er ſo. Der Kahn bewegte ſich langſam, nur von den leichten unteren Strudeln des Waſſers kaum merk⸗ bar getrieben..

Ohne darauf achten zu können, da der Rand des Botes ihm nur einen Blick nach oben gewährte, war er allmählich wieder dem Ufer und den Villen zu getrieben, und zwar gerade nach einem noch unbewohnten Sommerhauſe, deſſen von Bäumen beſchattetes Ufer ſein Schilf und ganze Büſche von

Alles zur Ruhe ge⸗

Waſſerpflanzen, kleine Inſeln bildend, weit in den See hin⸗ einſchob. Leopold achtete nicht darauf; er dachte zurück an alle

die hinter ihm liegenden blutigen Scenen des Krieges, an einen Tag, bei dem er oft gern in Erinnerung wieder ver⸗ weilte.

Er war mit einem Reguiſitions⸗Commando ausgeſchickt, er kam in ein Dorf vor die Wohnung des Verwalters.

Sie ſollen Schlachtvieh haben, ſagte er zu dieſem höflich.Ich bitte Sie, mir nichts zu verheimlichen, da ich nicht mehr nehmen werde, als wir dringend bedürfen.

Der Verwalter zuckte die Achſel und verſicherte, er beſitze dergleichen nicht mehr, doch wolle er ihn zum Beweiſe deſſen in die Ställe führen.

Auf dem Wege dahin geſtand er Leopold, daß er in ſeinem leeren Pferdeſtalle allerdings zwei magere Kühe finden werde, die der Förſter dort in Sicherheit zu bringen geglaubt habe. Dieſe Thiere ſeien aber ſo mager, daß ſie den Transport nicht werth, und der Förſter ſei ein armer Mann. Leopold werde alſo ein mildes Werk üben, wenn er der blut⸗ armen Familie dieſes für ſie ſo werthvolle Eigenthum laſſe.

Man erreichte die Ställe, und Leopold ſah allerdings zwei magere Kühe.

Der Förſter iſt wirklich ſo arm? fragte Begleiter..

Ich wiederhole es! Den armen

W

getroffen. Gut, ſo mag er dand⸗⸗

in Ropf ein Uacken. w. Ein Ropf und 8 Der Verwalter p⸗ p halten Zipfel dieſes ld die Hand öne Thiere e zerüber und drückte Lüften wir wenigſtens einen Zipfel dieſes mez delley vald die Hand. gar hooh erfreut hier SSchleiers pron wir noch einmal zu der err Lieuter, var. Schleiers und kehren wir noch großen, led he ich danke Ihnen im zurück, ſeit welcher in Leopold eine ſo traurige S2 Süberwölbten Auge, di ſie einen ſelbſt no 1 vorgegangen. Duft der Pfirſiche zilie. Aber Sie en 6 tt drüben woh Ser B en Sie! d um as Lohn Sh eine ſchöne Tochter, di 4 Förſter er ha 2