hunderts gehört und in ſtattlich reicher Durchbildung auf das kleine, alte Städtchen herniederſchaut. Im Jahre 1235 ward dieſer Dom geweiht; er iſt durchweg zwar im romantiſchen Stil gehalten, doch entſpricht derſelbe auch nahezu dem gothiſchen Syſtem, zumal in deſſen nordfranzöſichen Anfängen. Der Thurm mit ſeinem reichen Schmuck, die decvrative Ausſtattung des ganzen Aeußeren, der Portale, der Arkaden⸗Emporen, der Wandgalerie, haben dieſer Kirche einen Platz in der Kunſtgeſchichte geſichert. Die Stadt Limburg an der Lahn hatte früher ihre eigenen Herren, welche 1404 ausſtarben, worauf ſie an das Bisthum Trier fieh dem ſie ſchon zur Hälfte ſeit 1244 verpfändet war. Ein ehrwürdiges Alterthum von ihr iſt auch die berühmte Limburger Chronik, die zuerſt 1336 von Johann Gens⸗ bein, Stadtſchreiber von Limburg, begonnen und eifrig von mehreren Nachfolgern fortgeſetzt wurde. Sie iſt von ganz beſonderer Wichtig⸗ keit für die Sittengeſchichte des 14. Jahrhunderts und hat uns Volks⸗ lieder jener Zeit aufbewahrt. Am 16. September 1796 fand bei Limburg die Schlacht zwiſchen den Franzoſen unter Jourdan und den Oeſterreichern unter Erzherzog Karl ſtatt, in der Letztere Sieger
blieben. Eine Eiſenbahn im ſchottiſchen Hochlande.
unvergeßlich bleibt dem Reiſenden die Fahrt durch das von den eingebornen und fremden Dichtern ſo viel beſungene ſchottiſche Hoch⸗ land— unvergeßlich Dem, der im Sommer, vom Süden nach dem Norden Schottland auf der Eiſenbahn durchfahrend, das Thor der Hochlande, den Gürtel des Grampians hinter ſich läßt und nun ein⸗ tritt in das nackte, kahle, graue, wilde Hochland. Felſen und Berge, ſo weit das Auge zu dringen vermag, ſind die einzigen Gegenſtände, das Donnern der Gewäſſer, welche von den Bergen in die Thäler ſtürzen, die einzigen Töne, die zu unterſcheiden ſind, endloſes Grau iſt die Farbe, in welche ſich Himmel und Erde hüllen. Und dennoch iſt dieſe Einſamkeit weit entfernt davon, einförmig zu ſein, denn ihr iſt der Stempel der Majeſtät aufgedrückt, den Menſchen beſchleicht ein beengendes Gefühl von ſeiner Kleinheit und Nichtigkeit, dazwiſchen klingen ihm die Geſänge der Hochlandsdichter an Ohr und Herz, er⸗ haben wird die Stimmung, erhaben, wie es die Großartigkeit der Umgebung erfordert.
Unwillkürlich muß man ſelbſt im Sommer ſich die Frage auf⸗ werfen: Wie mag es hier ausſehen, wenn der Winter ſeinen Arm über dieſe Höhen, über dieſe Schluchten breitet, wenn der Hochlands⸗ ſturm ſeine Gewalten entfeſſelt; muß er nicht Alles, was hier zu leben wagt, mit ſich fortreißen und vernichten?
Die Hochlandsbahn hat ſchon in der wärmeren Jahreszeit mit den Naturſchwierigkeiten hart zu kämpfen, für den Winter, für die Zeit der Schneeſtürme ſind alle Vorbereitungen getroffen, um die Gewalt der Elemente zu überwinden. Unſer Bild zeigt einen Eiſen— bahnzug, der ſich durch die aufgehäuften, harten Schnee⸗ und Eis⸗ uaſſen arbeitet. Eine kurze Zeit ehe das keuchende Dampfroß naht, hätte der Wanderer, wenn es einen ſolchen um dieſe Zeit in dieſer Gegend gäbe, kaum eine Ahnung, daß hier eine Schienenſtraße hin⸗ auf zum Norden führt. Tief unter den Schneemeſſen liegen die Schienenſtränge, verloren ragt hier und da eine Signalſtange aus dem Nebel, der über dér weißen Decke, weiß wie dieſe, ſich aus⸗ breitet, da kommt es langſam angeſchnaubt, das Feuer und Dampf ſpeiende Ungethüm, die Locomotive. Trotz aller ihrer Kraft wäre ſie hier verloren, verloren wie die ihr folgende Wagenreihe, hätte menſch⸗ licher Geiſt nicht ein Mittel erfunden, auch hier die Macht der Ele⸗ mente zu brechen. Vor die Locomotive iſt ein anderer gewaltiger Dampfwagen geſpannt, der„Schneepflug“, der die Aufgabe hat, dem ihm folgenden Zuge die Bahn zu brechen. Großartig iſt die Gewalt dieſer Schneepflüge, mit raſender Geſchwindigkeit graben ſie ſich in die Schneeberge und ſäubern den Weg, vorüber keucht die Wagen⸗ reihe und hinter ihr ſchließt ſich wiederum die weite weiße Fläche.
** An den Bürgermeiſter Roth in Trautenan.
Soeben erſt, alſo ſehr ſpät, kommt mir eine Broſchüre zur Hand, die mich nöthigt, auch meinerſeits ein ernſtes Wort mit einem Manne zu ſprechen, deſſen Name im vorigen Jahre viel genannt wurde, näm⸗ lich mit dem Pr. Hieronymus Roth, dem famöſen Advocaten und Bürgermeiſter von Trautenau.
Derſelbe hat nämlich ſeine Gefangenſchaft in Preußen und die Ereigniſſe, welche derſelben vorangingen, in verſchiedenen öſterreichiſchen Zeitungen erzählt und dieſe Erzählung in einer Broſchüre:„Achtzig Tage in preußiſcher Gefangenſchaft und die Schlacht bei Trautenau“ zuſammengefaßt.
Die Broſchüre iſt in Preußen verboten. Ich weiß nun nicht, wie ich mit unſerm Preßgeſetz ſtehe, wenn ich eines Theiles ihres Inhalts dennoch hier erwähne; ich weiß aber, daß mich kein Preß⸗ geſetz der Welt zwingen ſoll, von dieſem Herrn meinen Namen herum⸗ zerren und in lügenhafter Weiſe misbrauchen zu laſſen.
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Wenn irgend Einer, ſo war ich es von Anfang an, der da warnte, den von Zeitungen und von Soldaten ausgeſprengten ſchauder⸗ haften Details des Ueberfalls bei Trautenau unbedingten Glauben zu ſchenken; indeß waren dieſe im Volke und in der Armee ſo feſt⸗ gewurzelt, daß eine einzelne Stimme unmöglich durchzudringen ver⸗ mochte.
Trotzdem erhitzt ſich der Herr Bürgermeiſter Roth in ſeiner Broſchüre darüber, daß ich es namentlich geweſen, der in ſeinem „Tagebuch vom Kriegsſchauplatz“ den Bericht über jene vermeintlichen Trautenauer Schandthaten, welcher aus Liebau der Breslauer Zeitung eingeſandt wurde, verbreitet und ſogar(was er als eine ganz be⸗ ſonders gravirende Anklage gegen mich betrachtet) in einem Buche, das erſt im November 1866 verbreitet worden.
Der Herr Bürgermeiſter geht mir da in einer Weiſe zu Leibe, die mich zwingt, wenn auch ſehr ſpät, ſeine Anſchuldigungen zu pariren. Ich habe alſo auf dieſe Folgendes zu erwidern:
1) Habe ich, was den Herrn Bürgermeiſter Roth betrifft, nur ſeiner Verhaftung erwähnt. Es gibt zwar in der Welt ſo viel Scheuſäler, daß ich, wäre ich ſo leichtgläubig, wie er mich ſchildert, auch ihn für ein ſolches hätte halten können. Aber das iſt nicht geſchehen.
2) Hat der Herr Bürgermeiſter mit einer Abſichtlichkeit, die auf ſeine Ehrenhaftigkeit durchaus kein günſtiges Licht wirft, wol den Liebauer Bericht aus meinem Tagebuche herausgegriffen, dagegen nicht leſen wollen und verſchwiegen, was ich, der ich mich an jenem Tage bei einem andern Truppenkörper befand, ausdrücklich zur Steuer der Wahrheit hinzugefügt. Dies lautet in meinem„Tagebuche“ wörtlich:
„Die Nachrichten über den Straßenkampf in Trautenau mögen in der erſten Aufregung wol übertrieben worden ſein. Man erzählte, daß man ſiedendes Hel und Pech aus den Fenſtern auf unſere Soldaten gegoſſen habe. Dergleichen Acte ſind traditionelle Ueber⸗ lieferungen aus früheren Kriegen, die immer wieder gern aufs Tapet gebracht werden, wie denn überhaupt die Zeitungen daheim, wenn wir deren auf dem Marſch einmal habhaft wurden, uns eine Menge von Scheußlichkeiten erzählten, die von den Eingebornen gegen unſere Soldaten verübt ſein ſollten, von denen wir jedoch nichts wußten.“
An einer andern Stelle, bei Gelegenheit des Brandes der Brennerei in Münchengrätz, bei welchem ich zugegen war, heißt es in meinem Tagebuch wiederholt:.
„Ich muß hier hinzufügen, daß wie in Trautenau, ſo auch hier der Thatbeſtand durch die Aufregung der vom Kampf noch erhitzten Gemüther ſehr entſtellt worden war.“
Warum, Sie wahrheitsliebender Herr Bürgermeiſter, verſchweigen Sie dieſe meine Aeußerungen, mit denen ich ſelbſt den Inhalt jenes Liebauer Berichts als unwahr⸗ ſcheinlich hinſtellte?
3) Schreibt der Herr Bürgermeiſter eine Unwahrheit, wenn er ſagt, mein Tagebuch ſei erſt im November ausgegeben worden. Die Vorrede der erſten Auflage iſt vom Auguſt datirt. Was ich oben angeführt, wurde unmittelbar nach dem Kriege in dieſer erſten Auflage geſchrieben, und erſt die dritte und vierte Auflage datiren ausdrücklich vom November. Der Herr Bürgermeiſter hat ſich alſo aus meinem Tagebuch herausgegriffen, was ihm für ſeinen Kram paßte, d. h. den angeführten Bericht einer Zeitung; meine eigenen über denſelben geäußerten, den Gerüchten entgegen tretenden Aeußerungen aber hat er abſichtlich verſchwiegen.
4) Habe ich den Herrn Bürgermeiſter zu erinnern, daß ich, als ich im Jahre 1859 die öſterreichiſche Armee in Italien begleitete, es für eine Chrenpflicht hielt, die öſterreichiſche Armee gegen alle die Vandalismen in Schutz zu nehmen, welcher ſie von franzöſiſchen und italieniſchen Blättern beſchuldigt wurde. Die öſterreichiſche Armee kennt die Sympathien, welche ich ihr ſeit jenem Feldzuge bewahrte. Nie iſt es mir eingefallen, in den ſechs Feldzügen, deren Zeuge ich war, die Gaſtfreundſchaft operirender Armeen mit Undank zu ver⸗ gelten, am wenigſten aber die Heſterreichs, für deſſen Volk und Armee ich ſtets ein wärmeres Intereſſe gehegt, als vielleicht meiner literariſchen Stellung gut war. Möge das Syſtem, das ich rück⸗ ſichtslos tadelte, vertheidigen wer da will!
Wenn der Herr Advocat und Bürgermeiſter in Trautenau alſo nach Advocaten-Manier von mir citirte fremde Berichte willkürlich aus meinen Buche herausgreift, um meine Wahrheitsliebe zu ver⸗ dächtigen, ſo vergißt er, daß die Heffentlichkeit ein Forum iſt, das ich ihm wie jedem Andren gegenüber mit ſicherer Stirn zu beſchreiten gewohnt bin.
Die verehrlichen Redactionen öſterreichiſcher Blätter, welche die Beſchuldigungen des p. Roth abgedruckt, bitte ich, auch dieſer meiner Erklärung Raum gewähren zu wollen.
Paris im März 1866. Hans Wachenhuſen.
Der Hansfreund erſcheint in Bänden von je 16 Heften à 6 großen Bogen mit ſchönen Original⸗Illuſtrationen, mit einem
mit humoriſtiſchen Bildern illuſtrirten Umſchlag elegant geheftet.
Preis pro Heft 5 Sgr.
Verlag der Hausfreund⸗Expedition(Lemke und Comp.) in Berlin, Kronenſtraße Nr. 21. Verantwortlicher Herausgeber: Hans Wachenhuſen.
Haupt⸗Erpedition und Druck bei F. A. Brockhaus in Leipzig.


