Jahrgang 
27-52 (1867)
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742 Novellen

Scherz mit Dir erlauben, ſo nimm ihn geduldig hin, das wird jeden Verdacht ablenken.

Seid unbeſorgt, antwortete Suſanne, welche nicht ahnte, daß die eigene Feigheit ihres prahl⸗ ſüchtigen Verwandten ihr hier eine Falle ſtellte,ich werde mich mit Klugheit benehmen.

Jedenfalls brich morgen nicht eher auf, bis Du mich vorher noch geſprochen haſt, rief Stich der Da⸗ voneilenden nach, denn ſein Gewiſſen war von Neuem erwacht.Ueber Nacht kommt guter Rath, ſagte er, als er ſich allein befand und die Nachtmütze über die Ohren zog,ich will es mir nochmals überlegen und am Ende iſt es doch beſſer, wenn ich den Brief dem Georg zurück gebe.

Inzwiſchen befand ſich Suſanne längſt unter⸗ weges, und wandelte guten Muthes dem Willenthore zu, als der Meiſter beim Kaffeetiſche erſchien, um ſich die gewöhnliche Strafpredigt von ſeiner Ehehälfte halten zu laſſen. Wie die erſte Lüge in der Regel die zweite nach ſich zieht, ſo leugnete auch jetzt Meiſter Stich hartnäckig, über die Urſache von Su⸗ ſannens früher Entfernung aus dem Hauſe irgendwie Kenntniß zu haben, und obgleich die verſtändige Meiſterin dabei bedenklich den Kopf ſchüttelte, ſo mußte ſie ſich doch vorläufig hiermit zufrieden geben.

Von Angſt und zugleich von Eifer für ihren Ge⸗ liebten beſeelt, beſchleunigte das junge Mädchen ſeine Schritte und wollte eben das Thor paſſiren, als ſich einer der dort poſtirten Gensd'armen nach ihm um⸗ wendete. Suſanne erblaßte, während Clas Dirks denn dieſer war es einen leiſen Ruf der Ueber⸗ raſchung ausſtieß.

Nun, Suſanne, Ihr braucht Euer Geſicht nicht von mir abzuwenden, ſagte der Soldat mit einem halbtrotzigen, halb zur Verſöhnung geneigten Blick genirt Euch vielleicht mein verbranntes Geſicht? Nun ſo wißt, daß ich dieſe Wunden dem Landſtreicher verdanke, an den Ihr Euch gehangen habt.

Ich habe mich an keinen Landſtreicher gehangen, und es iſt gut für Euch, daß der Mann, welchen Ihr ſo verhöhnt, Euch nicht hört, er würde Euch ſonſt Sitte lehren, entgegnete unſere Bekannte, der das Blut in das Geſicht ſtieg und die jede Vorſicht ver⸗ gaß, als ſie ihren Geliebten und ſich ſelbſt ſo be⸗ ſchimpfen hörte.

die Hochmüthige ſpielen! Habt Ihr vergeſſen, was ich für Euch gelitten?

Laßt mich gehen, ſage ich Euch,ich will mit Euch nichts mehr zu thun haben.

Ihr verweigert mir alſo jedes Wort? fragte

Ho, ho! hohnlachte Dirks,Ihr wollt noch

Zeitung.

Clas Dirks, ſich mit zornglühendem Antlitz vor Su⸗ ſanne ſtellend und dieſer den Weg vertretend. Ihr habt nichts mit mir zu ſchaffen? wieder⸗ holte er, indem ſeine rohe Natur überſprudelte.Nun gut, ich werde Euch bald dahin bringen, daß Ihr dies Wort bereuen ſollt! Seht mich an, ſind meine Augen nicht verbrannt, iſt mein Geſicht nicht verbrüht? Nun, wem verdanke ich dies anders, als dem Burſchen, der es ſo gut verſtanden hat, Euer Herz zu bethören? Seht, noch die vergangene Nacht kämpften wir Bruſt an Bruſt und verdammt will ich ſein, wenn Ihr mir nicht ſagen ſollt, wo er ſich jetzt verſteckt hält!

Erſt jetzt trat Suſanne die ganze Gefahr, in welcher ſie ſchwebte, vor Augen und ſie bereute nun⸗ mehr bitter, ſo ſchroff gegen ihren ehemaligen Be⸗ werber aufgetreten zu ſein. Sie hatte ja keine Ahnung von den jüngſten Vorfällen, in die Georg veryickelt worden; in der Angſt ihres Herzens zweifelte ſie aber nicht mehr daran, daß der Mann, mit dem ſie ſo eng verbunden war, in der größten Gefahr ſchwebe und daß der Inhalt des Briefes, den ſie bei ſich trug, damit in der engſten Verbindung ſtehe. Sie beſchloß daher, ſich auf's Bitten zu legen und zu verſuchen, ob der frühere Zauber, den ſie auf Dirks ausgeübt, nicht noch einen Theil ſeiner Kraft be⸗ währe. 1

Laßt mich meines Weges gehen, Clas, flehte ſie mit weicher, zum Herzen ſprechender Stimme, laßt mich gehen und habt Mitleid mit einem armen ſchwachen Mädchen, ſetzt mich nicht der rohen Ver⸗ folgung und vielleicht einer Schande aus, die ich nicht ertragen würde.

Ja, ja, der Gouverneur von Hogendorp ſpaßt nicht, er iſt mit der Peitſche bei der Hand und viele Rückſichten werden dabei auf euer Geſchlecht nicht genommen, ſagte Dirks, indem er Suſanne mit ver⸗ ſchränkten Armen anblickte, während ſich in ſeinem Geſicht Etwas abſpiegelte, was auf einen Kampf zwiſchen dem bei ihm noch immer vorhandenen Ge⸗ fühl der Liebe hindeutete.

Er wollte eben noch Etwas erwidern, als plötzlich dicht neben ihm eine ſcharfbetonte Stimme rief: Was giebt es hier?

Suſanne zuckte heftig zuſammen, ein Fröſteln überlief ſie, unwillkürlich blickte ſie auf Capitän Lacombe ſtand vor ihr.

Ich bin verloren, dachte ſie, und ihre ſchlanke, elaſtiſche Geſtalt brach faſt zuſammen.

Was giebt's hier? wiederholte der Capitän,

wollte und alſo den Ausdruck rachſüchtiger Freude,

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der ſich vor ſeinem Untergebenen keine Blöße geben

eine ſchier dafür mach

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