Jahrgang 
27-52 (1867)
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506 Novellen⸗Zeilung. Leben Sie wohl, geliebteſte Freundinn, nehmen die Freunde und Freundinnen, an welche die übrigen Sie dieſen Brief, mit Liebe und Gütigkeit auf, mein Briefe gerichtet ſind. Herz mußte doch noch einmal reden, zu einer Zeit, Auch ein altes Heft von zehn Leipziger Liedern, wo ich nur durch einen Traum von der Begebenheit Friederike Oeſer gewidmet, wird mitgetheilt, in denen benachrichtiget war, die mir es hätte verbieten können. ſich manche Abweichungen von der ſpäteren Faſſung Leben Sie tauſendmal wohl, und dencken Sie manch⸗ vorfinden. Es iſt kaum je genug bewundert, mit mal an die zärtlichſte Ergebenheit welcher Meiſterſchaft Goethe an ſeinen Gedichten Ihres Goethe. jahrelang zu feilen und zu vollenden verſtand, ohne Man erſieht aus dieſem Briefe, welcher mit der die lyriſche Stimmung aus ihrem Brennpunct zu ver⸗ Originalorthographie und Interpunction wiedergegeben V rücken. Im Gegenſatz zu dieſer ſchuldigen Anerken⸗ iſt, Aufgaben, mit welchen Goethe bekanntlich nung darf man ſich indeſſen nicht verhehlen, daß die zeitlebens überm Fuß geſpannt blieb, wie ſhier ſunteren, in der Ausgabe ſtehenden Verbeſſerungen es dem Jünglinge wurde, ſein zärtliches Herz und dieſer hier erwähnten Lieder neben manchem Vorzug deſſen Egoismus zu überwinden, und mit welchem an Correctheit und poetiſcher Schönheit auch einige tactvollen Charakteranſtand er doch die Nothwendigkeit Abſchwächungen enthalten. Dies zeigt ſich unter an⸗ dieſer Selbſtbekämpfung fühlte. dern z. B. bei dem berühmtenHochzeitlied oder Der Herausgeber hat ſeine Edition mit einer ſpäterBrautnacht überſchriebenen Liede. Bei ſolchen Rede verſehen, welche eine illuſtrirende Vorrede bildet.Verbeſſerungen iſt zuweilen ein dunkler indirecter Salomon Hirzel, Jac. Rieſe, Adam Oeſer und Ausdruck an die Stelle eines klaren plaſtiſch directen deſſen Tochter Friederike, Gottfr. Hermann, Limprecht, getreten. Breitkopf, Reich, Cornelia Goethe und Rochlitz ſind 4₰

Jeuilleton. 1*

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Ein Schatz in einem alten Mübel. ag e.

Nach dem Engliſchen von Friedrich Coßmann. (Schluß.)

Herr Benſon ſagte nichts, ſondern ging den engen Pfad mit der flackernden Kerze in ſeiner Hand voran und die Dame folgte ihm. Er ſetzte die Kerze nieder und blickte der Dame ſorgfältig in's Geſicht. Er awar ſehr erröthet und aufgeregt; die Augen funkelten und die Lippen zitterten vor Aufregung; es war eine ſchlanke, männliche Dame, einfach gekleidet, aber offenbar unter dem Einfluß irgend eines ſtarken Gefühls.

Sie ſind Herr Benſon, der Trödler? fragte ſie.

Das bin ich und ich handle mit alten Möbeln, Büchern, kleinen Statuen und verſchiedenen andern Artikeln, wie Wand⸗ und Taſchenuhren, Kleidungsſtücken, Schießgewehren.

Sie wohnten am vorigen Mittwoch der Verſteigerung V des Nachlaſſes des Herrn Diedrich bei?

Ja.

Kauften Sie es?

Was?

Ich vergaß. Ich habe Ihnen nicht erzählt. Ich wollte es Ihnen nicht erzählen. Wie viel bezahlten Sie ſü die Artikel, die Sie dort erſteigert haben?

Für Alles, was ich gekauft habe, bezahlte ich etwa 75 bis 100 Dollar.

Wollen Sie mir eine Liſte davon geben und mir Alles ſofort übertragen? und ich werde Ihnen auf der Stelle tauſend Dollar dafür geben.

Rechnung des Auctionators und reichte ſie ihr. ſah ſie offenbar mit der größten Spannung durch, und als

Benſon ſah die Frau verwundert an, wie ſie ſprach und

Nein, Madame, tauſend Dollar iſt zu wenig. Wenn die Möbel für Sie 1000 Dollar werth ſind, ſo haben ſie für mich einen noch höheren Werth.

Wir wollen uns darüber nicht ſtreiten. Was kauften Sie? Betten, Sophas, Schränke? Laſſen Sie mich die Liſte ſehen. Er nahm aus einem Fache ſeines Pultes die Die Frau

ſie ziemlich an's Ende derſelben gekommen war, rief ſie

aus:

Ja; hier iſt es. Was verlangen Sie für das Ganze? Aber pah! Ich brauche davon nur einen kleinen Artikel. Be⸗ halten Sie den ganzen Reſt des Plunders und geben Sie

mir nur das eichene Schränkchen mit den vier Auszügen darin

u lich will Ihnen dafür geben, was Sie verlangen. Kommen ie!

Ich kann nicht, ſagte Herr Benſon, der vor Schrecken erblaßte und vor Aufregung zitterte.Es iſt fort ver⸗ kauft abgeliefert verloren!

Thor! ſchrie die Frau.Sie haben mich und ſich zu Grunde gerichtet. Das Schränkchen würde uns Beide reich gemacht haben. Weshalb machten die Schurken die Verſteigerung nicht in den öffentlichen Blättern bekannt? Ich würde gekommen ſein und hätte ich im Sterben gelegen. Können Sie es wieder bekomnen? Wer hat es von ihnen gekauft? Wird Geld den Käufer in Verſuchung ſetzen, es wieder zu verkaufen? Sagen Sie mir den Namen des