Henker ihm zu. Zur ganzen Antwort drehte Briam ihm den Rücken zu, und indem er ſich mit ſeinen beiden Händen auf den Hintern ſchlug, ſang er ein Spottlied.
Der Anführer der Wache lief nach dem Unverſchämten; aber ſeine Leute hielten ihn zurück.
„Pfui!“ riefen ſie ihm zu,„man erwürgt den jungen Wolf bei dem alten Wolfe, aber man tödtet keinen Narren; welches Uebel kann er Dir zufügen?“ 5
Und Briam flüchtete ſich tanzend und ſingend.
Des Abends hatte der König das Vergnügen, Bukolla zu liebkoſen, und er fand nicht, daß er ſie zu theuer bezahlt hatte. Aber in der armen Hütte bat eine alte Frau weinend Gott um Gerechtigkeit, denn die Laune eines Fürſten hatte ihr in einer Stunde ihren Mann und ſechs Kinder entriſſen. Von Allem, was ſie geliebt hatte, von Allem, was ſie leben ließ, blieb ihr nichts weiter als ein elender Dummkopf.
Bald ſprach man zwanzig Stunden im Umkreiſe von nichts als von Briam und ſeinen Narrheiten. Eines Tages wollte er einen Nagel in das Sonnenrad ſchlagen, am folgenden Tage warf er ſeine Mütze in die Luft, um ſie dem Monde aufzuſetzen. Der König, welcher ehrgeizig war, wollte auch einen Narren an ſeinem Hofe haben, um in etwas den mächtigen Souveränen auf dem Continent zu gleichen. Man ließ Briam kommen und gab ihm ein ganz buntes Kleid. Ein Bein blau, das andere roth, ein Aermel grün, der andere gelb, die Bruſt orangenfarbig; in dieſem Papageianzuge hatte Briam für die Beluſtigung der Hofleute zu ſorgen. Zuweilen geliebkoſt, noch öfter geſchlagen, litt der Arme, ohne ſich zu beklagen. Er beſchäftigte ſich ganze Stunden damit, mit den Vögeln zu plaudern oder der Beerdigung einſer Ameiſe zu folgen. Wenn er den Mund öffnete, ſo geſchah es, um eine Dummheit zu ſagen, was denen große Freude gewährte, die nicht davon litten.
Eines Tages, als⸗man das Diner ſerviren wollte, trat der Anführer der Men in die Küche des Schloſſes. Briam, mit einem Hackmeſſer bewaffnet, zerhackte in Ermanglung der Peterſilie das Kraut von Mohrrüben. Der Anblick dieſes Meſſers machte dem Mörder Furcht; in ſeinem Herzen regte ſich der Verdacht.
„Briam,“ ſagte er,„wo iſt Deine Mutter?“
„Meine Mutter,“ antwortete der Schwachkopf;„ſie kocht da.“ Und mit dem Finger wies er auf einen großen Kochtopf, worin das ganze königliche Diner als Olla potrida gekocht wurde. 3
„Dummes Vieh!“ ſagte der Anführer der Wache, indem fzer auf den Kochtopf wies,„öffne die Augen: was iſt das?“
„Es iſt meine Mutter! ſie ernährt mich!“ rief Briam. Und ſein Hackmeſſer wegwerfend, ſprang er auf den Heerd, nahm den vom Rauche ganz ſchwarzen Topf in ſeine Arme, und flüchtete ſich dann in den Wald. Man lief hinter ihm her; verlorne Mühe. Als man ihn erwiſchte, war Alles zer⸗
brochen und zerſtört. An dieſem Tage ſpeiſte der König ein Stück Brod; ſein einziger Troſt war, Briam von den Küchenjungen des Schloſſes durchpeitſchen zu laſſen.
Der ganz lahme Briam kehrte in ſeine Hütte zurück und erzählte ſeiner Mutter, was ihm begegnet war.
„Mein Sohn, mein Sohn,“ ſagte die arme Frau,„ſo
hätteſt Du nicht ſprechen müſſen.“
„Was hätte ich ſagen müſſen, Mutter?“
„Mein Sohn, Du mußteſt ſagen: Das iſt der Kochtopf,
den die Großmuth des Königs jeden Tag füllt.“
124 Rovellen⸗Zeilung.
Am folgenden Tage war der Hof verſammelt. Der König plauderte mit ſeinem Oberhofmeiſter. Es war ein ſchöner Herr, der ſich auf gutes Eſſen und Trinken verſtand,
einen dicken Hals, einen ſo großen Bauch, daß er ihn nicht mit ſeinen Armen umſpannen konnte, und zwei kleine Beine, welche dieſes ſchwere Gebäude nur mit Mühe trugen.
Während der Oberhofmeiſter mit dem König ſprach, klopfte Briam ihm kühn auf den Bauch und ſagte:
täglich füllt.“
wurde; der König war wüthend, der Hof ebenfalls; aber des Abends ſagte man ſich im ganzen Schloſſe heimlich ins Ohr, daß die Narren, ohne es zu wiſſen, zuweilen gute Wahrheiten ſagen..
2 Als Briam ganz hinkend in ſeine Hütte trat, erzählte er ſeiner Mutter, wie es ihm ergangen war.
„Mein Sohn, mein Sohn,“ ſagte ſeine Mutter,„ſo hätteſt Du nicht ſprechen müſſen.“
„Was hätte ich ſagen müſſen, Mutter?“
„Mein Sohn, Du mußteſt ſagen: Das iſt der liebens⸗ würdigſte und treuſte der Höflinge.“
„Gut, Mutter, ich will es morgen ſagen.“
Am folgenden Tage hielt der König ein großes Lever und während die Miniſter, Officiere, Kammerherren, ſchöne Herren und Damen ſich um ſein Lächeln ſtritten, reizte er eine große ſpaniſche Hündin, die ihm einen Kuchen aus den
Händen riß.
Briam ſetzte ſich zu den Füßen des Königs und indem er den Hund an der Haut des Halſes faßte, und eine ſchreckliche Grimace machte, ſagte er:
„Das iſt der liebenswürdigſte und treueſte der Höf⸗ linge.“
alle Höflinge aus vollem Halſe um die Wette.
große Mühe hatte, ſich dem Gewitter zu entziehen. Als er diesmal ſeiner Mutter erzählt hatte, wie traurig es ihm ergangen war, ſagte die arme Frauu:— „Mein Sohn, mein Sohn, ſo hätteſt Du nicht ſagen ſollen.“* „Was mußte ich ſagen, Mutter?“ „Mein Sohn, Du mußteſt ſagen: Dieſe würde Alles aufeſſen, wenn man ſie gewähren ließe.“ „Gut, meine Mutter, ich werde es morgen ſagen.“ Der folgende Tag war ein Feſttag und die Königin er⸗ ſchien in ihrem ſchönſten Putz in dem Saale. Sie war mit Sammet, Spitzen, Schmuckſachen bedeckt; ihr Halsband allein hatte den Werth der Abgaben von zwanzig Dörfern. Jeder⸗ mann bewunderte den großen Glanz. „Hier iſt diejenige,“ rief Briam,„welche Alles aufeſſen würde, wenn man ſie gewähren ließe.“ Es wäre um den Unverſchämten geſchehen geweſen, wenn die Königin nicht ſeine Vertheidigung übernommen hätte. „Armer Narr,“ ſagte ſie zu ihm,„gehe fort, damit man Dir kein Uebel zufügt. Wenn Du wüßteſt, wie ſchwer dieſe Schmuckſachen auf mir laſten, ſo würdeſt Du mir keinen Vorwurf deshalb machen, daß ich ſie trage.“ 1
„Gut, Mutter, ich werde es morgen ſagen.“
Mutter, was ſich zugetragen hatte.
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dick, fett und ſehr heiter. Er hatte einen großen, kahlen Kopfpſf,
„Das iſt der Kochtopf, den die Großmuth des Königs
Es bedarf kaum der Erwähnung, daß er geprügelt
Dieſe Narrheit ließ den König lächeln und ſofort lachten Sobald aber der König ſich entfernt hatte, regnete es förmlich mit Fuß⸗
tritten und Fauſtſchlägen auf den armen Briam, welcher
Als Briam in ſeine Hütte zurückkehrte, erzählte er ſeiner
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