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der Literatur angehört, iſt ſie zugleich durch ihre Geburt eine Angehörige des Adels. Hieraus ergiebt ſich nothwendiger Weiſe, daß ſowohl Edelleute wie Schriftſteller zu ihr in Be⸗ ziehung treten; man lernt ſich beiderſeitig kennen und lernt, davon zu profitiren.
Im Mittelalter ging die Poeſie betteln, und wenn ſie das auch gerade zur Zeit der Renaiſſance nicht mehr that, ſo begab ſie ſich doch, um ihr Brod zu verdienen, bei einem großen Herrn in Dienſt. Allein der Poet war nicht, wie der Narr, der wirkliche Diener des oder jenes Prinzen von Ge⸗ blüt oder des oder jenes Kirchenfürſten. Als nun die Mar— quiſe de Rambouillet das Talent mit den Wappenträgerinnen in intimere Beziehungen gebracht hatte, da fiel durch dieſe
Berührung ein Widerſchein des Adels auf das Talent.
Noch bildete das Talent zwar nicht eine eigene Adels⸗ elaſſe, aber es wurde bereits eine Macht, und die Akademie brauchte nur noch die Standesveränderung ins Regiſter ein⸗ zutragen. Aber auch der Edelmann gewann durch die Be⸗ rührung mit dem Schriftſteller einen ſchöngeiſtigen Anſtrich. Bisher war ſein Leben nur auf der Jagd und im Kriege verſtrichen, das heißt, er hatte nichts Anderes gethan, als ge⸗ tödtet und geflucht. Allein von dem Tage an, wo er den Fuß in einen Salon ſetzte, mußte er ſich des Ruhmes⸗ und Stalldunſtes entledigen, und dagegen fühlen und denken lernen.
Von dieſem Augenblicke an verändert auch die Sprache ihren Charakter. Es iſt nicht mehr die rohe eyniſche Sprache des Mittelalters, oder die ſchwerfällige, pedantiſche Sprache der Schule; der geſchriebene Styl richtete ſich nach dem ge⸗ ſprochenen Styl, und verlieh der franzöſiſchen Proſa eine Anmuth, eine Lebendigkeit der Haltung, die ſie zur erobernden Weltſprache machte, ihr zum Siege des Wortes verhalf.
So gründete die Marquiſe de Rambouillet in Frankreich unbewußt eine förmliche Erziehungsanſtalt. Dadurch, daß ſie in ihrem Salon den Edelmann mit dem Schriftſteller zuſammenführte, dadurch, daß ſie mit ihrer eigenen zarten Hand alles Eckige oder Anſtößige zwiſchen dem Stolze des Einen und der Ueberhebung des Andern milderte, machte die Marquiſe den Adel zum Clienten des Talents und bereitete ſo die Regierung der öffentlichen Meinung vor.
Das Verſammeln trägt zur Bildung bei, und nicht umſonſt wird discutirt. Erſt ſtreitet man miteinander, um ſich dann zu verſtändigen, das lehrt die Geſchichte der ent⸗ gegengeſetzten Elektricität. Und ſo gelangt man endlich auch einmal zu jener Gemeinſamkeit der Ueberzeugung, die man öffentlichen Geiſt zu nennen pflegt..
Ddiieſſer ſich ganz allmälig hinter der ſpaniſchen Wand des Salons heranbildende öffentliche Geiſt ſollte bis zu einer neuen Ordnung der Dinge das Gegengewicht des Despotis⸗ mus der Monarchie bilden. Aus der Kirche ging die Ligue hervor, aus dem Salon die Fronde, bis am Ende des näch⸗ ſten Jahrhunderts noch etwas ganz Anderes, als die Ligue oder die Fronde aus dem Salon erwuchs.
Hat man erſt einmal am Plaudern Gefallen gefunden, ſo möchte man immer plaudern, und wenn man nicht mehr beieinander iſt, oder ſich Einer, mit dem man vertraut ge⸗ worden, auf längere Zeit entfernt hat, ſo ſetzt man die Unter⸗ haltung ſchriftlich fort; denn die Correſpondenz iſt nichts Anderes, als eine Unterhaltung räumlich Geſchiedener.
Die Correſpondenz bildet die Interimsperiode der Preſſe im ſtebenzehnten Jahrhundert; der Salon hatte die Einheit des Geiſtes in Paris gegründet, indem durch ihn ein Theil der Stadt mit dem andern in Berührung kam, z. B.
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Novellen⸗
Jeitung.
le Marais mit dem Faubourg Saint⸗Germain. Die Corre⸗ ſpondenz aber bereitete die Solidarität des Gedankens vor, indem ſie Paris in den Bereich der Provinz brachte.
Abermals war es eine Frau, und wiederum eine Mar⸗ quiſe, der die Ehre der Begründung dieſer neuen Macht ge⸗ bührt. Frau von Sevigné hatte das Verdienſt, die Preſſe vorzubereiten und zuvor für die Preſſe eine beſondere Sprache zu erfinden, die ſogenannte leichte Sprache, die Sprache der Polemik, die Sprache der Lebendigkeit, die improviſirte, unvorhergeſehene, behende, lebhafte Sprache, die nicht lange an der Phraſe drechſelt, ſondern ſie hinwirft, durch ein kurzes Wort einen Gedanken anregt, um ſofort wieder zu einem neuen Gedanken überzugehen.
Fortan bildet die Frau einen integrirenden Theil des Genies; das ganze achtzehnte Jahrhundert muß ihre Schule paſſiren. Es giebt kein Meiſterwerk der Zeit, auf deſſen letzter Seite nicht der Geiſt, welcher die unſichtbare Schrift zu leſen verſteht, die Unterſchrift der Frau erkennt. c.
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4 Eine engliſche Sitte.. Der 29. September, das Michaelisfeſt, iſt für England nicht blos wichtig, weil an dieſem Tage in London der neue Lordmayor gewählt wird, ſondern auch dadurch intereſſant, weil an dieſem Tage in allen Famillien, die es möglich machen können, eine gebratene Gans auf dem Tiſche erſcheinen muß. 1 Den Urſprung dieſer Sitte erzählt man in folgender Art. Die Königin Eliſabeth begab ſich am 29. September 1588 nach dem Fort Tilbuty und dinirte in dem Schloſſe der Sir Nevill Umfreville in der Nähe des Fort. Unter den vorzüglichen Gerichten, welche der Königin ſervirt wurden, befand ſich auch eine ſehr fette gebratene Gans, von welcher Ihre Majeſtät mit großem Appetit aß. Sie verlangte dann ein Glas Burgunderwein und trank auf die Zerſtörung der unüberwindlichen Armada, welche in dieſem Augenblick die Küſten Englands bedrohte. Kaum hatte die Königin ihr Glas auf die Tafel geſtellt, als man ihr die Zerſtörung der furchtbaren Flotte durch einen Sturm meldete. „Man gebe mir,“ ſagte ſie hierauf,„noch ein Glas von dieſem Weine, um mir den ſchönen Gänſebraten und die er⸗ freuliche Nachricht verdauen zu helfen.“ 1 Im folgenden Jahre an demſelben Tage erinnerte ſich die Königin an das Gaſtmahl, das man ihr im verfloſſenen Jahre auf dem Schloſſe Sir Nevill's gegeben und an die an⸗ genehme Nachricht, die ſie dort erhalten hatte, und befahl, daß ihr zum Diner Gänſebraten ſervirt werden ſolle. Der Hof glaubte, an demſelben Tage ebenfalls Gänſebraten eſſen zu müſſen und von dem Hofe verbreitete ſich dieſe Sitte unter dem Volke, von dem ſie noch jetzt gewiſſenhaft beobachtet wird. Daß in Sachſen in vielen Familien ein Ainieea am Martinstage, den 10. November, den Tiſch ziert, geſchieht
bekanntlich zu Ehren des Doctor Martin Luther, für welchen Gänſebraten ein Lieblingsgericht war. C.
Zur Statiſtik des Kirchenſtantes.
Die neueſten Ereigniſſe haben die Blicke Aller wieder nach der ewigen Stadt gerichtet und ſo iſt es wohl geboten, einige intereſſante ſtatiſtiſche Data aus der Broſchüre Siloag- ni's„Roma davanti il Congresso internazionale di Sta- tistica del 1867“ zu entnehmen und ſie im Folgenden unfern Leſern mitzutheilen..
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