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„Ich weiß, Sie ſind gut,“ ſagte Amanda,„aber...“
„Aber, dann finden Sie mich vielleicht häßlich, nun?“
„Ach nein, durchaus nicht.“
„Nun?“
„Es würde ſo wunderlich ſein.“
„Gut,“ ſagte Hr. Brown,„das iſt-mein Fehler und Jedermann weiß,„daß ich wunderlich bin, meine theure Amanda.“;
Vier Stunden ſpäter hörten die Hinkles den Wagen vor der Thür halten und ſie eilten heraus, um Amanda zu begrüßen.
„Wir waren in ſo großer Unruhe,“ ſagte Miſtriß Hinkle.
„Ein ſo heftiges Gewitter,“ fügte Roſe hinzu.
Warſt Du ſehr erſchrocken?“ fragte Adelaide.
Aber Amanda ſagte nichts.
Der Onkel Richard zog ſich auch zurück, als ob ihm vor etwas bange ſei.
„Erzähle es ihnen, Amanda!“ ſagte er.
„Nein, Du mußt es ihnen erzählen, Richard,“ erwiderte Amanda.
Die Hinkles lauſchten voller Verwunderung.
„Was giebt es denn zu erzählen?“ fragte Miſtriß Hinkle. „Was giebt es denn für ein Geheimniß?“
„Nichts— wir haben uns nur trauen laſſen. iſt meine Frau, Miſtriß Brown.“
Das war die einzige Erklärung, welche gegeben wurde. Die Hinkles begriffen es niemals. Es blieb für ſie für immer ein Geheimniß; und obſchon ſie mit ihren Glückwün⸗ ſchen ſehr verſchwenderiſch waren und fortwährend die beſten Freunde blieben, ſo ſchmerzte Miſtriß Hinkle der Verluſt des Vermögens, das ſie ſchon als das Eigenthum ihrer Töchter betrachtet hatte, doch etwas und im geheimen Familienrathe erklärte ſie ſtets,„ſie ſei vollkommen überzeugt, daß der Onkel Richard nur aus Aerger ſich verheirathet habe, um Adelaide für den Streich zu beſtrafen, den ſie ihm geſpielt habe.“ C.
Das
Pariſer Leben.
Unter dieſem Titel hat Peterſſen eine Reihenfolge von Skizzen angefangen, die ſich natürlich und zwar in plauder⸗ hafter Weiſe über die verſchiedenartigſten Erſcheinungen der großen Weltſtadt verbreiten und von denen wir hier Einiges über Tanz und Spiel mittheilen. 4
Geht man an einem Sonntagmorgen durch die Rue du Petit⸗Carreau, ſo bemerkt man vor dem Hauſe eines Wein⸗ wirths einen Haufen Männer von mehr oder minder ſau berem Ausſehen. Es iſt dies die Reſerve der Armee der Pariſer Spielleute, aus der ſämmtliche Orcheſterdirigenten öffentlicher und ſonſtiger Tanzanſtalten der Weltſtadt ihr defectes Perſonal ergänzen oder überhaupt für Sonntag⸗ und Montag⸗-⸗Abend ein ſolches Perſonal bilden. Nehmen wir als Ausgangspunct auf dieſem Gebiet des Pariſer Polypho⸗ nismus die obſcure Tanzkneipe„Zu den drei Ratten“ am Pont⸗ Neuf, ſo baut ſich bis zum brillanten Tanzſalon Mabille eine Stufenleiter vor uns auf, die in andern großen Städten ihres Gleichen ſucht und aus der wir einige Sproſſenbilder herausgreifen und erläuternd dem Leſer vorführen wollen.
Es iſt acht Uhr Abends. Wir befinden uns in der Rue Sainte⸗Foy, am Ausgange der Paſſage du Caire. Plötzlich dringt der ſummende Ton eines Dudelſacks(musette) in
Novellen⸗Zeitung.
Begleitung von kurzen, dumpfen Lauten in unſer Ohr. Wir folgen dem Schalle und betreten den Laden eines Weinhänd⸗ lers, gleich darauf ein ſpärlich erleuchtetes Gaſtzimmer. In einem Winkel deſſelben ſteht ein Mann mit dem Inſtrument, deſſen Töne uns hergeführt, und bläſt aus Leibeskräften. Rings an den nackten Wänden ſitzen Männer und Weiber mit hochrothen Wangen, ſchwarzem Haar und dunkeln Augen. Auf der„Diele“— um einen norddeutſchen Ausdruck zu gebrauchen— ſtampft ein halbes Dutzend männlicher und weiblicher Gäſte nach dem Tacte einen Tanz. Das ſind Kinder der Auvergne, welche ihren Lieblingstanz— la La- bourée— ausführen. An hundert andern Orten florirt genau daſſelbe Divertiſſement.
Wir nehmen einen Wagen und fahren zur weiland Barrière Poiſſonnière hinaus. Vor einem hohen Hauſe halten wir. Aus einem hellerleuchteten, langen, ſchmalen Gange quillt uns eine dumpfe, heiße Atmoſphäre, ſchallt uns Muſik und ein chaotiſches Gemiſch von Stimmen entgegen. Wir wagen uns hinein, werden von einem wacheſtehenden Invaliden angehalten, entrichten fünf Sous Entrée, geben unſern Stock in's Veſtiaire und betreten einen Pfad, auf dem wir uns Schritt für Schritt einen Weg in's Junere erkämpfen müſſen, ſo gedrängt voll iſt er von Menſchen. Nachdem wir die Ellenbogen zur Genüge haben ſpielen laſſen, haben wir es endlich zu einei Sitz und einem knappen Ueberblick gebracht. Unſer Sitz iſt eine ſchmale Bank mit ſchmalem, rohbehobeltem Tiſch davor, und wir ſehen uns in einem runden Saale, den eine obere Galerie umgiebt. Hinten auf dieſer letzteren ſitzt das Orcheſter, reichlich mit Pauken und Trompeten, Poſaunen und Contrebäſſen ausge⸗ ſtattet. Unmittelbar vor uns wogt eine bunte Menge, meiſt in ſchlichtem Aufzuge; dazwiſchen Soldaten verſchiedener Waffengattungen: rieſige Carabiniers und winzige Infan⸗ teriſten, das prächtige Coſtüm des Cent⸗Garden wie die einfache Uniform des berittenen Jägers. Die Muſik ſchweigt gerade. Auf einmal wird unter dem Kronleuchter eine rieſige weiße Karte mit dem fettgedruckten Worte Valse ſichtbar. Im ſelben Moment erhebt eine gedrungene Geſtalt in ſchwarzem Tuchrock zwei mächtige Fäuſte, läßt ſie donnernd⸗ gegeneinander klatſchen und brüllt:„Zum Walzer, Iyr Her⸗ ren Tänzer, zum Walzer!“ Unmittelbar darauf fällt die Muſik ein mit einer Strauß'ſchen Tanzweiſe. Ein, zwei, drei, vier Paar ſtellen ſich zum Tanz und wirbeln durch den Saal, andere ſchließen ſich an; nach Verlauf von einer
halben Minute iſt der Saal ein lebendiger, ſich drehender
Knäuel, erhebt ſich eine Staubwolke hoch bis zur gewölbten Decke. Aber plötzlich, gerade wie Alles im beſten Zuge iſt,
ſchweigt die Muſik wie durch Zauber; der Dicke erhebt wie⸗
der ſein grobkörniges Organ:„Fünf Sous, Ihr Herren, fünf Sous!“ und mit ihm ſelbſt machen ſich zwei ſchwarzgekleidete Damen an's Einſammeln des Tributs. Sobald dieſe Arbeit verrichtet iſt, beginnt der Sturm von Neuem; noch vier⸗, fünfmal wird durch Staub und Dunſt der Umkreis des
Saales durchmeſſen, dann ſchweigt die Muſik wieder und
unter dem Kronleuchter erſcheint ſofort die Geſtalt des Wor⸗
tes Quadrille oder Schottiſch, die Mahnung für die Tänzer
zu neuen Anſtrengungen. Das war ein Local, das faſt ausſchließlich von deutſchen
(elſäſſer) Arbeitern und Handlungsgehülfen beſucht wird, die
ſich dort oft, namentlich im Sommer, mit Weib und Kind einfinden, für dreißig Sous zu Abend eſſen und nachher bei einer Schüſſel Zuckerwein oder einer Taſſe„Schwarzen“ entweder am Tanzvergnügen ſich betheiligen oder Zuſchauer
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brann der riſche für di und L gehen —
1
Nars
weit! dieſer Glan erſter ſtürn mit Fuß
von


