Jahrgang 
27-52 (1867)
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8 Amtlichen Mittheilungen zufolge bildet

Vierte

Meinung, daß der Bernſtein nichts weiter als ein aus⸗ geſchwitzter vegetabiliſcher Saft ſei. Baron Liebig hält es für wahrſcheinlich, daß der Bernſtein ein Erzeugniß des Abfalls von Wachs oder irgend einer andern Subſtanz, die zu den verhärteten Oelen gehören, ſei. Sir David Brewſter ſagt, Bernſtein ſei ein verhärteter vegetabiliſcher Saft. Man hat in demſelben Holz, Blätter, Blumen und Früchte eingeſchloſſen gefunden und hat erkannt, daß dieſelben von Zapfenbäumen ſtammen, die ſich nicht mehr auf der Erde finden. Der ſicilianiſche Bernſtein iſt gewöhnlich von einer dunklern Farbe, als der aus dem baltiſchen Meer, und man verſichert, daß in Deutſchland die guten Arbeiter in Bernſtein aus Unterſchieden in dem äußern Anſehen den Ort, woher der Bernſtein ſtamme, zu beſtimmen wiſſen. Der Bernſtein wird nicht unveränderlich in einem harten Zuſtande gefunden. Man erzählt, daß ein Edelmann von einem Freunde, welcher an der Küſte der Oſtſee wohnte, ein Stück Bernſtein zum Geſchenk erhielt, das ſo weich war, daß er ſein Siegel hineindrücken konnte; dann erzählt man von einem andern Stücke, das auf der einen Seite weich, auf der andern hart war. Der Gebrauch, den man vom Bernſtein macht, iſt nicht ſehr zahlreich. Als Material für die Kunſt auszuſchneiden, kann nichts ſchöner ſein. Der Hauptmarkt dafür iſt Conſtantinopel, wo daraus Pfeifenſpitzen und Artikel weiblicher Putzſachen in der Form von Perlen daraus gefertigt werden. Die Türken und Armenier ſollen den Werth des Bernſteins ſehr richtig abzuſchätzen verſtehen und in dem Bazar von Stambul iſt derjenige Theil, wo ſich die Bernſteinarbeiter befinden, für den Kenner höchſt intereſſant. Der einzige Zweck, zu dem der Bernſtein in den nützlichen Künſten verwendet wird, iſt die Fabrikation von Firniß für Kutſchenfabrikanten und Photographen. Der Firniß, welcher für Kutſchen verwendet wird, iſt theuer und erfordert lange Zeit zum Trocknen, aber er iſt auch der härteſte und unver⸗ wundbarſte von allen Sorten Firniß, deren man ſich bedient.

Die Miſchheirathen in der auſtraliſchen Colonie Victoria.

ſich durch Miſchheirathen in der auſtraliſchen Colonie Victoria allmälig eine eigene Menſchenrace heraus. Wo Engländer, Schotten, Irländer, Deutſche und Chineſen ſich ehelich miſchen, muß mit der Zeit allerdings ein neuer Racentypus zum Vorſchein kommen. Es hängt eben nur von den Miſchungsverhältniſſen ab, und über dieſe geben uns die officiellen Regiſter einigen, wenn auch gerade nicht erſchöpfenden Aufſchluß. Erwähnens⸗ werth mag Folgendes ſein: Von 59 Chineſen, die in den letzten 6 Jahren daſelbſt heiratheten, verbanden ſich 28 (demnach 47 Proc.) mit Irländerinnen, 14(24 Proc.) mit Engländerinnen, 11(19 Proc.) mit eingebornen Frauen, 2 (3 Proc.) mit Schottländerinnen und zwei andere mit je einer Waliſerin und einer Deutſchen. Der Mangel an

Folge. 527 Misrellen. In einem Beſchluſſe der Adelsverſammlung zu Volmar in Livland vom Jahre 1845 wurde feſtgeſetzt:Der Adel möge zum Beiſpiel für Andere alles Oegen(Liebäugeln) und Küſſen mit den Damen beim Tanze unterlaſſen, die adeligen Jungfrauen ſollten ſich des Gaffens und Scherzens enthalten, und die gemeinen Diener ſich keine Unſchicklichkeiten gegen die Fräuleins zu Schulden kommen laſſen. r. Der bekannte italieniſche Gelehrte und Staatsmann Galiani ſagte einſt, er wolle durchaus kein anderes Buch mehr leſen, als den Kalender, weil dies das einzige ſei, welches nichts als Wahrheiten enthalte. r.

Ein zum Tode verurtheilter Delinquent, welcher bei ſehr regneriſchem, unfreundlichem Wetter zum Galgen geführt wurde, beklagte ſich deshalb bei dem ihn begleitenden Kapuziner.

Du Thor, entgegnete dieſer, Du willſt Dich hier beklagen und brauchſt bei dieſem Wetter doch blos hinzugehen, ich aber muß denſelben Weg wieder zurückmachen. r.

Der gelehrte engliſche Biſchof Burnet war eines Tages mit der Herzogin von Marlborough zuſammen in Geſellſchaft, nachdem deren Gatte bereits bei der Königin Anna in Ungnade gefallen war, und verglich dieſen trefflichen Feldherrn mit Beliſar.

Wie kam es denn aber, frug die Herzogin haſtig, daß ein ſolcher Mann auf eine ſo traurige Weiſe allgemein verlaſſen wurde?

O, Frau Herzogin, antwortete der Prälat in ſeiner gelehrten Zerſtreutheit,das kam daher, weil er auch ſolch eine Hexe von Frau hatte. r.

Vom deutſchen Büchermarkt.

Von Jenſeit des Meeres. Novelle von Theo⸗ dor Storm. Schleswig, Schulbuchhandlung. 1867.

Storm gehört zu unſern tiefinnerlichſten Novelliſten, die im poetiſchen Gemälde das feine, zart abgetönte Aquarellbild einem effectvollen, aber lückenhaft ausgeführten Frescotableau vorziehen. Wahrhaft gebildete Leſer thun dies auch und ihre kleine Gemeinde hat ſich auch mit Neigung um den Autor geſchaart, der noch dadurch für die Wahrheit und Aechtheit ſeiner Stimmungen Glauben erweckt, daß er ſich von Vielſchreiberei fernhält.

Wenn ſich Storm vielleicht oft mit zu viel Vorliebe dem Tragiſchen zugewandt hat, das oft im engen Rahmen mehr verſtimmend und ſchmerzlich, als groß und erſchütternd zu wirken pflegt, zumal wenn es, wie bei dieſem Autor, mit den Oaſen des Friedens und der Lebensfreudigkeit verwebt iſt, ſo wird es für Alle, die dieſe Richtung mit Wehmuth empfunden haben, eine Genugthuung ſein, den Dichter hier bei naiv friſchen, pſychologiſch frappanten und poetiſch

Frauen iſt und bleibt für die Entwickelung der Colonie ein bedeutſamen Schilderungen einen glücklichen, liebenswürdig fühlbarer Uebelſtand. Im J. 1866 kamen auf 100 Männer V mit allen Conflicten verſöhnenden Schluß finden zu ſehen.

im Durchſchnitt 75 Frauen, und zwar unter den Engländern 57 Frauen auf 100 Männer, unter den Schotten 64 auf 100, unter den Irländern 85 auf 100, unter den Deutſchen 28 auf 100 und unter den Chineſen blos 1 Frau auf 3000 Männer. L.

Wenn Storm nicht reich an Farben und Grundcharak⸗ teren iſt und ſich immer gern in einer lyriſchen, aber dabei ſchönen Monotonie bewegt, ſo ſind doch ſeine Charaktere

jederzeit original, lebendig und haben die Schwungkraft jener dichteriſchen Reize, die ſtets jugendlich bleiben, weil ſie B.

warm, natürlich und geſchmackvoll ſind.