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Jules Robert zu ſich kommen, der ihm einen Anſchlag über die Koſten eines vollſtändigen Orcheſters aufſtellen ſollte. „Zunächſt bedürfen wir,“ antwortete der Pianiſt,„zwei erſte und zwei zweite Violinen.“ „Zweite Violinen!“ rief Herr k.,„die ſtreichen Sie aus. Ich werde den Preis dafür gern zahlen, aber ich ver⸗ lange nur erſte Violinen.“ 1
Ein Verwandter Friedrich von Sthiller's
iſt zu Stuttgart in dieſen Tagen im hohen Alter geſtorben. Es iſt der charakteriſirte Oberſtlieutenant Ludwig Eberhard von Alberti, der als junger Artillerie⸗Officier noch die Feld⸗ züge von 1813 bis 1815 mitgemacht und, wie erzählt wird, die Völkerſchlacht bei Leipzig mit dem erſten Kanonenſchuß eröffnet hat. Als Hauptmann aus dem activen Dienſt ge⸗ treten, war er längere Zeit Vorſtand der k. Gewehrfabrik zu Oberndorf und 1848 wurde er Stuttgarter Bürgerwehr ernannt. Seine einzige Tochter iſt an den Enkel unſeres großen Friedrich Schiller, den k. k. öſterreichiſchen Cüraſſiermajor Friedrich von Schiller, ver⸗ heirathet. 9 L.
Miscellen. Wann iſt die geeignetſte Zeit, den König von Preußen
bum eine Unterſtützung anzugehen?
Wenn ſich der König aus dem Schloſſe in Berlin nach der Luſtgartenſeite ins Fenſter legt— denn da hat er immer die Börſe vor ſich liegen. 5
„Auf Ehre, mir iſt heute recht dumm,“ ſagte ein Herr zu ſeinem alten Bedienten.—„Ja,“ erwiderte dieſer ängſt⸗ lich,„Euer Gnaden ſehen auch ganz darnach aus.“* ———— 4
Im Wochenblatte einer kleinen Gebirgsſtadt fand ſich neulich folgende Todesanzeige:
.„Das Muſter ehelicher Zärtlichkeit, das Weib wie es ſein ſollte und noch keineswegs geweſen iſt, die holde Gattin iſt nicht mehr. Sie ſtarb an den Folgen der unerforſchlichen Wege der Vorſehung im noch nicht einmal vollendeten 59. Lebensjahre. Es giebt Leiden, von denen ſich die Begriffe keine Vorſtellung machen können; zu denen gehört meine dahingeſchiedene theure Ehegenoſſin, deren Herzensgüte
1 und deren Wandel beiſpiellos war. So war auch unſere Ehe kinderlos, da wir bis jetzt noch nicht mit Nachkommenſchaft geſegnet ſind. ſeinem ganzen Abſcheu zu würdigen weiß, wird der Hinge⸗ ſchiedenen noch im Grabe eine getreue Kunde bleibem und die von ihr betriebene Putzhandlung nicht im Stiche ſſen, da ich dieſe mit vier jungen Putzmamſellen fortſetzen werde.
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Vam deutſchen Büchermarkt.
Kriegschronik. Die Sächſiſche Armee im Feldzuge von 1866, von mehreren Officieren. Leipzig, bei Karl Minde.
Die gewaltigen Ereigniſſe des Jahres 1866, welche die langerſehnte deutſche Einheit, wenn auch mit ungeheuren Opfern, um einen Rieſenſchritt gefördert haben, wie einen ((chen nur die That und nicht das Wort in letzter Inſtanz zu fördern vermag, dieſe mittragenden Ereigniſſe werden den glücklich nun überwundenen Krieg zum ſegensreichen Ange⸗ deaken bei der Nation bringen; ſie geben ihm aber zugleich
zum Commandanten derd
Wer dieſen Verluſt 7
Sog, 767 auch eine Bedeutung, welche jedes Detail deſſelben beachtens⸗ werth für die Kriegsgeſchichte erſcheinen läßt. Die ſächſiſche Armee hat ſich dabei ſo tüchtig und ihres alten guten Rufes würdig erwieſen, daß ſie mit voller Anerkennung auch vom Gegner, in deſſen Reihen ſie nunmehr ſteht, hochgehalten wurde. Es iſt ſomit ein ſehr dankenswerthes Unternehmen einiger Officiere, die Thaten der Armee in jenen ſchwierigen Tagen in Böhmen wahrheitsgemäß an's Licht zu ſtellen, und man darf ſich freuen, daß dies in dem vorſtehenden Buche mit vieler Umſicht und vorurtheilsloſer Unparteilichkeit ge⸗ ſchehen iſt. Die ungenannten Herren Verfaſſer haben dem Particularismus hier keinerlei Brandopfer gebracht, und man findet ihren gründlich und fein gebildeten Sinn empfänglich für die Größe des durch den Krieg neu geſchaffenen Zeit⸗ und Staatsgeiſtes, der Deutſchland in Europa eine Stellung gegeben hat und noch mehr ihm eine ſolche geben wird, wie ſie der Bedeutung unſerer Nation zukommt.. B ₰
Gedichte von Ferd. Aug. Vorbrodt. Gedruckt bei Ffrdinand Demker in Magdeburg.
Es ſeien dieſe Gedichte nicht erwähnt, um deren Mangelhaftigkeit kritiſch zu zergliedern, ſondern um bei dieſer Gelegenheit zum Beſten des Verfaſſers und mancher anderer Gleichgeſinnten zu erwähnen, daß jeder junge Schriftſteller wohlthut, lyriſche Ergüſſe erſt einigermaßen der individuellen Vollendung entgegenzuführen, ſtatt ſie in ihrer ganzen Früh⸗ und Unreife dem Publicum zur Schau zu ſtellen. Ein wirkliches Talent kann durch den ſchlimmen Erfolg, der ſolche Eile zu begleiten pflegt, derart eingeſchüch⸗ tert werden, daß er alle Luſt zum weiteren literariſchen Streben verliert. O. B.
Hamburgs Ruin und Wiedergeburt. Von Herm. Peiſt. Hamburg und Altona, bei Mentzel. 1867.
Wenn dieſe drei durchaus für ihren bedeutungsvollen Gegenſtand aufrichtig begeiſterten Gedichte den Brand von Hamburg und deſſen Wiedergeburt beſingen, ſo wird es bei dieſer nun lange hinter uns liegenden Kataſtrophe den den⸗ kenden Leſern gewiß zum Vortheil des deutſchen Selbſt⸗ bewußtſeins recht lebhaft vor die Seele treten, daß unſere deutſchen Seeſtädte, und namentlich Hamburg an ihrer Spitze, in nächſter Zukunft eine noch größere und ſchönere Wiedergeburt feiern können und werden, als ſie aus der Drümmerſtätte eines gewaltigen Brandes möglich iſt. Wir meinen die Wiedergeburt zur alten Hanſakraft, die Aufer⸗ ſtehung zur Macht und wohlgeſchützten einflußreichen Größe aus ihrer langjährigen und für Deutſchland wenig ehren⸗ werthen Schwäche zur See. Wenn auf den Meeren erſt die deutſche Flotte in angemeſſener Zahl ihre Segel entrollen wird, ſo wird unſer Handel einen politiſchen Nachdruck und Halt empfangen, der ihm die Stellung und Ausbreitung erreichbar macht, welche ihm das alte Europa ſeit einem halben Jahrtauſend zuwies. O. B.
Hiſtoriſche Erzählung von — Gericht Karl's XV., Schweden.— Literariſche
Inhalt: unter der Fremdherrſchaft.
Carl von Keſſel.(Fortſetzung.) Königs von Schweden und Norwegen. An Briefe von Otto Banck.
Feuilleton.„The Earlier VYears of His Royal Highness the Prince Consort“.(Fortſetzung.)— Das Mormonentheater. — Fould und Véron.— Ein Gaſthof für Europäer.— Ein Miß⸗ verſtändniß.— Zur Statiſtik des Selbſtmordes.— Ein Verwandter
Friedrich von Schiller's.— Miscellen.— Vom deutſchen Büchermarkt.


