Jahrgang 
1-26 (1867)
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pen exiſtiren nur beim Prediger und auf dem Gutshof. Da aber, wo Buchenau's herrſchaftlicher Garten ſich bis zu der Bergkuppe zieht und wonnig nach den präch⸗ tigen Blumen und dem ſpiegelhellen Waſſer hinabſchaut, da heißt der Bach Fräuleinquelle oder Prinzeſſinborn. So hatte ihn einſt der junge Herr getauft, und zwar nach einem Mädchen, welches aber keineswegs eine Prinzeſſin war. Dieſes wunderliebliche Püppchen, das die Leute Fräulein Margretelchen riefen, war eine Ver⸗ wandte des jungen Herrn. Sie war eines Tages harm⸗ los in den Bach geſtiegen, umFiſche zu fangen, und zwar in ihrer kleinen Schürze.

Der Bach aber konnte auch tückiſch ſein.

Er zog ſie fort, unter dichtes Geſtrüpp, wo ſie unfehlbar ſein Opfer geworden wäre, wenn eben der junge Herr und Nero nicht zum Glück über den Steg ſchritten und noch ein Zipfelchen des weißen Gewan⸗ des entdeckten. Nero heulte fürchterlich, denn Mar⸗ gretelchen war ſein Abgott. Der junge Herr aber ſagte:

Prinzeſſinn Tauſendſchön, geh nicht wieder auf Fiſcherei aus, das iſt gefährlich!

Vor dem Freiheitskriege war Buchenau erblich an Baron Peter von Buch gekommen, verſchuldet und in dem Zuſtande der traurigſten Verarmung, unter dem das Land bis in ſein Mark zu leiden hatte. Dieſer Baron Peter, zum Unterſchied von ſeinem Sohnder General oderder alte Herr oder auch Peter der Erſte genannt, hatte alle ſeine Kräfte auf⸗ gewendet, um den Untergang ſeines Hauſes abzuwehren,

und wenigſtens ſoviel erzielt, daß er hoffen durfte, den Beſitz für ſeinen einzigen Sohn zu erhalten. Da brach der glorreiche Krieg aus. Der Baron rüſtete mit ſeinen letzten Mitteln ſich und ein Häuflein ſeiner Leute nothdürftig aus. Sie kämpften unter den frei⸗ willigen Schaaren, erkämpften der Heimath den heiß⸗ erſehnten Frieden und die goldene Freiheit wieder und Peter kehrte als Krüppel in ſein vollſtändig verfalle⸗ nes Haus zurück, wo Mißernten, Hunger und Noth der ſchwerſten Art ihn empfingen, gleichzeitig aber auch ſein treues frommes Weib und mit ihr, der hart Ge⸗ prüften, die Hoffnung und die Zuverſicht auf eine beſſere Zukunft. Peter der Zweite entwickelte ſo entſchiedene Vor⸗ liebe und Fähigkeit für wiſſenſchaftliche Studien, daß der Vater es gerathen hielt, ihn ſeiner Neigung folgen zu laſſen, ſo eifrig auch die Generalin die Nothwen⸗ digkeit hervorzuheben ſuchte, daß ihnen junge Kräfte unerläßlich ſeien.

Mag er in Gottes Namen gehn, ſprach ruhig der Invalide.Wir Alten müſſen hier freilich noch einmal von vorn anfangen, aber wer das Rechte

Novellen⸗Zeitung.

will, der führt es zuletzt auch durch, und wenn ich wirklich nicht mehr allein fertig werde, dann muß der Peter Einſehn haben und ſeinen Doctorhut an den Nagel hängen.

Liebe und Einigkeit in Haus und Hof, eiſerner Fleiß und ein umſichtiges Auge, Treue im Gebet, das waren des Helden einzige Mittel, als er von Neuem zugriff, um die Heimath ſeiner Väter wieder aufzu⸗ bauen. Er rechnete nicht auf glänzende Erfolge. Das Einzige, was er erbat, war eine beſcheidene Exiſtenz ohne zu große Schuldenlaſt und einſt ein ſorgenfreies Alter für ſeine Wittwe, deren Anſprüche nicht über die Wünſche eines frommen Kindes hinaus gingen. Langſam, aber Schritt um Schritt hoben ſich die äußeren Verhältniſſe.

Der General ſah, daß er vorwärts kam. Dann traten glückliche Conjuncturen fördernd hinzu, und ſpäter fiel auch noch eine, wenn auch nur ſehr kleine Summe durch Erbſchaft auf ſeine Frau. Sie konnten nun verbeſſern, bauen und die Schäferei vergrößern.

Ach, wie klein zog die Heerde ein in den bau⸗ fälligen Stall, als damals der an ſeinen Wunden noch ſo elende Herr traurig in der Hausthür lehnte!

Nun waren die Wunden geheilt, Haus und Hofge⸗

bäude zwar nicht neu und maſſiv, aber es war doch Alles ſchon im Stande und manch tüchtiges Stück, ſauber ſchwarz und weißfleckig, von reiner Race, wieder den Heerden in den Rinderſtällen zugefügt.

Der Schafmeiſter wurde dringender in ſeinen

Bitten um mehr Raum für den Zuwachs, und in den

nächſten Jahren lieferte die Wolle einen Ertrag erſter Claſſe. Dann kam der Garten an die Reihe, und nun begann man im Hofe, endlich im Hauſe neu zu bauen, auch an Bequemlichkeit, an Geſchmack, ſogar an einen gewiſſen Grad von Eleganz zu denken.

In einem Zeitraum von fünfundzwanzig Jahren, aber das iſt freilich eine lange Zeit und doch füllte ſie unermüdete Geduld da war Buchenau aufgeblüht zu einem weit und breit gekannten Muſter⸗ gut. General von Buch galt überall für eine Autorität unter dem Landadel der Provinz, ſowie er den Seinen auf dem Felde vorangeleuchtet hatte. Sein Gut war durch allmäligen Ankauf der angrenzenden Lände⸗

reien bedeutend vergrößert; Acker, Feld und Wald

ſchienen unter ſeiner Hand geſegnet zu ſein.

Dieſe fleißige Hand aber begann ſchwach zu werden. Der General rief den Sohn heim. Die Zeit war da, daß der greiſe Vater einer Stütze bedurfte, und willig, obwohl nicht ohne Kampf, gab der als Profeſſot an einer Univerſität wirkende Gelehrte dem Befehl Folge.

Die Schwiegertochter, eine zarte

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gr oßa Leipzig.