Jahrgang 
27-52 (1867)
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70² Novellen ſeinen Vorgänger um das acht⸗ bis zehnfache. Bezüglich der hochfeinen Producte macht der Bericht die Bemerkung, daß die Qualität des 1865ers zwar unter die beſten Erzeugniſſe dieſes Jahrhunderts zu rechnen ſei, daß aber in Folge der außerordentlich trockenen Witterung Mangel an edelfaulen und Roſinentrauben eingetreten ſei, ſomit Ausleſen nicht ſtatt⸗ finden konnten, und aus dieſem Grunde die hochfeinen Pro⸗ ducte fehlten, welche durch Ausleſe in den Jahren 1857, 1858, 1859, 1861 und 1862 erzielt worden ſeien, Uebri⸗ gens können wir dem Leſer die Verſicherung geben, daß der 1865er auch ohne Ausleſe und ſelbſt aus den minder guten Lagen ein wahrer Göttertrank iſt. Die Champagnerfabri⸗ kation wird dermalen in ſechs Etabliſſements betrieben, deren Umſatz ſich auf eine Million Gulden beziffert. Der Export der Rheinweine in's Ausland iſt fortwährend im Steigen begriffen, namentlich nach England werden in Folge der er⸗ mäßigten Weinzölle große Geſchäfte gemacht; auch in Ruß⸗ land iſt der Verbrauch des Rheinweins im Zunehmen. In⸗ tereſſant iſt ferner noch die ſteigende Bewegung im Mine⸗ ralwaſſerhandel. Während 1861 an den ſechs Quellen Selters, Fachingen, Weilbach, Ems, Schwalbach und Geilnau nur 3,191,214 Krüge gefüllt wurden, ſtieg dieſe Zahl im Jahre 1865 auf 3,804,175 und im Jahre 1866 auf 4,627,443 Krüge. Dieſe Steigerung der Ausfuhr in den letzten Jahren iſt beſonders dem vermehrten Verbrauch in Nordamerika zuzuſchreiben. Der Reinertrag aus den Mine⸗ ralbrunnen ergab im Jahre 1861 115,264 fl. und ſtieg im Jahre 1865 auf 190,607 fl. 9.

Bevülkerungsſtatiſtik von Rom.

Das Generalvicariat zu Rom hat in dieſen Tagen die diesjährige Bevölkerungsſtatiſtik in weitſchichtiger Ausführlich⸗ keit(Stato delle anime dell' alma città di Roma per l'anno 1867) bekannt gemacht. Die folgenden Notizen dar⸗ aus mögen hier ihre Stelle finden.

Rom zählt: 30 Cardinäle, 35 Biſchöfe, 1469 Welt⸗ prieſter, 328 geiſtliche Seminariſten und Collegialen, 2832 Mönche, 2215 Nonnen, 258 Zöglinge in nichtgeiſtlichen Collegien, 1642 weibliche Educanden in Conſervatorien, 1863 Knaben und Mädchen in milden Stiftungen, 42313 Familien, Summa 202786; hierzu kommen 7360 Militärs, 320 verurtheilte Gefangene, 457 Akatholiken, 4650 Juden Geſammtbevölkerung: 215573.

Wie langenwird die emge ſiebenhügelige Stadt noch dieſe in ihren Hauptzügen heſchauliche Phyſiognomie be⸗ halten! L.

Eine hübſche Strafe.

Der vor einigen Jahren verſtorbene Schauſpieler Vattemare, ein perſönlicher Freund Sir Walter Scott's, war wegen ſeines Talents, fremde Perſönlichkeiten täuſchend nach⸗ ahmen zu können, berühmt. Eines Tages bat man ihn in Rußland, einen großen Herrn, der als ein origineller Mann allgemein bekannt war, darzuſtellen.

Stellen Sie ihn auf der Bühne dar, ſagte man zu ihm,Sie werden uns dadurch ſehr beluſtigen.

Vattemare ließ ſich nicht lange bitten.

Am folgenden Tage betrat er die Bühne ganz ſo ver⸗ ändert, wie man es von ihm verlangt hatte. Er war nicht

Zeitung.

mehr er ſelbſt, ſondern eine ganz andere Perſon. Das Zucken der Glieder, die Stimme, die Wendungen des

Körpers, er hatte nichts vergeſſen. Und das in den Plan iſt e eingeweihte Publicum, ein ſehr ausgewäßitgg Publicum, Buchſ wollte vor Lachen berſten. Deus Als die Vorſtellung beendigt war, näherte ſich das Adad, Original, das ohne ſeine Einwilligung auf der Bühne dar⸗ geicij geſtellt worden war, ganz freundlich dem Schauſpieler. prnſch Mein lieber Vattemare, ſagte er zu ihm,mit ſerſc welcher Vollkommenheit verſtehen Sie Leute darzuſtellen! 1 iſſ C In der Wahrheit... wie... Sie... Deg, d Parbleu, mein Lieber, ich habe mich recht gut erkannt! bracht! anwortete der Ruſſe.Die Aehnlichkeit konnte nicht größer ſein. Ich war es ſelbſt. Die Miene, der Accent, der An⸗ zug, Alles daſſelbe. Sie hatten blos eine Einzelheit weg⸗ gelaſſen, dieſen Rubin, den ich gewöhnlich am kleinen Finger An der linken Hand trage und der mich unter Tauſenden erkennen onderen laſſen würde. Nehmen Sie ihn, mein Lieber, tragen Sie ihn der keide und morgen werden Sie mich vom Fuß bis zum Scheitel zau leen darſtellen. n Die Strafe war mild, aber die Rache ſehr hübſch. ein vord C. üt ſ Eine Cholera-Emeute.. Wie weit es in manchen Staaten, beſonders in dem Süden 2 min 1 Europa's, mit unſerer ſo oft gerühmten hohen Culturſtufe vlſul her iſt, davon liefert wieder eine Correſpondenz derItalie Lale einen höchſt traurigen Beleg. Dieſelbe lautet: 1 Die Bevölkerung in Ardore war ſchon längſt von Viid blinder Furcht vor der Cholera erfaßt, und witterte, ſobald 11 4 die erſten Fälle der Epidemie ſich zeigten, überall Gift und A age abſichtliche Anſteckung. Zunächſt kehrte ſich die Wuth gegen den Apotheker des Städtchens. Der Officier, welcher die in Ardore liegende Infanteriecompagnie befehligte, ſuchte die Raſenden mit guten Worten zu beſänftigen, vergebens. Der Unglückliche ward das Opfer ſeiner wohlgemeinten Bemü⸗ gi hungen; die Menge brachte ihn um und warf ſeinen zer⸗ gi ſtückten Leichnam den Schweinen vor. Die Soldaten waren d zu ſchwach, um Widerſtand zu leiſten; ſechs von ihnen und eru zwei Carabinieri wurden verwundet. Die Apotheke wardf geſtürmt und in Brand geſteckt, die ganze Familie des Apo⸗ thekers niedergemetzelt. Außer dem Officier, der Garzone hieß, fielen noch 20 andere Opfer. Beim Herannahen der Truppen flüchtete ein Theil der Bevölkerung von dem Schauplatze des Verbrechens. Die ganze Umgegend iſt in Aufregung, und nicht mehr als 2000 Nationalgardiſten ſind auf den Beinen, um doyn die flüchtigen Rotten einzufangen.. don g ün Ein ürztliches Urtheil. d Der kürzlich geſtorbene Leibarzt des Kaiſers der Fran⸗ din zoſen, Dr. Rayer, behandelte ſeit langer Zeit einen ziemlich A langwierigen, aber ſehr leidenden Kranken, bei dem jede di Woche eine neue Operation erforderlich war. Werden Sie den Kranken retten, Doctor? fragte eines Tages ein Freund des Patienten.. Ei nun! vielleicht nicht ganz, antwortete der Doctor, oin aber doch wenigſtens den größten Theil deſſelben! C. d n . 4