Dierte Folge.
Hunde vom St. Bernhardsberg ausgeſtellt, ſind aber falſche Bernhardiner, wie wir ſchon die falſchen Möpſe geſehen haben. L.
V
Theorie und Praris.
Eines Tages kam ein vornehmer Fremder, welcher höchſt neugierig war, den berühmten Pbiloſophen Rouſſeau kennen zu lernen und einen Empfehlungsbrief an ihn erhalten hatte, gerade in dem Moment zu demſelben in die Rue de la Plã- teiere, als dieſer im Begriff war, ſich zu ſeinem mehr als be⸗ ſcheidenen Mittageſſen zu ſetzen.
— Ich kann Sie nicht einladen, dieſes dürftige Mahl mit mir zu theilen, ſagte Rouſſeau zu dem Gaſt, es iſt Ihrer und Ihres Ranges und Vermögens unwürdig, aber für mich genügt es, denn es iſt ein Mahl für einen armen Philoſophen.
Hierauf fügte er noch eine lange Tirade mit den ſchönſten Floskeln über die Mäßigkeit, Genügſamkeit, Ein⸗ fachheit und alle möglichen anderen Tugenden dieſer Kate⸗ gorie bei, ſo daß der Fremde ganz entzückt und bekehrt von ihm fortging, indem er ſich gelobte, einem ſo leuchtenden Vorbild von nun an nach Kräften nachzuahmen.
Noch denſelben Abend war er zum Souper bei der Marquiſe von Caylus eingeladen und benutzte ſofort dieſe Gelegenheit, um ſeinen Entſchluß zur Ausführung zu bringen, indem er ſehr wenig aß und trank, aber deſto mehr den Ge⸗ ſprächen der Anderen zuhörte und ſie beobachtete. Da er zur Linken der Marquiſe ſaß, konnte er alle Gäſte ſehen, außer einen Einzigen, der zur rechten Hand der Dame des Hauſes ſaß und ganz von derſelben verdeckt wurde; aber wenn er auch nicht das Geſicht des Mannes zu erblicken vermochte,
ſah er doch deſſen Hände und ſeinen Teller. Dieſer Teller nun füllte und leerte ſich unaufhörlich mit Hülfe der Hände, die nicht müde wurden, fortwährend den Inhalt des Tellers
dem Munde zuzuführen und dann wieder neue Ladungen
——
darauf anzuhäufen.
— Was für ein Vielfraß! dachte der Fremde; jeden⸗ falls hat dieſer Menſch nie wie ich das Glück gehabt, den ſrhnn Jean Jacques Rouſſeau über die Mäßigkeit ſprechen zu
bören!*
Während er eben dieſe Reflexion bei ſich machte, bog ſich die Marquiſe von Caylus etwas zurück, um dem Diener einen Befehl zu ertheilen, und durch dieſe Bewegung wurde ihr Nachbar für den Fremden ſichtbar.
O Staunen! der Gaſt, deſſen Gefräßigkeit er eben ſo herb getadelt hatte, war Niemand Anderes, als der große Jean Jacques Rouſſeau ſelbſt. 4 r.
Zur Geſchichte der Spielkarten.
Die Spielkarten ſind, wie bekannt, von dem Maler Jacquemin Gringonneur 1392 für König Carl VI. von Frankreich erfunden worden, damit ſich der wahnſinnige Monarch an den kleinen, mit Gold und Farben gemalten Bildern ergötze. Eine tiefere Bedeutung jedoch erhielten ſie erſt unter König Carl VII. Bei Gelegenheit eines Banketts wurden ſie zu Symbolen. Treffle bezeichnet die Munition, auf die ein General ſtets achten ſoll; Pique die Zeughäuſer, Carreaux waren die Armbruſtbolzen, weil ſelbſt das Panzer⸗ eiſen von ihnen durchbrochen(carré) wurde; Coeur bedeutet kriegeriſcher Muth. Alexander, Cäſar und Carl der Große verſtanden; unter den
mein gefürchtet war, zu einem Herrn ſagte:
Unter den Königen wurden David,
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Buben Ogier, Lancelot, La Hire und Hector(Hector de Ga⸗ lard). Die Damen trugen die Namen: d'Argine(Regina, Maria von Anjou, Carl's VII. Gemahlin), die ſchöne Rahel (Agnes Sorel), Pallas(Jeanne d'Arc), Judith(Iſabeau de Baviere, Carl's des VII. Mutter). Unter Judith wurde aber nicht die altteſtamentliche Mörderin des Holofernes verſtan⸗ den, ſondern die Gemahlin Ludwig's des Frommen, welche der Galanterie nur allzu ſehr ergeben geweſen war. L.
Ein Chignon.
Der Messager franco-américain erzählt, daß ein Ein⸗ wohner von Williamsburg, der Beſitzer eines prächtigen Reitpferdes, zu ſeinem Schrecken die Mähne deſſelben ſehr verunſtaltet ſah. Er ſchrieb dieſen Act einzig und allein der Böswilligkeit zu und wollte durchaus den Urheber deſſelben entdecken. Endlich geſtand ein junges Dienſtmädchen, daß ſie die Schuldige ſei; ſie war aber dazu durch keine ſchlechte Geſinnung veranlaßt worden, ſondern ſie hatte die Mähne des Pferdes blos abgeſchnitten, um ſie zu einem Waterfall (Waſſerfall)— ſo heißt in Amerika der Chignon— für ſich zu benutzen. C.
Froſchſchenkel.
Die Franzoſen galten bisher dafür, das Fröſche eſſende Volk par excellence zu ſein, und die Engländer, welche Schweinefleiſch eſſen, das in den Augen der Mahomedaner für unrein gilt, und Eier, welche von den Hindus für ſchmu⸗ tzig gehalten werden, und Aale, die den Schottländern Abſcheu erregen, und Black-pudding(Blutwurſt), welche alle anſtändige Menſchen krank macht, verſpotteten ſie wegen dieſes Geſchmacks gehörig. Derſelbe hat ſich aber, wie es ſcheint, in Amerika verbreitet und ein in Buffalo erſcheinen⸗ des Blatt meldet, daß daſelbſt allein täglich 2000 Fröſche verſpeiſt werden. Man ißt von denſelben wie in Frankreich nur die Schenkel; das Hundert wird mit 7 sh. 6 d. bezahlt und die Nachfrage danach iſt ſo groß, daß die Verkäufer jede Anzahl nehmen und daß in Buffalo in einer einzigen Sai⸗ ſon 300,000 Fröſche getödtet worden ſind. C.
Misrellen. Als eine Dame, die durch ihre gehäſſigen Urtheile allge⸗ „Ich habe mich in die Zunge gebiſſen,“ entgegnete dieſer:„Das iſt unmöglich, Sie würden ſich ſonſt vergiftet haben.“ L.
V Eine Mutter ließ ſich mit ihrer Tochter in einer ſtür⸗ miſchen Decembernacht von einem Balle in der Sänfte nach Hauſe tragen. Der Wind warf Schnee und raupeln fort⸗ während an die Sänfte. Da rief die Tochter von Mitleid ergriffen:„Mama, nimm doch die armen Träger mit her⸗ ein.“. L.
Eine reiche Engländerin bedachte in ihrem Teſtamente einen Dichter mit 1000 Pf. Sterling wegen der ſchönen
Stunden Schlafes, die ſeine Werke ihr verſchafft hatten.
T.


