Jahrgang 
27-52 (1867)
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Es drehen ſich im muntren Kreiſe Die Mädchen Capri's ſchlank und leicht, Mit anmuthsvoller heitrer Weiſe,

Von Künſtelei noch unerreicht.

Es glänzen aus dem heitren Munde Wie Perlen Zähne, ſchön und weiß; Es blicken Augen aus der Runde Und Männerherzen klopfen heiß.

Die Hand vertritt die Caſtagnette, Sie ſpielt zum Tambourin Geſang; Sie ſchnalzt und klatſchet um die Wette Mit der hiſpan'ſchen Hölzer Klang.

Bald ernſt, gelaſſen und bald wilder Bewegt ſich rings der Blüthenkranz, Und ſtürmiſch bald und wieder milder Ertönt das Tambourin zum Tanz.

Da klopft zum frohen Jugendtone Ein Herz in lang verſchloſſ'ner Bruſt: Den Fuß des alten Cicerone Ergriff von Neuem Tanzesluſt.

Der Jugend Drang erwacht ihm wieder, Und in erneuter friſcher Kraft Zum kecken Schwung der ſteifen Glieder Hat ſich ſein Alter aufgerafft.

Die Tambourine raſcher ſauſen; Der Mädchen Auge funkelt hell, Und wilder ſtets die Reigen brauſen, Im Wirbelſchwall der Tarantell!

Abſchied von der Heimath.

Ich ſoll auf ewig aus der Heimath ſcheiden, Aus meiner Kinderluſt geliebtem Land! Ihr wünſcht, ich ſoll die goldne Wiege meiden Und ſoll zerreißen das geweihte Band!

Wo fröhlich ich durchlebt der Kindheit Spiele, Die erſte Jugendliebe ſanft gepflegt, 2 Das ſoll ich laſſen für unſichre Ziele Der Ehrſucht, die Ihr mir im Herzen regt?

Ihr wollt mit Kronen mir das Herz bethören, Umſchwindeln mir mit Phantaſien das Haupt! Sirenenſang muß ich mit Bangen hoͤren;

Weh, wer den ſüßen Schmeicheltönen glaubt!

Ihr ſprecht von Scepter, Macht und von Paläſten, Ihr zeigt mir eine grenzenloſe Bahn, Ich ſoll Euch folgen nach dem fernen Weſten Jenſeit des weiten blauen Ocean!

Novellen⸗Zeitung.

Das ird'ſche Daſein wollt ihr mir durchweben Mit Gold und mit Demanten überreich; Doch könnt Ihr mir auch Seelenfrieden geben? Iſt Euch der Reichthum mit dem Glücke gleich?

O, laßt mir meine ſtillen, ruh'gen Wege, Den unbemerkten Pfad im Myrthenhain. Der Wiſſenſchaften und der Muſen Pflege Iſt ſüßer, glaubt mir, als des Goldes Schein.

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Hamlet. Roman von Brachvogel. Breslau, bei Ed. Trewendt. 1867. 1

Es iſt ſchon mehrmals geſchehen, daß ein Roman⸗ dichter den großen Briten Shakeſpeare und deſſen Zeitepoche zum Gegenſtand ſeiner Darſtellung gemacht hat. Vor Allem dürfen Sie in dieſer Beziehung den nun bereits alten Roman von Heinrich König:Wil⸗ liams Dichten und Trachten als ein zwar etwas romantiſch gehaltenes, aber als ein ſonſt ſehr lebens⸗ volles und nicht poeſiearmes Zeit⸗ und Charakterbild mit Auszeichnung hervorheben.

Es kann indeß nicht davon die Rede ſein, daß mit den vorhandenen Werken der Geiſt des bedeu⸗ tenden Stoffes irgend erſchöpft oder auch nur das Intereſſanteſte davon gewiſſermaßen todt gelegt wäre.

Brachvogel hat ſehr richtig empfunden, daß noch manche culturgeſchichtliche Frage in Bezug auf die engliſche Sitten-, Staats⸗ und Volksentwickelung und ebenſo im Bezug auf das Leben am Hofe und die Stellung des Genius in der Geſellſchaft in den Tagen der Königin Eliſabeth ungelöſt ſei. Würde eine ſolche Löſung auch noch mehr Ruhe, Zeitaufwand und gründlichere hiſtoriſche Specialſtudien erfordern, als ſie der Verfaſſer des vorſtehenden Romans zu ver⸗ wenden hatte, ja finden ſich auch in ſeiner Arbeit manche Flüchtigkeiten und manierirte perſönliche An⸗ ſchauungen und Behandlungsweiſen ſeines Sujets,

fſo hat er dochdes Jahrhunderts große Hamletfrage, in welcher Shakeſpeare eine Hauptrolle zu Theil wurde,

oft in geiſtvoller Weiſe angefaßt und ſeiner nur zu emſigen Feder iſt hin und wieder ein neuer Schwung zu Theil geworden..

So hat ſich der Autor oft recht geſchickt in den Wortwitz und in das dialogiſche Gefecht des Shake⸗ ſpeare'ſchen Luſtſpiels hineingearbeitet. Er ſtellt uns den jungen Dichter vor, wie er von Stratfort nach London kommt, und vor dem Globustheater als Un⸗

bekannter ſtehend, von Lordcanzler Hatton's Haushof⸗

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