Jahrgang 
1-26 (1867)
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192 Novellen⸗ Nun, mein Sohn, angenommen, Du ſäheſt mitten in der Nacht die Sonne am Himmel erſcheinen, wie würdeſt⸗Du das nennen?

Den Mond.

Nein; aber denke Dir, Du wüßte ſt es, daß es nicht der Mond, ſondern die Sonne ſei, und daß Du ſie wirklich mitten in der Nacht am Himmel erſcheinen ſäheſt, was würdeſt Du dann denken?

Ich würde denken, es ſei Zeit, aufzuſtehen. C. Als Napoleon vom m Stege bei Marengo nach Paris zurückgekehrt war, empfing der nunmehrige Conſul einen Brief aus Perſy Gnſel im Canal la Manche) von einem ſechsundachtzigjäh hrigen Emigranten, in welchem derſelbe aus⸗ einanderſetzte, daß er vor Zeiten demſeligen Herrn Vater Bonqparte's einmal 25 Louisd'or geliehen habe.Ihre Frau Mutter, fährt er in ſeinem Briefe fort,hat ſich, als ich Ajaccio (Geburtsort Napoleons) verließ, erboten, etwelches Silber⸗ geſchirr zu veräußern, um mich zu befriedigen; aber ich wollte von dieſem Anerbieten keinen Gebrauch machen. Jetzt aber, nach Verluſt aller meiner Güter, in der Verbannung lebend, alt, gebrechlich und zur äußerſten Dürftigkeit herabgekommen, muß ich, obgleich Sie es ſonderbar finden werden.... Aber der erſte Conſul fand dieſes ſpäte Mahnſchreiben nicht ſon⸗ derbar.Der gute Greis! ſagte er;verlieren wir keine Minute! Sogleich befahler, daß man ihm die zehnfache Summe ſchicke und ihm ſchreibe, daß er unverzüglich aus der Liſte der Emigranten geſtrichen und für ihn geſorgt werden ſolle.

Vom deutſchen Züchermarkt.

Dramatiſche Werke von L. A. v. Winterfeld und A. F. v. Wolzogen. Leipzig, bei Brockhaus.

Von dieſen gemeinſchaftlichen und allerdings in dieſer Art für deutſchen Literaturbrauch ziemlich neuen Leiſtungen liegen drei Bändchen vor, die zwei Trauerſpiele und ein Schauſpiel:Blanche,Sophia Dorothea undFürſtin Orſini enthalten. Ein der Bühne nicht näher ſich widmen⸗ des Blatt, wie das unſere, muß ſich mit einer bloßen Anzeige dieſer Edition begnügen, wobei in dieſem Falle der Umſtand ergänzend hinzutritt, daß beide Schriftſteller dem Publicum bereits vortheilhaft bekannt ſind. O. B.

Bei mir erschien und ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen:

Beinke de Vos V

nach der ältesten Ausgabe(Lübeck 1498). V Mit

Einleitung, Anmerkungen und einem Wörterbuche. V Von

* August Lübben. gr. 8. geh. Thlr. 20 Sgr.

Diese schon lange erwartete S des Reinke de Vos liefert einen Text, der auf genauer und sorgfältiger Ver- gleichung des ältesten Drucks beruht, und entfernt die Will- kürlichkeiten, die sich die Herausgeber früherer Ausgaben mehr oder weniger erlaubt haben. Der Text ist sachlich und sprachlich in den Anmerkungen erläutert und schliesst zich daran ein Wörterbuch, welches den gesammten Sprachschatz, der sich in Reineke findet, wiedergiebt.

Gerhard Stalling, Oldenburg.

Zeitung.

Beethoven und feineWerte, von Otto Mühl⸗ Leipzig, bei Merſeburger. Bei den vielen Schriſten, welche in den letzten Decen⸗ nien über dieſen Heros der Muſik verfaßt ſind, iſt eine die neueren Forſchungen berückſichtigende, kurzgefaßte Biographie wie die vorliegende dem größeren Publicum gewiß wünſchens⸗ werth. Wir müſſen es zugleich anerkennen, daß der Ver⸗ faſſer bei ſeiner Broſchüre auch die bibliographiſche Seite berückſichtigt hat und ſind ferner mit ſeinem Princip, nur die zedrdcrten Werke des Tondichters zu regiſtriren, ganz einver⸗ ſtanden, da es ſpeciellen Fachkennern überlaſſen bleiben muß, ſich wegen der ungedruckten eigenen Forſchungen hinzugeben und umfaſſendere Schriften über dieſe Frage nachzuſchlagen. O. B. Pyrmont, von Dr. Valentiner. Kiel, bei Schröder. Gerade bei einem ſo berühmten und in ſeinen ſpeci⸗ fiſchen Wirkungen noch immer unübertroffenen Bade, wie Pyrmont, iſt eine gründliche Beleuchtung deſſelben in medi⸗ einiſcher und topographiſcher Beziehung angenehm und es mag erwähnt werden, daß dieſe zweite Auflage des ſchon in erſter mit Recht beachteten Buches mannigfach vermehrt und verändert iſt. O. B.

brecht.

Auch Blut und Eiſsn. Von Ferd. Wflug. Leipzig, bei Schlicke. 1867.

Dieſe ihrer Zeit von uns beſprochenen Soldatenge⸗ geſchichten aus der Kriegszeit liegen hier in zweiter Auflage vor. Der Ton, in dem ſie vorgetragen ſind, iſt für die große Menge berechnet und dieſe Berechnung hat ſich aicht unpraktiſch erwieſen. Die Wahl der Stoffe hat eine patrio⸗ tiſche Richtung und weiſt auf die Volksleiden einer vergangenen Zeit zurück. O. B.

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Inhalt: Oſtſeeküſte von Friedrich Deutler. Gedichte von Carl Twelckmeyer. Im Glück nicht jubeln U. r zagen! Freundesworte. Literariſche Briefe von Otto Banck.

Feuilleton. Ein patriarchaliſcher deutſcher Schriftſteller. Eine Spahi⸗Hochzeit in der Smala. Liebe der franzöſiſchen Soldaten für Thiere. Die Diamanten der Familie Eſterhazy. Das Muſenm Blacas. Rückert⸗Feier in Leipzig. Miscellen.

Vom deutſchen Büchermarkt.

Im Dünendorf. Novelle aus dem Volksleben an der

Im Verlage der Dürr'ſchen Buchhandlung iſt erſchienen und

durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Otto Banck,

Kritiſche Wanderungen in drei ei Aunſtgebieten. éErſter Band:

Aus der deutſ ſchen Bühnenwelt.

Dramaturgiſche Studien über Theater und Theaterdichtung, Schau⸗ ſpielkunſt und Schauſpieler, mit Hinblick auf die Blüthezeit der Dresdener Hofbühne und die Münchener Muſtervorſtellung im

Jahre 1854. 8

28 Bogen gr. 8. Preis 1 Thlr. 20 Ngr.

Zweiter Band:

Vom Literaturgeiſt unferer Tage.

Aeſthetiſche Unterhaltungen und kritiſche Schlaglichter über Dichten und Schaffen in Poeſie und Proſa.

24 ½ Bogen gr. 8. Preis 1 Thlr. 20 Ngr.

Redigirt unter Verantwortlichkeit von Ouo Friedrich Dürr in Leipzi

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. Verlag der Dürr'ſchen Buchhandlung in Leipzig. Druck von A. Edelmann in Leipzig.