Novellen⸗S
als den Abſchied zu nehmen. Marie, Otto haben keine
Roſenhaag ſaß da wie vernichtet; ſo troſtlos hatte er ſich Hohenburg's Lage nicht vorgeſtellt. Sein kleines Vermögen, welches er gern für Florentinen bingegeben hätte, reichte nicht hin, um den vierten Theil der Verpflichtungen zu löſen, welche Hohenburg hatte. Endlich ſagte der junge Mann:„Sie haben mich überzeugt, ich muß Ibrer Tochter entſagen, ich darf ſie nicht abhalten, die Retterin ihrer Familie zu werden.“
In dieſem Augenblicke trat Florentine in das Zimmer; ſie glaubte, ihr Vater ſei allein. Als ſie den Geliebten ſah, erröthete ſie und ein Freuden⸗ ſchimmer erhellte ihr Geſicht; aber als Edmund mit kiefem Schmerze auf ſie zutrat und mit erſtickter
Stimme ſagte:„Wir müſſen einander entſagen, Flo⸗
rentine, Sie werden Ihre Pflicht thun!“ da wurde ſie ſchneebleich und brach in krampfhaftes Schluchzen 1 aus. Der Vater nahm ſie ſanft in ſeine Arme. „Mein Kind, mein theures Kind, ich leide mehr als Du, denn ich bin von Vorwürfen gepeinigt, welche ich mir ſelbſt machen muß.“
„Müſſen wir ſcheiden, Edmund?“
„Wir müſſen es, theures Mädchen. Ich verlaſſe in wenig Tagen Waldau, und lebe hinfort nur für die Wiſſenſchaft. Leben Sie Ihren Pflichten, Florentine! Gott ſegne Sie!“
Er legte die Hand auf ihren Scheitel und verließ raſch das Gemach. Der Vater führte die Tochter in die Arme der Mutter; das arme Mädchen flüſterte: .„Ich nehme Duresnelle's Antrag an, Papa mag es
ihm ſogleich ſchreiben; ich will wenigſtens die Genug⸗ thnung haben, Dich und den guten Vater ſorgenfrei und Marien durch Germar glücklich zu ſehen.“ 1 Eine wahre Liebe veredelt, macht opferwillig; 4 Fklorentine fand Troſt, Erhebung in dem Gedanken: Ich erfülle Edmund's Gebot.“
Der Dank ihrer Eltern, Mariens bräutliches — Entzücken waren Balſam für Florentinens zerriſſenes, aber ſelbſtloſes Herz, und mit einem Heroismus, deſſen ſie ſich früher ſelbſt nicht für fähig gehalten hatte,
kleidete ſie ſich ſchicklich zum Feſtabende, ſah ſie mit Ergebenheit in ihr Schickſal der Ankunft Duresnelle's
1 entgegen, welcher auf den Brief, den ihr Vater ſchon am Vormittag nach Roſenhaag geſandt hatte, münd⸗ lich hatte erwidern laſſen, er würde Abends erſcheinen.
Um Florentine die erſte Begegnung mit Dur.
nelle zu erleichtern und ihn noch etwas fern von ihr
zu halten, hatte der Präſident den Grafen Majläth zur Chriſtbeſcherung eingeladen; auch der Doctor
eitung.
Kinder willen den Chriſtbaum früh anzündete, noch Zukunft, und meine jüngeren Söhne——“ zu Hohenburgs zu kommen.*
Duresnelle war ſchon vor Einbruch der Dunkel⸗ heit eingetroffen. Er hatte eine lange Unterredung unter vier Augen mit dem Präſidenten, in welcher alle Geldangelegenheiten gründlich beſprochen wurden. Die Summe, deren Hohenburg bedurfte, um ſich zu retten, hatte Duresnelle ihm überbracht, ein kleineres Capital war des Schwagers Chriſtgeſchenk an Marien. Am Dreikönigstage ſollten die Schweſtern getraut werden. Mochte Duresnelle ſich Roſenhaag gegenüber ungroßmüthig gezeigt haben, der Präſident fand in dem Schwiegerſohne einen Mann, welcher mit eben ſo viel Tact als Zartgefühl eine große Summe zu des alten Herrn Verfügung ſtellte. Der glückliche Bräutigam wurde nicht müde, dem gütigen Vater, wie er Hohenburg jetzt nannte, für den Juwel von un⸗ ſchätzbarem Werthe zu danken, welchen Duresnelle in Florentinen erhielt.
Als die Herren in den Salon traten, war der große Tannenbaum bereits beleuchtet, die Familie verſammelt, auch Graf Majläth erſchien mit dem Hauptmann von Germar. Florentine duldete es, daß Duresnelle ihre Hand küßte und einen koſtbaren Ring an ihren Finger ſchob. Die Kinder jubelten, das andere Brautpaar war voll Wonne, Florentine nahm die Glückwünſche der Ihrigen gerührt, den Wunſch des Grafen Majläth mit freundlicher Würde an. Die Geſellſchaft wurde nach und nach ſehr lebhaft und Florentine trat einen Augenblick an das Fenſter, um ſich zu ſammeln. Da erblickte ſie unfern des ſchönen alten Brunnens eine ihr, ach! ſo wohlbekannte Geſtalt, ſie ſah Edmund, welcher gewiß nicht daran gedacht hatte, daß ſie an das Fenſter kommen würde. Er war, das fühlte ſie, inſtinctiv hierher gekommen, um wenigſtens dem Hauſe nahe zu ſein, welches die Geliebte barg.
Das war zu viel für das arme Mädchen, ohn⸗ mächtig ſank ſie zu Boden.*.
Otto, welcher ihr am nächſten ſtand, hob ſie auf und trug ſie in das Nebenzimmer, wo er ſie ſanft auf ein Ruhebett legte. Die beſorgte Mutter eilte herbei nebſt Duresnelle. Mit pochendem Herzen, blaß vor Angſt, legte er die Hand auf ihre Schläfe und heraus, ſchrieb ein Recept und flüſterte Otto zu: „Sofort nach der Apotheke, Sie können darauf war⸗ ten.“ Dann wandte er ſich wieder zu ſeiner Braut und lauſchte, wie Aerzte zu thun pflegen, mit dem Ohr auf ihren Herzſchlag, welcher kaum vernehmlich war.
Der Graf hatte ſich mit dem Hauptmann in ein entferntes Gemach zurückgezogen; ſie wurden durch
hatte verſprochen, von Räthens aus, wo man um der
den freudigen Ausruf:„Florentine iſt wieder bei ſich,
fühlte ihren Puls. Dann zog er raſch ſein Notizbuch 1
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