Jahrgang 
27-52 (1867)
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ſchon hinter dieſen Mauern zubringen, würden Ihnen andere Gedanken eingeflößt haben, aber ich ſehe, Sie Ihrem thörichten Trotz, fuhr der Officier fort. Haben Sie wohl darüber welcher gefährlichen Lage Sie ſich

beharren noch immer in

nachgedacht, in befinden?

Ich kenne dieſe vollkommen und bin auf Alles

gefaßt, entgegnete die Gefangene mit Kälte.

Nun, dann werden Sie auch wiſſen, daß Ihr mit mir ſo bald wie mög⸗

Intereſſe Ihnen gebietet, lich Frieden zu ſchließen. Sie mir Ihre Hand.

Der Franzoſe wollte ſich mit Dreiſtigkeit einer der Hände Suſannens bemächtigen, dieſe aber zog dieſelbe mit Unwillen zurück.

Rühren Sie mich nicht an, rief ſie mißbrauchen Sie nicht die Gewalt, welche Sie augen⸗ blicklich über mich beſitzen! Sie wollen Frieden mit mir ſchließen? Wohlan, mein Herr, ſo beweiſen Sie dies dadurch, daß Sie Zeugniß für mich ablegen, daß ich mit der Ueberbringung des Briefes keine böſe Abſicht verband.

Das geht nicht, ſagte Lacombe,ich kaun nicht Ankläger und Vertheidiger zugleich ſein. Aber dennoch weiß ich einen Weg der Rettung für Sie.

Suſanne erbebte, eine leiſe Hoffnung ſtieg bei ihr auf; ſchüchtern richtete ſie ihre Augen auf den Capitän, aber enttäuſcht und angſtbeklommen ſchlug Sie dieſelben wieder nieder, als ſie den gierigen Blick, welchen der Verſucher ihr zuſendete, bemerkte.

Nun, ſagte dieſer faſt ungeduldig,Sie ant⸗ worten nicht? 3*

Suſanne ſchüttelte diesmal entſchieden den Kop

So hören Sie, was ich Ihnen zu ſagen habe. Ich liebe Sie, ich bin von Ihren Reizen entzückt, und ich geſtehe Ihnen, der Wunſch, Sie mehr vou mir abhängig zu machen und einen größeren Ein⸗ fluß über Sie zu erlangen, hat mich veranlaßt, Sie zu verhaften.

Wie unedel! rief die Gefangene, indem ſie dem Franzoſen einen Blick der Verachtung zuſchleuderte.

Alles läßt ſich wieder gut machen, antwortete dieſer,wenn Sie mir verſprechen, meine Liebe zu erwidern. Wir ſind die Herren hier in der Stadt und bei aller Strenge kann man auch wieder ein Auge zudrücken. Gehen Sie auf meine Wünſche ein und noch dieſe Nacht ſollen Sie aus dem Kerker be⸗ freit werden; ich verſpreche, Sie an einen Ort zu bringen, wo es Ihnen an keiner Freude des Lebens fehlen ſoll, wo jeder leiſe Wunſch von Ihnen ein Befehl ſein wird.

4Genug! rief Suſanne empört aufſpringend,

Kommen Sie und geben

und

f.

Novellen⸗Zeitung.

gehen Sie, mein Herr, und nehmen Sie als einzige Antwort meine Verachtung mit.

Jetzt ließ auch Lacombe die Maske fallen.

Sie ſchlagen meine Anerbietungen aus? rief er mit blitzenden Augen.Soll ich Ihnen ein Wort ſagen? Was liegt dem Kriegsgericht an Ihrer Verurtheilung man wird Sie mir überlaſſen, ja, Mademoiſelle, General von Hogendorp wird ſeinem Adjutanten dieſe kleine Bitte nicht abſchlagen, und während ich mich unter dem Zauber Ihrer Reize beuge, wird man Sie auf den Rapport als entflohen oder geſtorben ſetzen und die macht, und Niemand fragt wei

Der Franzoſe ſprach dieſe daß der ſchwarze Plan, welchen er entworfen, ganz unverhohlen hervortrat. Suſanne ſchauderte und ſie kämpfte noch mit ſich ſelbſt, ob Sie auf dieſe Infamie Etwas erwidern ode ſich duni ſchweigend verhalten ſollte, als ſich die Scene plötzlich in ganz unerwar⸗ teter Weiſe änderte. Von der Straße herauf ertönte nämlich auf einmal tobendes Geſchrei, untermiſcht mit wildem Pfeifen und allen anderen Zeichen eines drohenden Volksaufſtandes; dann wurde es wieder einen Augenblick ſtill und zuletzt fielen Schüſſe und Balken ſchmetterten gegen das Thor des Gefängniſſes, um daſſelbe zu ſprengen.

Was bedeutet das? rief Capitän Lac indem er aufſprang und im Begriff ſtand zu eilen. In dieſem Augenblick trat der Schließer mit be⸗ ſtürzter Miene ein.

Was geht vor? dieſer Lärm?

Eine bewaffnete Rotte ſtürmt d antwortete der Befragte Aufruhr begriffen zu ſei

Lacombe erbleichte. wieder im militäriſchen S beißend, wendete er ſi

Iſt die Wache

Allerdings, ſchwach und hat ke

ter darnach. Worte ſo unverſtellt,

ombe, an's Fenſter

fragte der Officier.Warum ¹

as Gefängniß, ganz Hamburg ſcheint im u. 4 Bald aber blitzte ſein Auge tolz und ſich auf die Lippen ch zu dem Wärter und ſagte: unters Gewehr getreten? antwortete dieſer,aber ſie iſt nur ine Inſtructionen. Schließen Sie die Zelle hier und dann folgen Sie mir! rief der Capitän, den Gang entlang eilend und die Treppe, welche nach dem Hofe führte, hinunter⸗ ſtürzend. 2 Geh' zum Teufel! und möge euch Alle je eher Strafgericht ereilen! burger Kind und auch unter dem Rock!

brummte der Aufſeher, je lieber des Himmels Ich bin doch auch ein Ham⸗ mir ſchlägt ein deutſches Herz

4

Sache iſt dann abge⸗

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Dann wendete er ſich zu Suſannen und ſagte:*