Jahrgang 
27-52 (1867)
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744 Novellen⸗

Qu'est ce qu'il y a hat Hoſen an, Parlez-vous hat Strümpfe an.*)

Was giebt es? fragte Perthes, der ein Fenſter V geöffnet hatte, einen in der Nähe ſtehenden Bürger.

Man ſchleppt wieder eine unſerer Frauen nach der Hauptwache, um ſie auszupeitſchen, antwortete dieſer zähneknirſchend.

Nein, man bringt das arme Ding ins Gefäng⸗ niß, rief ein Anderer,man hat es dabei erwiſcht, wie es im Begriff ſtand, einen Brief nach Altona zu befördern, und darauf beſteht bekanntlich Todesſtrafe.

Dann ſei ihr Gott gnädig! ſeufzte Perthes.

In dieſem Augenblick erſchien ein junger hoch⸗ gewachſener Mann in feiner blauer Matroſenkleidung mit loſe um den Hals geſchlungenem ſeidenen Tuch, dem der Schweiß vom Geſicht rann, während ſeine Augen wild rollten und ſich ſeine geballte Fauſt hoch über die Menge emporſtreckte.

Georg! rief Mettlerkamp, hin,? Ich will ihr nur ein einziges Mal ins Geſicht blicken und ihr ein Zeichen geben, daß ſie den Muth nicht verlieren ſoll, denn ich werde ſie retten und ſollte ich deswegen ganz Hamburg in Aufruhr bringen! rief er verzweifelt und ſtürzte fort.

Das iſt einer unſerer tollſten und verwegenſten Burſchen, ſagte Mettlerkamp zu Perthes gewendet.

Wer iſt er denn?

Darüber habe ich nicht mehr Kenntniß wie Sie, antwortete der Meiſter achſelzuckend.Er kam vor einiger Zeit nach Hamburg und ich lernte ihn kennen. Er nennt ſich Georg, aber ich glaube, das iſt nur ein angenommener Name und er hat ſeine Gründe, ſeinen urſprünglichen Stand zu verleugnen. Genug, ſein Einfluß iſt groß genug, und geben Sie Acht, er wird Alles daran ſetzen, um das Mädchen zu befreien.(Jortſetzung folgt.)

wo wollen Sie

Herbſtlieder von Oscar Liebel.

I.

Am öden Meeresſtrande Stand einſt ein Tannenbaum, Weit blickt er in die Lande, Bis zu dem fernſten Saum. *) Da die Franzoſen zur Zeit der erſten Revolution ohne Hoſen(Sansculottes) und ohne Strümpfe den Niederhein beſetzten und überall die Worte:Parlez-vous français undqu'est ce qu'il y at ertönten, ſo erfand der Volkswitz obige Redensart, die ſich bald über ganz Deutſchland verbreitete.

Zeitung.

Hab' oft bei ihm geſeſſen

Und ſtill in's Meer geſchaut, Ich wollte dort vergeſſen,

Der einſt das Herz getraut.

Doch konnt' ich's nimmer erreichen, Ich liebt' ja viel zu ſehr,

Ich hört' ihr Lied in den Zweigen, Ich ſah ihr Bild im Meer.

Nach langer weiter Reiſe Komm wieder ich zum Strand, Find' nicht die alte Weiſe, Find' angebaut das Land.

's iſt Alles anders worden,

Sie haben den Baum gefällt,

Nur's Herz in Mollaccorden Noch alte Liebe ſchwellt.

II.

Herbſtlich rauſcht es in den Blättern, Herbſt, was willſt du denn von mir?

Willſt du mir in deinen Wettern Zeigen, daß ich gleiche dir?

Ja, es paßt die falbe Farbe Zu des Herzens innerm Laut, Als ſich färbte roth die Garbe, Iſt geſtorben mir die Braut.

Nicht des Todes Engel Ulgen Sie hinauf in's Paradies,

Wo ich liebte, muß ich fluchen, Treulos war, die Treu' verhieß.

Kühlt denn, Winde, meine Wunden, Falle, rothes Blätterdach,

Biſt du, Herbſt, dann ganz geſchwunden, Kommt der Winter allgemach.

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Didaskalien von Fedor Wehl. Leipzig, bei Matthes. 1867.

Unſere deutſchen Theater groß und klein und der Geſchmack des deutſchen Publicums befinden ſich, wie Sie wiſſen, in einem Zuſtande, der es wünſchens⸗ werth macht, daß ihm von Zeit zu Zeit ein guter Rath ertheilt werde, bald höflich, bald grob, wie es eben die Gelegenheit mit ſich bringt. Wer eine Reihe

von Jahren das Bühnenleben als Anwalt des guten