In Karl Ludwig n Otto
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Vierte Folge.
Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.
Eine TWochenchronik für iteratur, Kunst,
Leipzig, am 25. October 1867.
Jahrgang.
ſchöne Miſſenſchaſten und Geſellſchaft.
Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.
Euphroſyne. Aus Weimars goldnen Tagen von Karl Neumann⸗Strela.
(Schluß.)
Tiefer ſinkt die Sonne und die Schatten wachſen.
Der Baron winkt— die zum Parke führenden Glas⸗
thüren ſchnellen auseinander. Eine erfriſchende würzige Luft vertreibt die Schwüle aus dem Saal. In den Kaſtanien und Plantanen ſpielt ein kecker
Wind, der hie und da ein Aeſtchen knickt und ein ſchaukeln ſich auf dem
Blatt entführt. Leuchtkäfer Farrenkraut, das den von einem Apoll und den neun Muſen gekrönten Springbrunnen umwuchert. Die Fröſche im Teiche bringen den Neuvermählten eine Serenade, die jedes muſikaliſche Ohr martert und
den Muſikanten im Saale große Pauſe auferlegt; und
unſern Wieland, der, der Kühlung dringend bedürftig,
durch den Park— ſchwebt, will es bedünken, als ob ſogar die friſchgeſtrichenen, vom düſtern Grün der Cypreſſen beſchatteten Statuen ob der Froſchſerenade abſcheulich ſchiefe Geſichter zögen.
In der Glasthür, an den Pfeiler gelehnt, ſteht Chriſtel. Sie blickt in’'s Freie, mit der Rechten die Augen ſchirmend. Goethe tritt da zu ihr.
„Nun ernſtlich, mein liebes Kind,“ beginnt er, „ich bitte dringend, daß Du Dich ſchonſt, Du—“
„Was ſoll's denn? Mich ſchonen?“ fällt ſie lachend ein.„Wozu? Ich bin heiter und und glück— lich, da bin ich auch geſund.“
„Ueber den Selbſtbetrug!— Meine Tochter,“ warnt er,„laß Dir rathen. Auf Deinen Wangen, um Deine Augen malt ſich Erſchöpfung, Dein Körper iſt einem Doppelfeſte, wie wir es begangen, nicht ge⸗ wachſen. Zieh' Dich zurück, wenn auch nur auf ein Stündchen. Ich denke, wir fahren heim, ſobald der Mond aufſteigt. Wenn's Dir und Deinem Manne genehm iſt, fahren wir in meinem Wagen zuſammen; Platz iſt hinreichend vorhanden.“


