Jahrgang 
1-26 (1867)
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Vom deutſchen Büchermarkt.

Deutſchland in Sturm und Drang. Hiſtoriſcher Roman von Louiſe Mühlbach. Jena, Verlag von Co⸗ ſtenoble. 1867.

Die erſten vier uns vorliegenden Bände dieſes Romans heißenDer alte Fritz und die neue Zeit.

Die Verfaſſerin hat dieſes Mal ſich veranlaßt geſehen, ihrem Buche eine Einleitung voranzuſtellen, die eine Erör⸗ terung oder vielmehr Rechtfertigung des hiſtoriſchen Romans enthält und eigentlich gegen die vielen kritiſchen Angriffe ge⸗ richtet iſt, welche ihre Gattung von Erzählungen im Laufe der Zeit zu erfahren hatte. Es wird in dieſer Vorrede lür die weniger unterrichteten Leſer Manches von dem zur Sprache gebracht, was ſich zur Vertheidigung des hiſtoriſchen Ro⸗ mans ſagen läßt und gebildeten Literaturfreunden nicht un⸗ bekannt iſt. Ueberhaupt darf man zur Beruhigung der Ver⸗ faſſerin annehmen, daß es wohl keinem der Letzteren in den Sinn kommen wird, ganz allgemein gefaßt die Exiſtenzbe⸗ rechtigung von der Gattung des hiſtoriſchen Romans zu beſtreiten. Man hat wohl immer nur, und jedenfalls nicht mit Unrecht, gegen eine ſchiefe literariſche Ausführung dieſer Gattung geeifert. Wer ſich der richtigen künſtleriſchen Art bewußt iſt, darf ſich auf das kühle, weiche Luftkiſſen dieſes guten Gewiſſens ruhig ſchlafen legen, den kritiſchen Vorwür⸗ fen jene Häupter überlaſſend, welche davon betroffen werden. Die Verfaſſerin hat bereits in ihrer Einleitung ausgeſpro⸗ chen, daß ſie ſich von jeder Sünde gegen den heiligen Geiſt, von jedem abſichtlichen Vergehen frei weiß, und dieſes redlich individuelle Streben iſt Alles, was ein Menſch zu leiſten vermagz den Erfolg hat Niemand in der Hand.

Die Art, wie Louiſe Mühlbach geſchichtliche Vorgänge und Perſonen ſchildert, iſt deem Publicum bekannt und es kommt ihr für dieſen Roman noch zu Statten, daß ſie ſich

Novellen⸗

ganz ſpeciell für die Zeichnung des alten Fritz und ſeiner Zeit und Umgebung bereits große Uebung verſchafft hat. Natürlich handelt es ſich hier um die ſpäte Lebensperiode des

Zeitung.

großen Fürſten und es treten Geſtalten genug auf, die be⸗ reits die Grenze einer neuen Epoche überſchritten haben oder zu überſchreiten im Begriffe ſind. Es verſteht ſich ganz von ſelbſt, daß es dieſem Roman an ſpannenden Elementen und jähen Ueberraſchungen nicht fehlen kann. Dafür bürgt ein es⸗ theils die Richtung der Verfaſſerin und anderntheils die ſich dem Stoffe nach ſo günſtig herandrängende Gelegenheit.

Deutſche Liebe. Aus den Papieren eines Fremd⸗ lings. Von Max Müller. Leipzig, bei Brockhaus.

Dieſe von dem berühmten Sprachforſcher, der als Deutſcher bereits lange an der Univerſität zu Oxford lebt und derſelben den Hauptglanz verleiht, herausgegebenen biographiſch⸗novelliſtiſchen Fragmente, welche mit einem kurzen Vorwort Müller's begleitet ſind, möchten wir in ihrer ſinnigen Gemüthstiefe und dichteriſchen Schwärmerei am liebſten als eine Mahnung an den talentvollen, ſo beliebten Lyriker Wilhelm Müller, den Vater des gefeierten Max, betrachten dürfen. Trotz der Maske, welche dieſem literariſchen Gebilde angelegt iſt, ſcheint es uns einer poetiſchen Ader entſprungen zu ſein, die der Sohn vom Vater geerbt hat. Das Buch wird in ſeinem zarten Inhalt am beſten verſtanden werden, wenn deſſen Kritik empfänglichen Leſern in ruhigen Mußeſtunden ſelbſt uborlaſſen wird. An feinen Lebensbe⸗ obachtungen, überraſchenden Gedanken und duftigen farben⸗ reichen Stimmungen fehlt es dieſen mit Delicateſſe

geſchriebenen Bekenntniſſen und Weltbetrachtungen keines⸗ wegs. O.

Isländiſch Moos. Noyvelle von Hans Adolf Münnich. Inhalt:(Fortſetzung.) Gddichte von Carl Twelckmeyer. Maiengiſt Mein ſtilles Plätzchen. Literariſche Briefe von Otto anck. Feuilleton. An den Ufern de Tiber. Kinderſpiel und Plau⸗ derei. Ein Abenteuer⸗Leben. Das Geheimniß der Medaillen⸗ vertheilung in Paris. Miscellei. Vom deutſchen Büchermarkt.

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