Vierte Folge.
82 HlusCA
Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.
Eine TMochenchronik für Jiteratur, Kunst, ſchäne Mliſſenſchaſten und Geſellſchuft.
Leipzig, am 13. September 1867.
V. Jahrgang.
Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.
Euphroſyne.
Aus Weimars goldnen Tagen von Karl Neumann⸗Strela. (Fortſetzung.)
Nor Dionor...:.:.& Der Diener, der voch immer nicht faſſen kann,
wäarum ſein Herr deuefAngeladenen nicht zur Thür
hinausgeworfen, trir att kalter Küche ein. Wieland und Herder mögen von dem Eſſen nichts ſehen, denn die Aermſten fühlen noch immer die Speckklöße und den Kumbs; die Uebrigen, außer Goethe, der bereits
um ſechs Uhr zu Nacht ſpeiſt, ſprechen den Braten⸗ ſcheiben und Semmelſchnittchen tapfer zu. Ein wenig
rückt man da zuſammen; auch wird die Herderin wieder gegen die Wielandin geſprächig, indem ſie em⸗ pfiehlt, das helle Unterkleid zu ſchonen; aber ſo recht will die Unterhaltung doch nicht wieder in Fluß kommen. Warum läßt Knebel jeden Augenblick die
Gabel fallen?„Iſt der Mann zerſtreut!“ denken die Uebrigen, nur Luiſe Rudorf denkt nicht ſo. Sie ſitzt Knebel gegenüber und ſie wird roth und abermals roth, denn er ſtarrt ſie unausgeſetzt an und vergißt dabei das Eſſen und Alles um ſich her.
„Liebe Chriſtel,“ ſagt da Goethe,„erzähle uns
Etwas!“
„Was denn? Was befehlen Excellenz?“
„Etwas Aufheiterndes, mein Kind, meinethalb tolle Einfälle. Du pflegſt doch beſtändig Vorrath zu haben, und wir Alle möchten lachen.“
Sie betrachtet ihre Finger; ein Zeichen, daß ſie über etwas nachſinnt.
„Freilich, ich habe Vorrath, ich weiß etwas ganz, ganz Neues, aber zum Lachen iſt's durchaus nicht.“
„Nur nichts Larmoyantes,“ wirft Corona ein.
„Attention!— Am 15. December 1778 kam in Kroſſen ein Kind zur Welt, deſſen Mutter damals Schauſpielerin war und es heute noch iſt. Meine Herrſchaften, wiſſen Sie, wo Kroſſen liegt? Das thut übrigens gar nichts zur Sache und—“


