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bensgenoſſen in den umliegenden Dörfern die Seelſorge obliegt. Hier war nun für den Paſcha und ſein unmittelba⸗ res Gefolge Quartier beſtellt. Meine Reiſegefährten und mich nahmen die in demſelben Dorfe wohnenden gaſtfreund⸗ lichen amerikaniſchen Miſſionäre auf, die auf's Beſte für unſere Bequemlichkeit ſorgten.
Als die Eröffnungsfeier vorüber war, begann das eigentliche Feſt. Für den Paſcha, ſeinen Stab, uns, ſeine Gäſte, die italieniſchen Mönche und die amerikaniſchen Miſ⸗ ſionäre,— Alles in Allem etwa zwei Dutzend Perſonen— war eine beſondere Tafel in europäiſchem Style hergerichtet. Dem übrigen Publicum aber— Häuptlingen, Prieſtern, Mönchen, Soldaten, Poliziſten, Reitknechten, Dienern und Bauern— wurden Eß⸗ und Trinkwaaren in Scheffel- und Wagenladungen zugeführt. Zwiſchen fünf⸗ bis ſechstauſend Perſonen ſchmauſten heute als Gäſte der neuen Schule. Mehr als fünfzig ganze Schafe brieten, mit Reis gefüllt, am Spieße, während Hunderte großer Keſſel voll Pillav— der bekannten, aus in Butter gekochtem Reis beſtehenden Natio⸗ nalſpeiſe des Orienrs— dampften und eine Schwadron von vierzig Maulthieren das Brod— runde arabiſche Kuchen — herbeitrugen. Trotz der Größe der Verſammlung ging Alles ohne Tumult und Confuſion ab. Die Menge war in einzelne Rotten von je zwanzig Mann abgetheilt; jede dieſer Rotten empfing ein gebratenes Schaf, einen Berg von Pillav und eine Maulthierladung Brod, und mit dem Rufe:„Im Namen Gottes!“ zog Jeder ſein Meſſer aus der Taſche und begann ſich gütlich zu thun. War er geſättigt, was bei dem ſehr raſchen Eſſen der Araber ſchnell geſchehen, ſo hob er ſein Meſſer mit einem„Gott ſei gelobt!“ in die Höhe, ſtand vom Boden auf, wo er mit untergeſchlagenen Beinen gekauert hatte, und machte dem Nächſtſtehenden Platz, der ſeinerſeits ſich eben ſo ſchnell expedirte. In weniger als einer Stunde hatte die ganze Volksmaſſe abgeſpeiſt und rauchte unter den Bäumen ihre Tſchibuks und Cigarretten; von dem koloſſalen Proviant aber, den man zugeführt hatte, war nicht mehr ſo viel übrig, um nur einen Hund zu füttern.
Eine ſolche blitzgeſchwinde Vertilgung ſo maſſenhafter Speiſe hatte ich noch niemals geſehen! 6.
Chriſtian Perfectioniſts iſt der Name einer chriſtlichen Secte, über welche ein Corre⸗ ſpondent der New⸗York Tribune Folgendes berichtet:
Vier engliſche Meilen von Oneida in der Grafſchaft Madiſon in dem Staate New⸗York hat eine Secte, welche den Namen„Chriſtian Perfectioniſts“ führt, vor zwanzig Jahren eine Gemeinde organiſirt. Der Stifter derſelben war J. H. Noyes. Andere haben ähnliche Anſichten gehabt. Die Ge⸗ meinde zählt ungefähr 250 Mitglieder, von denen 25 unter vierzehn Jahre alt ſind. Eigenthum und Perſonen ſind ge⸗ meinſchaftlich. Keiner von ihnen beſitzt etwas ausſchließlich für ſeine Perſon. Sie begannen arm und jetzt ſind ſie reich. Die Lage ihres Ortes iſt die ſchönſte im ganzen Lande. Sie be⸗ ſitzen 600 Morgen des fruchtbarſten Landes im Oneidathal. Ihr Hauptgebäude iſt von Ziegelſteinen erbaut, drei Stock⸗ werke hoch, und ſo ausgedehnt, ſo nett und ſo elegant wie Ge⸗ bäude ſind, welche von dem Staate für milde Zwecke errichtet werden. Die Anlagen ſind von einem wiſſenſchaftlich aus⸗ gebildeten Architekten entworfen worden. Es giebt An⸗ pflanzungen von Immergrün, Hecken, Baumgruppen, ſchat⸗ tige, ſich windende Spaziergänge, Lauben, Sommerhäuſer, Rabatten und Blumengärten. Der feinſte Geſchmack fühlt
Novellen⸗ZJeitung.
ſich befriedigt. Im letzten Sommer beſuchten 6000 Per⸗ ſonen die Niederlaſſung. Außer dem erwähnten Central⸗ gebäude giebt es noch fünf große Häuſer, von denen das eine den gemeinſchaftlichen großen Speiſeſaal enthält, ein anderes zum Backen und Waſchen vermittelſt Maſchinen und die übrigen für verſchiedene Induſtrieen benutzt werden. Sie haben Weinberge, die einen Morgen groß ſind; Pflanzungen von Himbeeren, Stachelbeeren und anderen kleinen Früchten von 10 bis 20 Morgen, und große Obſtgärten von Birn⸗ und Apfelbäumen. Ihre Scheunen ſind ſo groß und ſo ge⸗ füllt wie irgend eine im Lande. Sie beſitzen Stallungen für Hunderte von Pferden und von Hornvieh. Dann haben ſie auch verſchiedene Fabrikgebäude. Das eine iſt eine Säge⸗ und Hobelmühle; in einem anderen werden Reiſe⸗ taſchen gefertigt, womit unter der Leitung einer Dame 30 Perſonen beſchäftigt ſind, welche jährlich für 50,000 Dollar Reiſetaſchen liefern. Ein Gebäude koſtet ohne die Maſchi⸗ nerie 40,000 Dollar, aber ſie liefern darin jährlich Waaren im Werthe von 80,000 Dollar. In Zeit von zehn Jahren machten ſie eine halbe Million Stahlfallen. Sie haben Maſchinen erfunden, um die verſchiedenen Theile zu ſchneiden und vorzubereiten, welche die⸗Arbeit, von zehn bis funfzehn Perſonen verrichten. Daher iſt die Arbeit gut und ſie ſind im Stande, das Geſchäft zu monopoliſiren. Außerdem be⸗ ſitzen ſie einen Schmelzofen, deſſen ſie ſich bedienen, um Gegenſtände für ſich und Andere zu gießen, ebenſo haben ſie Seidenmaſchinerie, die ſie ſelbſt verfertigt haben, ver⸗ mittelſt deren ſie große Quantitäten Nähſeide fertigen. Sie bauen alle Arten Obſt und ſie bereiten unter der Aufſicht einer Dame jährlich für 20,000 Dollar Kirſch⸗, Himbeer⸗, Joha nnisbeerſaft ꝛc.
In Wallingford im Staate Connectitut findet ſich ein Zweig dieſer Gemeinde, der nicht ganz ſo groß iſt und der ſich beſonders mit der Erziehung beſchäftigt.
Ein anderer Zweig iſt in dem Moffatgebäude auf dem Broadway in New⸗York, der Handelsgeſchäfte betreibt. In Wallingford drucken ſie eine Wochenſchrift. Alle eſſen in einem großen Saale an verſchiedenen Tiſchen. Sie genießen weder Thee, noch Kaffee und nur ſelten Fleiſch, dagegen finden ſich auf ihren Tiſchen Gemüſe, Obſt, Milch, Butter, Käſe, Kuchen, Pudding und Paſteten im Ueberfluß. Sie haben eine ſchöne Bibliothek und halten die beſten Tages⸗ und Wochenblätter. Sie veröffentlichen ein kleines Tages⸗ blatt, das nur den Mitgliedern ihrer Gemeinde zu Geſicht kommt. Ein hübſcher Saal mit Stühlen und kleinen Tiſchen verſehen wird von den Mitgliedern des Abends in derſelben Art beſucht, wie ſich eine Familie um den Herd oder das Camin herum verſammelt. Sie beſchäftigen keinen Arzt, denn ſie bedürfen keines; keinen Richter und Advacaten, denn ſie ſind friedfertig; keinen Prediger, denn ſie ſind vollkom⸗ men. Sie beten nie; in den Sälen ertönen Inſtrumente. Am Sonntage arbeiten ſie nicht, aber ſie nennen den Tag nicht heilig. Taufe und Abendmahl ſind bei ihnen nicht im Gebrauch. Ihr Leben iſt eine fortwährende Gottesverehrung. Sie machen Anſpruch darauf, die Nachfolger der Apoſtel zu ſein, denen die baldige zweite Ankunft Chriſti verſprochen wurde. Sie ſagen, nach der Zerſtörung Jeruſalems ſei Chriſtus wieder erſchienen und damals habe das Gericht in der geiſtigen Welt ſtattgefunden und das Königreich im Him⸗ mel habe ſeinen Anfang genommen. Sie glauben, ihre Gemeinde ſei im höchſten Grade im Beſitz des Glaubens an Jeſu und des Bekenntniſſes an denſelben, der als Erlöſer von Sünden in ihnen wohne; ihre Gemeinde ſei eine inſpi—


