Jahrgang 
27-52 (1867)
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ierte Folge.

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Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.

Leipzig, am 4.

V Jahrgang.

Gine dlochenchronik für Nitäratur, Kunst, ſchäne TWiiſſenſchaften und Geſellſchaſt.

Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.

October 1867.

V

Aus Weimars goldnen Tagen

Euphroſyne.

von Karl Neumann⸗Strela. (Fortſetzung.)

In dem verſteckt liegenden Häuschen hinter der felſigen Ecke wohnte wiederum Hedwig Wilberg. Sie hatte eine ſehr ſchlechte Laune mitgebracht, denn in Weimar war's während des ganzen Winters zu öde, zu todt für ſie geweſen. Wird Hans mit modiſchen Kleidern und mit Handſchuhen kommen? Er hatte während des Winters über Auswege grübeln wollen, um trotz der kargen Wechſel in ihre famoſen Augen blicken zu können. Ach, er kommt nicht! Ach, ſein hartherziger Vater!

Und doch, als das Queckſilber im Hoffnungsba⸗

rometer bereits unter Null geſunken war, ſchnellte es

Aufflog die Thür, Hans war

plötzlich in die Hoͤhe.

da. O, ſah unſer Junker blühend aus! Das Hal⸗ lenſer Stillleben war ihm prächtig bekommen! Hedwig nannte ihn auch ihrenapfelwangigen Freund. Und doch, während ſie anſcheinend die Freude ſelber war, vermochte ſie dennoch einen ſehr materiellen Gedanken nicht zu unterdrücken; und Hans, der nur zu wohl einſah, daß ein Mann wie er nicht ohne ein Kleid oder ein Dutzend Handſchuhe hätte erſcheinen dürfen, hielt es nun für ſeine Pflicht, ſich dieſerhalb zu ent⸗ ſchuldigen. Und ſeine Erörterungen harmonirten voll⸗ kommen mit ihrem materiellen Gedanken.

Er ſagte:Laß nur noch drei, vier Tage ver⸗ gehen, dann kaufe ich Dir ein Kleid mit acht Spitzen⸗ reihen. Jetzt ſtecken gerade noch zwei Thaler in meiner Taſche, aber dann!

Sie machte ein bedenkliches Geſicht.Ich weiß wohl, erwiderte ſie,daß der Wind plötzlich umſpringt, aber Dein Vater, der Geizhals? O weh, ich glaubte wirklich, Du hätteſt Auswege gefunden ich muß durchaus ein Kleid mit zehn Reihen Spitzen, einen roſa Hut, ein weißes Tuch und mindeſtens ſechs