Jahrgang 
27-52 (1867)
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uniig

Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.

V. Jahrgang.

8

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Ein Blutstropfen.

Novelle

von

Max Lindau. (Schluß.)

Eduard hörte die Bedingung an, unter welcher ſein Vater die Einwilligung geben wollte, und lächelte. .Hier iſt meine Hand, theurer Papa, ſagte er, eich bin zufrieden, denn ich weiß, Du haſt nur mein Glück im Auge. Zehn Jahre würde ich warten, um Cornelia mein zu nennen; ich weiß es, daß ſie zwei Jahre älter iſt Mehr als dies, ſchein zeigen! Und wenn es ſo wäre, Vater, meine Liebe iſt eine ſo tiefe, unbeſiegbare, wenn Cornelia durch Pocken entſtellt wäre: das einzige Weib ſein, das ich lieben kann!

Eduard, laß Dir ihren Tauf⸗

für mich würde ſte dennoch

Auch wenn Du ein Vergehen von ihr wüßteſt?

Eduard wurde todtenbleich, ſeine Lippen zuckten krampfhaft; einen Augenblick, aber auch nur einen Augenblick, durchzog der Gedanke, Cornelia ſei ver⸗ leumdet worden, ſeine Seele; dann ſah er ſeinen Vater offen an und ſagte ruhig:Was weißt Du Uebles von ihr?

Nichts, mein Sohn; ich that dieſe Frage nur, um Dir Gelegenheit zu geben, die Stärke Deiner Liebe zu prüfen. Nimm an, ihre Vergangenheit ſei nicht ganz untadelhaft geweſen, vermöchteſt Du auch dann noch, ſie zu lieben?

Ich kann mir nicht vorſtellen, daß Cornelia jemals anders, als rein und edel geweſen iſt; daß ich das Gegentheil nicht eine Minute lang annehmen kann, ſei Dir der ſicherſte Beweis meiner Liebe zu dem herrlichen Mädchen.

Doctor Sternberg ſagte freundlich;Das gebe ich zu. Laß es jetzt bei dem, was ich verlange und Du mir verſprochen haſt. Erſt nach Jahresfriſt haſt Du Dich als Cornelia's Verlobten zu betrachten;