13² Rovellen⸗Jeitung.
meine Mutter arm iſt, wir haben ſchon viel von den Soldaten des Generals Mac Clellan im vorigen Jahre leiden müſſen. General, ich verlange eine Sauveguard von Ihnen, um unſer weniges Eigenthum zu be⸗ ſchützen.“
„Ah! Sie verlangen eine Schutzwache; doch ge⸗ nug, es mag genügen Ihnen zu ſagen, daß ich nie eine ſolche gebe,“ erwiderte der General kalt und entſchloſſen,„und ich werde auch in dieſem Falle keine Ausnahme machen können; es thut mir in der That leid, daß Sie ſich vergeblich zu meinem Hauptquartiere bemüht haben.“
„General, ſo bitte ich Sie im Namen der Menſch⸗ lichkeit, beſchützen Sie uns,“ bat jetzt die Schöne, indem ſie flehend ihre Hände erhob, wohl einſehend, daß ihr Stolz dem General nicht im Geringſten im— poniren konnte,„meine arme, alte Mutter iſt krank; wir armen hülfloſen Weſen, was ſollen wir beginnen? O! bitte, helfen Sie, General, wir waren ja ſtets loyal und ſtanden bei der großen Union!“ und Thrä— nen entfielen den ſchönen Augen bei dieſen Worten.
Der General blickte jetzt voll Theilnahme auf das Mädchen, doch ſeine ſtrengen militäriſchen Grund⸗ ſätze verboten ihm, den Bitten derſelben zu genügen. Es war ſein feſtes Princip, niemals einem Bewohner der Südſtaaten eine Schutzwache zu gewähren, er kannte den hämiſchen Charakter der Bevölkerung zu gut, um nicht zu wiſſen, daß dieſe Menſchen ſeine Soldaten eher verhungern laſſen würden, als denſelben ein Stückchen Brod zu ſchenken. Doch das ſchöne junge Mädchen, welches, um ihre Mutter beſchützt zu wiſſen, allein in dunkler Nacht zu ihm gekommen war, nein, er konnte ſie nicht abweiſen, ſie der Willkür ſeiner Soldaten überlaſſen, ſein Herz ſträubte ſich da⸗ gegen— doch der bittere kalte Ernſt des Lebens ſagte ihm:„Du mußt!“ er überlegte.
In dieſem Augenblicke trat ein Adjutant ein
und meldete die Ankunft des verwundeten Major Ed⸗ Der General reichte ihr freundlich die Hand.
wards im Hauptquartier und erwartete die Befehle des Generals im Betreff der Dispoſitionen, welche derſelbe mit dem Verwundeten getroffen habe.
Da plöͤtzlich ſchien dem General etwas einzu⸗ fallen, und es leuchtete wie ein Strahl aus ſeinen Augen.
„Wie iſt Ihr Name, Miß, und wo wohnen Sie?“ inquirirte er jetzt plötzlich, indem er ſchnell aufſtand, um die Converſation zu beſchleunigen.
„Helena Woodſtock,“ antwortete das Mädchen zögernd,„ich wohne eine halbe Meile von Wincheſter auf der Plantage meines Vaters, welcher eine Stelle als Obriſt in der conföderirten Armee bekleidet, und im Süden von Texas ſtationirt iſt. Mein Bruder
ſtand als Lieutenant bei einem Cavallerieregimente und wurde in der Schlacht bei Bull Run erſchoſſen. Außer uns und einigen Dienern lebt niemand in dem Hauſe.“
„Nun, Fräulein Helena, ich könnte wohl Ihren Wunſch erfüllen, ich bin willens Ihnen die gewünſchte Wache zu geben, wenn Sie ſich bereit erklären, eine Bedingung anzunehmen, welche ich Ihnen ſtelle!“
„Aber, General, was ſollen wir denn thun?“ fragte. Helena erſtaunt, indem ſie zweifelnd den General an⸗ ſchaute.
„Wenn Sie einen meiner verwundeten Adjutanten in Ihrem Hauſe aufnehmen wollen, und denſelben, ſolange die Armee in Wincheſter bleibt, pflegen werden, will ich Ihnen die Sauvegarde ſtellen.“
„Wir einen Yankee» in unſerm Hauſe auf⸗ nehmen, einen Feind meines Landes? Niemals, eber ſterben!“ rief jetzt Helena ſtolz und verächtlich. „Niemals, General!“*
„Dann muß ich Sie Ihrem Schickſale überlaſſen,“ ſagte dieſer kalt und entſchloſſen und winktemit dar- Hand, als Zeichen der Verabſchiedung.
Helena ſuchte in den Augen des Grwe wm— Ernſt zu keſen, welcher die ſoeben ausgeſprochenen Worte begleitete, doch der General erwiderte ihren Blick mit einer eiſernen. Ruhe. Sie uͤberlegte„das Unerwartete der geſtellten Bedingung. Sollte ſie den verwundeten Ofſicier aufnehmen, einen der Yankee’s, welche ſie ſo aus tiefſter Seele haßte?— Doch die Folge, wenn keine Wache ihr Haus beſchützte!— Sie⸗ erblickte in Gedanken ſchon das brennende Haus, ihre kranke Mutter, ſie ſah ſich von allem perlaſſen, allein in die Welt hinausgeſtoßen, vielleicht überlebte die kranke Mutter dieſes Unglück kaum; nein, nein, ſie mußte Schutz haben. Und was kümmerte ſie am Ende
auch der Officier, ihre Bedienung konnte auch ihn
pflegen, ſie wollte ihn nichk ſehen.— Nur Schutz! „Gut,“ ſagte ſie entſchloſſen,„ſchickt den Officier.“
„Sie ſollen es nicht bereuen ihn aufgrüct.“
haben, die Wache ſoll Sie augenblicklich egerh.
und lächelnd ſetzte er hinzu:„Mein Adjutant iſt ein ſehr liebenswürdiger junger Officier, welcher Ihnen in den Stunden der Einſamkeit die Langweile ſchon vertreiben kann. Sie werden ihn achten lernen.“ Und freundlich grüßend verließ der General das Zim⸗ mer, ſeinem Adjutanten die nöthigen Befehle ertbei⸗ lend, und begab ſich in ſein Cabinet.
Major Edwards war inzwiſchen in das Zimmer des Generals gebracht worden, welcher den Verwun⸗ deten mit den Ausdrücken des tiefſten Mittleids em⸗ pfing. Der Major war ein ſchöner Mann von etwa
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