ſie lieferte ferner regelmäßige Beiträge an die Redaction des „New⸗Orleans Delta“ und die des„Sunday⸗Crescent.“
Nach einem Ausfluge nach Texas, wo ſie bei ihrer vorigen Anweſenheit eine große Beſitzung gekauft hatte, gründete ſie ein eigenes Journal und ward Profeſſor der lateiniſchen Sprache an einer Erziehungsanſtalt für junge Damen. Indeß erwachte bei dieſer bürgerlichen Beſchäftigung in ihr doch wieder die Luſt zum Theater; es zog ſie unwider⸗ ſtehlich an daſſelbe zurück, und ſo trat ſie, die Tänzerin, denn im Frühjahr 1858 am Variétes⸗Theater in New⸗Orleans in einer Tragödie auf.
Auch in dieſem neuen Fache erregte ſie denſelben Enthuſiasmus. Miß Menken machte wahrhaftes Furore in der Rolle der„Bianca.“ Die ſtrengſten Kritiker beugten ſich vor ihrem Talent, man bekränzte ſie mit Blumen, überhäufte ſie mit den glänzendſten Geſchenken.
Adah Menken hatte ein neues Feld der Thätigkeit ge⸗ funden. Sie gaſtirte an den Theatern in Cincinnati und Louisville mit dem bekannten Schauſpieler Booth, machte ſo⸗ gar Verſuche im Luſtſpiel und errang auch in dieſem den ungetheilteſten Beifall.
Trotzdem verließ ſie, von ewiger Unruhe getrieben, noch⸗ mals das Theater, um in dem Atelier von Jones in Colum⸗ bus die Bildhauerei zu ſtudiren. Hier gewann ſie ohne Zwei⸗ fel jene vollkommene Kenntniß der Statuaren, jener plaſtiſchen, vollendeten Attituden, durch welche ſie, mit einem makellos ſchönen, jeder Statue trotzbietenden Körper begabt, auf der Bühne hinzureißen weiß.
Ein Jahr darauf iſt Adah wiederum am Theater und macht eine Rundreiſe durch Amerika.
Im Juli 1863 ſchiffte ſie ſich nach Californien ein, wo⸗ hin ſie durch den Director Maguire für ſechzig Vorſtellungen engagirt war. Ihr erſtes Auftreten war eine Revolution. Kaufleute und Goldgräber lagen zu den Füßen Adah Menken's und boten ihr alle Schätze Californiens. Wenn Adah Menken, in ihre koſtbaren Pelze gehüllt, in ihrem von den ſchönſten Raſſepferden gezogenen Wagen in der Montgomery⸗Straße erſchien, glich ſie einer Kaiſerin inmitten ihres Volkes.
Am Abend vor ihrer Abreiſe überreichten ihr die Notablen von Virginia⸗City einen Goldklumpen von hohem Werth mit der Inſchrift:„Miß Adah Menken von ihrem Freunden in Virginia, Newada⸗Territory. 30. März 1864.“
Eine der neuen Straßen ward nach ihr benannt; Huldigungen über Huldigungen feierten ihren Abſchied, ja man überreichte ihr die Ernennung zum Ehren⸗Kapitän der leichten Dayton⸗Garde!
Adah ſetzte ihren Triumphzug fort und ging dann nach Maryland, um hier einige Zeit in ſtiller Zurückgezogenheit bei ihrer Mutter und Schweſter zu leben.
Dort erhielt ſie von England die ſchmeichelhafteſten Anträge. Sie acceptirte dieſelben und ging nach London. Sehr erklärlich erregte ſie hier durch ihre Schönheit, ihre
— 410
—
die größte Aufmerkſamkeit.
Adah trat in Mazeppa auf, einer Rolle, die bis dahin nur von Gymnaſtikern in einer ſehr gewöhnlichen, den poeti⸗ ſchen Intentionen Byron's wenig entſprechenden Weiſe dar⸗ geſtellt worden.
Schon vor der erſten Aufführung trat einer der Londoner Kritiker gegen ſie auf und ſuchte im Namen der Moral ihre Leiſtung beim Publikum in Mißcredit zu ſetzen. Adah, die in Amerika auch ſchon Journaliſt geweſen, nahm den Federkampf mit dieſem Kritiker auf und ſchrieb ihm folgenden Brief:
„Mein Herr! In Ihrem Artikel:„Ueber die Moral in der amerikaniſchen Kunſt» bezeichnen Sie meine Leiſtung als eine Darſtellung des Nackten und erwarten von Herrn Smith, er werde das Aſtley⸗Theater nicht durch eine ſolche herabwürdigen. Erlauben Sie mir, Ihnen einige Auf⸗ klärungen zu geben, die mir um ſo nothwendiger erſcheinen, als ſie ſelbſt geſtehen, weder von den Verdienſten der Künſt⸗ lerin noch von dem Stück etwas zu kennen.
„Das Stück an ſich iſt nichts anderes als der Mazeppa Byron's, und ich ſtelle den Helden des Dramas dar. Mein Coſtüm, oder vielmehr mein Mangel an Coſtüm geht nicht über den der Cerrito, der Roſati und anderer gefeierter Tänzerinnen hinaus. Ich habe die Sculptur aufmerkſam ſtudirt, und meine Haltung, meine Stellungen, nach den Wer⸗ ken Canova's gewählt, verletzen weder die Delicateſſe noch die Sittlichkeit, wie es wol die Gewohnheit der Damen des Haymarket und Strand-Theater iſt. Erzeigen Sie mir, einer Fremden, alſo die Artigkeit, Ihr Urtheil zu ſuspendiren, bis Sie mich geſehen haben.“
Adah Menken trat am nächſten Tage als Mazeppa auf, und der ſtrenge Richter ward ihr eifrigſter Bewunderer.
Von England ging Adah nach Frankreich, und hier er⸗ ſcheint ſie noch dieſen Augenblick allabendlich in den„Piraten der Savannen“ am Gaite⸗Theater. Die Pariſer Feuilletoniſten haben begeiſtert ihr Lob geſungen; Adah Menken war Monate lang die Parole des Tages und iſt noch heute der größte Magnet für Jung und Alt.*
Mag dahin geſtellt bleiben, was ſie als dramatiſche Künſtlerin iſt, ich habe ſie nur in der Nolle des ſtummen mexicaniſchen Knaben in dieſem Stücke geſehen und bewundere an ihr eine der ſchönſten Statuen von Fleiſch und Blut, eins der ſchönſten Weiber, die je die Bühne betreten haben. Die Plaſtik, die Rundung ihrer Bewegungen, ihre Mimik, die ſelbſt in den Momenten der höchſten Leidenſchaft nie unſchön werden, ſind unwillkürlich hinreißend, und will man die lebende Statue auf der Bühne gelten laſſen, ſo iſt ſie als ſolche ein Meiſterſtück.
Ich habe ſie hier nur als eins der ſeltſamſten und be⸗ gabteſten Weiber geſchildert, deſſen Carrieère wechſelreich genug, um ſie uns als Künſtlerin und Abenteurerin intereſſant er⸗
ſcheinen zu laſſen. W.
—————
Weltansſtelungs Bilder.
II.
4
Die Phyſiognomie der Boulevards.— Die Wohnung der Pariſer Nomaden.— Das Kaffeehausleben.— Die Biches und Cocottes.— Die Gefahren der Nachbarſchaft.— Die Pariſer Füße.„
Seit meinem erſten Entrée vor etwa zwölf Jahren iſt mir Paris ſtets wie eine zweite Heimat erſchienen. Sobald ich
den Fuß wieder auf die Boulevards geſetzt, iſt mir, als ſei
ich während dieſer zwölf Jahre hier zu Hauſe geweſen; die Häuſer, die Magazine, die Café's, die Geſichter der Vorüber⸗ gehenden, ſie ſind mir alle ſo bekannt, ſo geläufig, als wären wir zuſammen in die Schule gegangen und als wäre ich ihnen ſeit damals jeden Mittag begegnet; die Zeitungsver⸗ käuferin, von der ich täglich mein Journal du soir abhole, ſie hat ſeit dieſen zwölf Johren daſſelbe unveränderliche Geſicht,
verkauft mir dieſelben Zeitungen, und im Café du Heeder ſitze ich auf demſelben Stuhl, trinke denſelben Kaffee oder den⸗ ſelben„Bock“— kurz es iſt Alles, Alles wie damals, wie es während der zwölf Jahre war.
Man ſollte nicht glauben, daß Paris, dieſes queck⸗ ſilberige Paris ſo immer dieſelbe Miene behält.
Und juſt ſo iſt's auch in den Hotels und Maisons meublées, in denen ich einkehre. Da ſtehen dieſelben Seſſel mit denſelben verſchloſſenen Ueberzügen, da hangen dieſelben Rideaux, da ſteht derſelbe Tiſch, da liegt derſelbe Teppich
Jugend, ihr Talent und ihr an Abenteuern ſo reiches Leben
—


