mit ihr die Treppe hinab, wobei Beide ſich ſehr arg verke
Vierle
nur vier Straßen von hier— und bitte ihn, er möge uns ſein Zuſchneidemeſſer leihen; aber ſage ihm, er möge es vorher ſchärfen, ehe er es uns ſchickt. Und, Molly, da Du eben in der Nachbarſchaft biſt, kannſt Du Dich auch bei der Tante Sukey erkundigen, wie es mit dem kleinen Kinde geht. Und wenn Du zurückkehrſt, Molly, ſo gehe gleich in den Laden des Gewürzkrämers und bringe ein Pfund Zucker mit. Armer Felix,“ ſeufzte Miſtriß Stanhope, als Molly fort⸗ gegangen war;„ich hoffe, wir werden ihn abgeſchnitten haben, ehe der letzte Lebensfunken erloſchen iſt; denn dieſe Begräbniſſe ſind ſehr ärgerlich und koſtſpielig. Er wollte ſeinem Leben einmal ein Ende machen und ich denke, ich ſollte ihn einmal in ſeinem Leben ſeinen eigenen Weg gehen laſſen; er pflegte zu ſagen, ich durchkreuze ſeinen Willen ſtets. Ich wünſchte, er hätte die neue Wäſchleine nicht verdorben, ein altes Seil wäre zu dieſem Zweck auch gut genug geweſen.“ Hier unter⸗ brach eine Stimme, welche ganz wie die des vermutheten Selbſtmörders klang, das Selbſtgeſpräch der Miſtriß Stanhope mit den Worten:„Du verdammte Iſabell, es wird Dein Tod ſein!“ Miſtriß Stanhope, welche das für einen Ausruf⸗des Geiſtes hielt, ſtieß einen wilden Schrei aus und ſuchte die enge Treppe hinab zu flüchten. Felix, der aus ſeinem Verſteck hervorſprang, eilte ſie eiggüholen, Miſtriß Stanhope ſtolperte mitten auf der Treppe und iyr. Mann, der ſie eben erreicht und ſie bei den Haaren br hatte, die in Unordnung auf ihre Schultern herabhingen, ꝓſ
Ludwig Philipp.
In einem Briefe an das Athenäum ſagt Sir John Bowring:
„Ich ſaß eines Tages bei dem König Ludwig Philipp, als er aus einer Seitentaſche eine Anzahl Depeſchen hervor⸗ zog, ſie mir zeigte und dann zu mir ſagte:„Croyez-vous que mes ministres aient ou ça?“ Ich hatte die Kühnheit— vielleicht die Unvorſichtigkeit— zu fragen, ob es nicht gefährlich ſei, eine Correſpondenz über öffentliche Angelegen⸗ heiten ohne Wiſſen ſeiner verantwortlichen Rathgeber zu führen? Hierauf ertheilte er mir die Antwort, er wolle nie eine Null ſein und eben ſo wenig möge er wie ein engliſcher Monarch in einem Miniſterrathe ſitzen, um nichts zu ſein und nichts zu ſagen. Er ſprach oft von ſeiner unbeſchränkten Handelsfreiheit und rühmte ſeine Geſchicklichkeit, mit der er verfahre, um ſeinen Willen doch durchzuſetzen. Bei einer Gelegenheit wagte ich ihm zu bemerken, daß er, indem er ſo viel perſönliche Verantwortlichkeit übernehme, durch Fragen, welche, wie in England, nur das Miniſterium berühren ſollte, die Monarchie ſelbſt blosſtelle, und bei einer andern Gelegenheit, als er ſagte:„Il n'y a que moi qui puisse méner dette voiture-là“, womit er den Staatswagen
meinte, antwortete ich ihm:„Mais si vous la versez, Sire?“
In der letzten Zeit ſeiner Regierung machte ihn der Wider⸗ ſpruch immer ungeduldiger, er wurde mehr und mehr geſchwätzig und gegen einen ſeiner Höflinge beklagte er ſich über die choses verbes, die ich ihm gegenüber ausgeſprochen habe. Ein Jeder, welcher Gelegenheit hatte, den Stand der öffentlichen Meinung in Frankreich zu beobachten, mußte die Thatſache bemerken, daß die Doctrinärs, wenn ſie
einigen Einfluß beibehielten, das ganz allein dem Umſtande erdankten, daß die von ihnen vertretene Doctrin von dem Lönig angenommen wurde und ihm annehmbar war; in der
Folge. 511 That ſtimmten ihre politiſche Anſichten meiſtens mit denen des Königs überein. Freunden, welche ihn darauf aufmerk⸗ ſam machten, daß den Meinungen Derer, welche ihm ſchmeichelten, indem ſie dem, was er ſage, ſtets ihre Zuſtimmung gäben, nicht ſehr zu trauen ſei, gab er gewöhnlich zur Antwort,„die große Menge habe weit mehr Schmeichler, als der Monarch.“ Als man 1848 in den Februartagen in die Privatzimmer des Königs in den Tuilerien eindrang, fand man eine merkwürdige Liſte von Namen, welche von der Hand des Königs ſelbſt geſchrieben waren, mit der Ueberſchrift:„Hommes à moi!“, die eine eigenthümliche Illuſtration der perſönlichen Regierung des Königs bot. Die unglaubliche Zahl der Deputirten in der Kammer, welche unter dieſer Regierung zur Zeit ihres Sturzes Stellen bekleideten, die ſie durch das Einſchreiten des Königs ſelbſt erhalten hatten, iſt allein zur Rechtfertigung der allgemeinen Unzufriedenheit hinreichend, welche in den Tagen der Gefahr den allzu vertrauenden König ohne einen einzigen kräftigen Verbündeten ließ. C.
Misrellen. Eine Dame ſah, wie ihre Tochter den Numa Pompilius dvon Florian las und nahm ihrer Tochter dies Buch weg, indem ſie ſagte:
„Wie, Du willſt Deine Zeit damit hinbringen, das zu leſen? Welcher Einfall! Das kannſt Du Dir ſparen, denn ich kann Dir ſchon zum Voraus ſagen, wie die ganze Geſchichte kommt— Numa heirathet Pompilius und damit iſt die Geſchichte abgemacht.“— r.
Ein Profeſſor ſtellte unlängſt den Grundſatz auf:— Wir haben Anſichten, die wir nicht ausſprechen dürfen, weil ſie richtig ſind, und Phantaſien, denen wir nachgeben dürfen,“ weil ſie uns angenehm ſind. r.
Der berühmte franzöſiſche Gelehrte Fontenelle war ein außerordentlicher Liebhaber von Spargel, aß ihn jedoch am liebſten mit Oel zubereitet. Eines Tages beſuchte ihn einer ſeiner Freunde, ein als Brevirant bekannter Abbé, welcher gerade um die Zeit des Diners kam. Fontenelle wußte, daß der Abbé den Spargel ebeufalls ungemein gern aß, aber nicht mit Oel, ſondern mit brauner Butter, und da er meinte, ſür einen Freund ſei ihm kein Opfer zu groß, ſo beſtellte er, die Hälfte des für das Diner beſtimmten Spargels mit Oel, die andere Hälfte aber mit Butter zuzubereiten.
Während ſich die Beiden nun in Erwartung des Eſſens unterhielten, bekam der arme Abbé plötzlich einen Schlag⸗ anfall und ſtürzte zu Boden.
Jetzt ſprang Fontenelle augenblicklich auf, allein ehe er dem Freunde zu Hülfe eilte, ſtürmte er die Treppe hinab in die Küche, wo er ſeinem Koch zurief:„Den ganzen mit
Oel, den ganzen mit Oel, wie zuerſt beſtellt war!“— r. Vom deutſchen Büchermarkt. Das römiſche Bad. Von Harder. Hamburg, bei Eugen Richter. 4 Zu den zahlreichen neuerfundenen oder neuerdings
wieder aufgenommen Modecuren gehört bekanntlich auch das römiſche Bad, und da es erwieſen iſt, daß ſich deſſen Wir⸗ kung ſowohl heute als vor zwei Jahrtauſenden bei gewiſſen Leiden als ein allgemeines Vorbeugungs⸗ und Ableitungsmittel


