Jahrgang 
27-52 (1867)
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Vierte Folge.

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Eine Mochenchronin für Niteratur, Nungt, ſchäne Miſſenſehaſten und Geſellſchaſt.

Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.

Leipzig, am

V. Jahrgang.

Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.

26. Juli 1867.

Euphroſyne.

Aus Weimars goldnen Tagen von

Karl Neumann⸗Strela.

Richtig, da ſtand es obenan in der neuſten Nummer des Wochenblattes, die erſt heute um die Mittagsſtunde aus der herzoglichen Druckerei gekom⸗

men war; richtig, da ſtand es ja ſchwarz auf weiß

und großgedruckt und unterzeichnet vonCarl Auguſt, Herzog zu Sachſen⸗Weimar und Eiſenach!

Alſo jetzt war's heraus und die, welche längſt ſo

etwas gewittert, durften ſich nun ihrer feinen Naſen rühmen; von jetzt an konnten die Weimeraner den Kopf noch einmal ſo hoch tragen, denn ſie ſollten ja gleich den Berlinern und Wienern ein Hoftheater be⸗ kommen und noch dazu ein Hoftheater, deſſen

Oberleitung, wie ausdrücklich in dem Erlaß des gnä⸗

digſten Herrn bemerkt, der Herr Geheimmerath von Goethe übernehmen werde.

O Himmel! die Heubnerin, die Zeitungsfrau, mußte heute wahre Rieſenſchritte machen, ſie ſtöhnte und ächzte, ſie fühlte ihre armen Füße gar nicht mehr. Jeder wollte das Blatt zuerſt haben. Die Leute lehnten ſchon allerwärts aus den Fenſtern und ſahen ſich mit ſehnſüchtigen Blicken nach der Heubnerin um. Ein Hoftheater! Goethe Director! Dieſe Freuden⸗ poſt war der Zeitungsfrau lange vorausgeeilt.

Papa Wieland brummte anfangs ein wenig:Die Welt wäre gewiß nicht eingeſtürzt, wenn man ihn, den alten Prakticus, dabei zu Rath gezogen hätte, ſo erklärte er ſeiner Frau. Aber im nächſten Moment war ſein Unmuth auch ſchon wieder gewichen, denn er zog den ſtahlgrauen Gehrock an, ſteckte die Doſe ein, griff nach dem Rohr mit goldenem Knopf und verließ das Haus, um zu horchen, wie Böttiger, Falk, Bode, Bertuch und Herder über das Hoftheater dächten. O, Alle verſprachen ſie ſich ja etwas ſehr Bedeutendes davon; nur Herder, der es liebte, alles Neue durch