Jahrgang 
27-52 (1867)
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O ja, es iſt zu ſpät, entgegnete die Frau.Ich werde den Schlüſſel behalten. Was Sie zu thun haben, das iſt, das Schränkchen ſich wieder zu verſchaffen; oder wenn Sie mir die Adreſſe des Käufers mittheilen wollen

Nein, nein, das werde ich ſelbſt beſorgen, erwiderte der Pfandverleiher mit einem liſtigen Blick.Wir werden den Auszug zuſammen öffnen.

Ich werde morgen früh um neun Uhr hier ſein, ſagte Gretchen,über das Ganze ſind wir einig gute Nacht. Mit dieſen Worten eilte ſie in kleinen Schritten durch den Gang, ſetzte ſich in die Kutſche und fuhr wieder fort.

Was für eine Närrin iſt ſie, zu glauben, daß ein Auszug in Ermangelung der ſilbernen Nadel nicht auch mit Hülfe eines kleinen Beils geöffnet werden könne? ſagte Benſon.

Es regnete die ganze Nacht hindurch und unſer Pfandverleiher, welcher viel zu ſehr aufgeregt war, als daß er hätte ſchlafen können, hörte das Rauſchen deſſelben. So⸗ bald es begann, Tag zu werden, ſprang ey gus ſeinem Bette und kleidete ſich an. Dann ſchlug er eilig den Weg nach Nr. 2 Tarrytown Lane ein, und als er der Thür ſtand, fühlte er nach ſeinen Taſchen, ob auch die Rollen Gold in denſelben vorhanden ſeien, denn er bildete ſich ein, der Anblick des gelben Metalls würde eine weit größere Wirkung ausüben, als ein bloßes Zahlungsverſprechen oder ſelbſt eine Handvoll Banknoten. Alles war richtig vorhanden vier Rollen, jede 500 Dollar in Gold enthaltend. Er klopfte.

Iſt Herr Truman ſchon unten? fragte er durch das Schlüſſelloch.

Er erhielt keine Antwort, aber kurz nachher hörte er das Klopfen mit einem kleinen Hammer. Er klopfte lauter und das Geräuſch des Hämmerns hörte auf. Die Thür wurde geöffnet und zwar von dem Neffen der Miſtriß Truman.

Hallo, ſagte er,wer hätte erwarten können, Sie zu einer ſo frühen Stunde hier zu ſehen!

Geſchäfte, mein theurer Herr. Ich finde, geſtern Abend einen Irrthum begangen zu haben. Ich ſchickte Ihrer lieben Tante den unrechten Artikel. Ich hoffe, die alte Dame befindet ſich wohl.

Ja, ſie iſt ganz wohl, ſagte der Neffe;etwas ermüdet, weil ſie geſtern Abend lange aufbleiben mußte, aber über das Schränkchen ſehr erfreut, das kann ich Ihnen verſichern. Ich war damit beſchäftigt, dis Auszüge ein wenig in Ordnung zu bringen. Der Boden in dem oberſten ſcheint nicht ganz feſt zu ſein.

O, das macht Ihnen nur Arbeit, ſagte Benſon. Wollen Sie mir den Gefallen thun, mir das Schränkchen zurückzugeben? Sie mögen ſich dafür den beſten Artikel in meinem Boden auswählen.

Durchaus nicht, lautete die Antwort des jungen Mannes.Ich habe noch keine Zeit gehabt, es genau zu unterſuchen. Ich ſagte Ihnen, daß man zuweilen in Möbeln, welche ein ſo altes Familienſtück bilden, einen reichen Schatz gefunden hat.

Es entſtand nun eine lange Pauſe. Benſon ſtellte ſeine Berechnungen an. Er begann ſeine Unterhaltung wieder leiſe, betrieb ſeine Angelegenheit mit aller ihm zu Gebote ſtehenden Beredtſamkeit, rufte den Anblick ſeines Goldes zu Hülfe; und endlich ſah man ihn mit dem ſo reich ausgeſtatteten Schränk⸗ chen auf ſeinem Rücken durch den herabfallenden Regen fortgehen. Er eilte mit ſchnellen Schritten die Hochſtraße hinauf, ſtürzte in ſeinen Laden, ſtellte ſeine Bürde auf den Fußboden, zog den oberſten Auszug hervor und ſah an der

Novellen⸗Zeitung.

Rückſeite deſſelben ein kleines Papier angeklebt. War es die Zehntauſend Dollarnote? Er rieb ſich ſeine Augen, betrachtete die Schrift näher und fand nichts weiter als die drei Worte:

Quitt. Georg Evans.

Kein ſchlechter Schatz in einem alten Möbel, ſagte derſelbe junge Mann, den wir im Anfange dieſer Erzählung begegneten. Tante Truman und Schweſter Gretchen zu gleicher Zeit(denn Georg Evans, der junge Schauſpieler, hatte alle drei Rollen geſpielt), als er gewiſſe weibliche Klei⸗ dungsſtücke wieder in ſeinen Koffer legte.Da ich die Miethe für das Häuschen, das Schränkchen und den Sixpence an den alten Benſon für das Ueberbringen deſſelben bezahlt habe, ſo glaube ich, das Gewiſſen des alten Schurken wird nun rein ſein, denn er hat mir die zweitauſend Dollar bezahlt, welche er von meinem Vater borgte.

Zur Wiſſenſchaft der Kochkunſt.

Auch dieſe Kunſt, die mit Recht von den Beſten des ſchönen Geſchlechts gepflegt und von den Verſtändigſten des Starken hoch geehrt wird, hat eine wiſſenſchaftliche Grund⸗ lage, denn ſie iſt ja ebenſowohl ein Act der Chemie, als jede Bereitung in einem pharmaceutiſchen Laboratorlum. Es kann nicht verlangt werden, daß ſich die Hausfrauen in trockenen Schultheorien ermüden, aber es muß ihnen ſo intereſſant als nützlich ſein, dieſe und jene alltäglichen Vorgänge in der Küche chemiſch erklären zu hören, um dadurch von vielen eingebürgerten Irrthümern befreit zu werden. Wir wollen hier gerade als Beiſpiel einen fort⸗ währenden Act der Küche in ſeiner nur ſelten richtig erkannten Eigenthümlichkeit von einem Kenner beleuchten laſſen:

Beachtenswerth verhält ſich das Kochen, wenn man den

Zweck hat, Bouillen, Kraftbrühe, zu erzielen. Hier iſt es die

Abſicht, durch das Kochen alle möglichen Nährſtoffe dem Fleiſche zu entziehen, und das gelingt nur durch längere, auslaugende Einwirkung des kalten Waſſers, ſpäte, langſame

Erhitzung, dann aber auch durch längeres Einwirken und.

höhere Steigerung der Hitze. Die längere Dauer der kalten Waſſereinwirkung zieht das Fleiſch gründlicher aus, der Fleiſchſaft miſcht ſich mit dem Waſſer, die langſame Er⸗ wärmung verzögert die Gerinnung des Eiweißes; hat ſich aber endlich die Verſtopfung der Poren und Canäle der Fleiſchoberfläche bei zunehmender Hitze gebildet, dann muß durch ſtärkere Hitze und längere Dauer derſelben dem Waſſer eine neue Bahn in das Fleiſch gebrochen werden, nämlich durch Auflöſung der Häute, Sehnen, namentlich des Zellge⸗ webes, das alle Faſern umgiebt, in Leim, der ſich in der Brühe auflöſt und dem Waſſer die Gänge öffnet, die vorhin vom Zellgewebe und dem daran haftenden Eiweißgerinſel eingenommen wurden.

Die längere Dauer des Kochens verwandelt den in der Fleiſchfaſer noch vorhandenen Faſerſtoff in eine lösliche Subſtanz, welche ſich nun der Bouillon mittheilt; es ſchmilzt alles Fett, das ebenfalls in dieſelbe übergeht; von den im Fleiſche vorhandenen Salzen finden ſich in der Brühe: freie Phosphorſäure, Milchſäure, Inoſinſäure, phosphorſaure und milchſaure Alkalien(namentlich viel Kali⸗, weniger Natron⸗ ſalze), ferner phosphorſaure Magneſia und unter anderen, noch nicht genau beſtimmten Stoffen, auch zwei organiſche, kryſtalliſirbare Subſtanzen, nämlich Kreatin(der Fleiſchſtoff) und Inoſit nebſt Kreatinin, einem baſiſchen Körper.

Dampft man die Bouillon ab, ſo wird ſie gelb und endlich

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