Jahrgang 
27-52 (1867)
Einzelbild herunterladen

f

Vierte

bedeckten, ſtieg mit Hülfe eines betreßten Lakaien vom Wagen.

Dein Verlobter! rief der Lieferant und eilte gleichzeitig ſeinem Beſuch entgegen, welcher ſoeben ſchnaufend und huſtend die breite, mit Teppichen be⸗ legte Treppe hinaufſtieg.

Jetzt fühle ich wieder Muth, lispelte Emma, den Augenblick benutzend, wo ſie ſich allein befand er iſt hier, mein Rudolph iſt hier und mein Herz ſagt mir, er wird Mittel finden, mich zu retten!

Inzwiſchen war der Graf eingetreten und blieb Athem ſchöpfend einen Augenblick am Eingang des Salons ſtehen. Dieſer Augenblick genügte aber den beiden alten Herren, um miteinander zwei Blicke aus⸗ zutauſchen, von denen der eine die Frage ausſprach:

Nicht wahr, ich habe die Schönheit meiner Nichte nicht übertrieben? während der andere die Antwort enthielt:

Das Fräulein übertrifft in der That meine Er⸗

wartungen die Heirath iſt beſchloſſen und Sie werden Senator! 3

Meine Nichte, Herr Graf, ſagte jetzt Benard, dieſe vorſtellend;ſie iſt bereits auf Ihren Beſuch vor⸗ vereitet und hat mich gebeten, Ihnen gegenüber der Dolmetſcher ihrer Geſinnungen zu werden. Natürlich begreift ſie vollkommen die Ehre, welche ihr durch die Bewerbung eines Mannes von Ihrer Stellung und Ihren ausgezeichneten Eigenſchaften zu Theil wird.

Mademoiſelle, ſagte Herr von Rougemont galant,ich ſchätze mich glücklich, daß Sie eine ſo gute Meinung von mir haben; unter ſolchen Auſpicien eröffnet ſich mir die hoffnungsreichſte Zukunft.

Mein Herr, entgegnete Emma,wenn dies Ihr Ernſt iſt, ſo machen Sie wenigſtens die Rechnung ohne den Wirth.

Wie ſo, Mademoiſelle? fragte der Graf.Darf ich um eine nähere Erklärung bitten?

Weil Sie vergeſſen zu haben ſcheinen, daß zu der Verbindung, auf welche Sie ſoeben hinzudeuten beliebten, zunächſt doch meine Einwilligung gehört und dieſe werden Sie nie erhalten.

Der Graf rieb ſich etwas verlegen ſeine dicke Naſe und Benard warf ſeiner Nichte einen drohenden Blick zu.Kehren Sie ſich nicht an dieſe Launen, theuerſter Freund, ſagte er,dieſelben verſchwinden in der Ehe..

O, ich habe zu lange in der Welt gelebt, ſagte der Graf mit einem leichten Achſelzucken, indem er zugleich mit dem Lieferanten einen heimlichen Blick austauſchte,um nicht einer ſchönen Dame eine kleine Laune nachzuſehen.

Folge. 725

Jetzt richtete ſich unſere Bekannte ſtolz in die Höhe.Um Ihnen, Herr Graf, ein⸗ für allemal jede Täuſchung zu erſparen, ſagte ſie mit feſter Stimme, erkläre ich Ihnen auf das Beſtimmteſte, daß Sie gut thun werden, ſich auch der leiſeſten Hoffnung auf meine Hand zu entſchlagen. Und nun geſtatten Sie, daß ich mich entferne, denn ich finde wirklich, daß meine Gegenwart hier ganz überflüſſig iſt.

Mit dem Stolz einer Köͤnigin machte Emma eine zweite Verbeugung und ehe ihr Oheim ſie noch zurückzuhalten vermochte, ſchlug die Portière hinter ihr zuſammen und die beiden Herren befanden ſich allein.

Was iſt zu thun? fragte Herr von Rougemont, indem er ſich von Neuem ſeine Naſe rieb.

Wollen Sie die Partie aufgeben? fragte Benard mit verſtellter Zurückhaltung.

Wollen Sie auf den Senator verzichten? lautete die Gegenantwort.

Gut, dann ſind wir einig, lachte der Lieferant. Sie muß nach Paris.

Ins Kloſter, nickte zuſtimmend der Graf.

Natürlich, fügte Benard hinzu.Nehmen wir an

Keine Annahmen, mein Freund. Es giebt tauſend Mittel, den Eigenſinn einer Frau zu brechen.

Es kommt nur jetzt darauf an, feſtzuſetzen, wenn meine Nichte nach Paris gebracht werden ſoll.

Hm, entgegnete der Graf,ich denke, es wird gut ſein, wenn Sie damit noch einige Monate warten. Seitdem ich beſchloſſen habe, mich zu vermählen, denke ich ernſtlich daran, Gicht und Podagra loszu⸗ werden. Ich reiſe jetzt nach Italien, in die Bäder von Piſa, und denke von dort mit verjüngter Kraft heimzukehren. Sobald ich wieder in Paris bin, melde ich Ihnen meine Ankunft und dann ſchicken Sie mir die kleine Widerſpenſtige zu, damit auch dieſe in die Cur genommen werden kann.*.

Lieber wäre es mir, brummte Benard, deſſen Mißtrauen ſeit dem Vorfall am Fenſter von Neuem erwacht war,wenn meine Nichte die Reiſe ſobald als möglich antreten könnte.

Ei, mein Theurer, ſagte Graf Rougemont lachend,faſt ſcheint es, als trauten Sie ſich nicht die Macht zu, ein ſolches Kleinod zu hüten. Aber ich habe meine Gründe, auf meinem Wunſche zu be ſtehen und ſomit, denke ich, geben Sie nach und fügen ſich.

Nach dieſen Worten humpelte der Graf ebenſo, wie er gekommen war, zur Treppe hinunter.

Als das Rollen ſeiner Equipage in der Ferne