Jahrgang 
27-52 (1867)
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Vierte Holge.

drauſon bier,, fügte würde er den Hut abnehmen, um die Zinken ſeiner Krone legen, ſo

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der Biſchof lächelnd hinzu, blut geblieben, unverfälſcht und ächt, und der adlige ſo richtige Perlen Bauer, der ein Wappen führen könnte wie die Kaiſer könnte er nur und Könige der Welt, führt ſtatt des Scepters ein

die Bauern Islands aufraffen, eine gute Handvoll, ſtrenges Regiment in Hof und Haus; ein eiſenfeſter

um richtige, wahre Grafen und Edelleute um haben! Da ſind zum Beiſpiel dieſe Hioreifs: Knut, der Bauer und Syſſelmann vom Iſefjord, Edda's Vater, der mit den Knechten hinausfährt auf den Fiſchfang und auf der Sandhaargrashalde ſeine Rinder zählt, hat eine Ahnenreihe, vor der ſich die Niegel⸗ ſons und alle Ehre vor unſerm edlen Geſchlechte verſtecken müſſen, wie die Schulbuben, die auf der Schulbank reiten, vor dem Jüngling, der ein muthi⸗ ges Roß tummelt. Ihre Geſchichte reicht weit hinauf in die Vergangenheit und wenn es Dir von Intereſſe i*ſt, will ich Dir in Islands älteſter Urkundenſamm⸗ lung, in der Sturlunga, die in meinem Beſitz iſt, die Geſchichte der Hioreifs zeigen!

Und der fromme Biſchof nahm ein großes ſchweres Buch vom Bücherregal, öffnete es, nachdem er es ſäuberlich abgeſtäubt, und las.

Warte einmal, hier muß es kommen: Island war ſchon im achten Jahrhundert von iriſchen Mönchen bewohnt... Island wurde bekannt durch die Reiſen

des Naddodd, des Gardar, des Flokki... Das iſt noch Alles in der Vorzeit; blättern wir alſo weiter!.. Im dreizehnten Jahrhundert gelang es dem König Hakon VI. von Norwegen nicht ohne Unterſtützung des verrätheriſchen Snorri Sturluſon, die Inſel ſich unterthänig zu machen. Der Sturluſon war ein großer Gelehrter und Dichter, und bei ſeinem angeſtammten Herrſcher gern geſehen und beliebt, und hat dann durch Briefe ſeinen Herrn und König verrathen und beſchimpft pfui über den Verräther! Was hilft ihm nun ſein Ruf als Gelehrter, das Volk wird ihn doch ewig Verräther heißen! Allein, mein Erich, wir ſind ſchon zu weit und die Geſchichte der Hioreifs muß wiederum weiter rückwärts zu leſen ſein aha, da ſteht es ja geſchrieben: Wegen König Harald Harfagrs Ty⸗ rannei, der durch Beſteuerung der Odalsgüter die freien Grundbeſitzer zu ſeinen Pächtern machte, ver⸗ ließen vornehme Norweger ihr Vaterland und ſiedelten ſich auf dem Eilande Island an. Es war im Jahre

870, und unter den Angeſiedelten befanden ſich die

edlen Normänner Ingulf und Hioreif, und noch führen die beiden Orte, wo ſie ſich mit ihren Familien niedergelaſſen, von ihnen den Namen... So ſagt die Sturlunga und dies iſt der Stammbaum der Roſe von Sſefjord, der das Volk dieſen Namen gegeben hat, weil ihre Schönheit ſo ſelten iſt, wie die Bluthe der Roſe auf Island. Dieſem Hauſe gehört Knut Hioreif an, und iſt ein ſtrenges normänniſch Recken⸗

ſich zu Wills, der ſich durch keine Umſtände brechen läßt, iſt

ein Hauptzug ſeines Charakters und auch übergegangen als Erbtheil in das ſonſt ſo weiche Gemüth Edda's. Ich kenne die Roſe lange genug, um ihres Willens Kraft beurtheilen zu können, ich habe geſehen, wie ſie den Schmerz bezwang, als ihre Mutter ſtarb, indeß ihr das Herz brechen wollte im Geheimen vor Gram, und weiß darum, mein Erich, daß Deine Hoffnung gar ſchwach iſt, denn Edda hat geſchworen, und Edda wird Nielſen Trampen's edle Aufopferung nie anneh⸗ men, ſondern ſeiner getreulich harren bis in den Tod! Allein, was Du mir da erzählt haſt vom Nielſen, das hat mich erſchreckt bis in den tiefſten Grund meiner Seele, und es drängt mich von Herzen, hinüberzu⸗ ſchreiten nach Enkernäs, um dem betrübten Vaterherzen Troſt zu bringen in ſeiner Noth!

Und der fromme Biſchof zog dieſen Apoſtelweg, und während Erich trübe an dem Fenſter des Kathe⸗ dralhauſes zu Reikiavig ſtand und deſſen gedachte, wie es hätte werden können und wie es nun geworden war, zogen die Wolken über die Stadt hin, hinaus auf das Land. Die Wolken brauchen keinen Reiſe⸗ paß und kein Nachtquartier, ſie fahren ohne Ruh und Raſt mit dem Winde über Land und Meer, Berg und Thal; heute uun zogen ſie erſt über ein Haus, da ward ein Kind geboren, und dann über ein anderes, aus dem ſie gerade einen Greis zu Grabe trugen, und dann über ein Kirchlein, in dem eben der Segen uber ein glückliches Paar geſprochen ward; und weiter⸗ hin zogen ſie über das Land bis an die Bucht von Iſefjord, und ein einſamer Schwan, der ſich verſchlagen von den Faröern her, ſpiegelte ſich furchtlos in der blauen, klaren Fluth des Meeres. Es iſt ſo ſtille auf Iſefjord, Knut Hioreif iſt mit den Knechten hin aus auf den Fiſchfang und die Mägde des Hofes ſind hinüber nach Holum zur Hochzeit der braunen Jane Matt; Edda ſitzt einſam und traurig auf den Steinen am See, das Haupt in die Hand geſtützt.

Edda, was ſinneſt Du? Du ſitzeſt trübe am Buſen von Iſefjord, zu Reikiavig ſchaut Einer trübe durch das Fenſter, und an Grönlands eiſiger Küſte ſchwankt ohne Segel und Flagge ein einſamer Grön⸗ landfahrer Edda, auf wen harreſt Du?

Iſt es Hakon oder Axel, nach dem ſich Deine Seele ſehnet?

Edda ſeufzt tief auf und der Schwan breitet die Schwingen und hebt ſich aus dem Waſſer: er