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resnelle nicht zu raſch Nein, ſondern lerne ihn näher kennen, prüfe Dich ſelbſt.“
Florentine wollte Etwas erwidern, aber der Vater zog ſie zärtlich an ſich.„Ich bitte Dich, mein liebes Mädchen,“ ſagte er weich,„ſprich jetzt kein Wort. Du biſt zwanzig Jahre und über Deine Jahre verſtändig und feſt, bewahre mein Geheimniß, und ſage mir heute weder Ja, noch Nein!“
Nach dieſer Rede entfernte ſich der Präſident und ließ das tief erſchütterte Mädchen allein. Lange ſaß ſie regungslos auf dem Sopha, die ſorgenvolle Lage ihres von ihr innigſt geliebten Vaters ging ihr ſehr zu Herzen, aber ſie dachte auch daran, daß ſie, wenn ſie Duresnelle die Hand reichte, nicht nur ihr eigenes Lebensglück zum Opfer brachte, ſondern auch das ihres Geliebten. Wohl haben nur wenige Mädchen den Segen, mit dem Manne ihrer erſten Liebe ehelich verbunden zu werden: Achtung, Freund⸗ ſchaft, Rückſichten, Eigennutz ſchließen die meiſten Ehen; aber man ſchaue ſich um, wie viel wahrbaft glückliche giebt es in allen Ländern? Nicht eine flüch⸗ tige Neigung ſollte Florentine aufgeben, ſondern eine tiefe, wahre Liebe, durch welche ſie ſich veredelt und gehoben fühlte.
Endlich, nach langem Erwägen, kam ſie zu dem Entſchluſſe, Edmund ſobald als möglich zu ſprechen und ihm anheim zu ſtellen, zu beſtimmen, wie ſie zu handeln habe, denn ſie fühlte lebhaft, daß ſie ſelbſt niemals glücklich ſein würde, wenn ſie ihren Vater niedergedrückt von Sorgen ſähe, und nicht die Ueber⸗ zeugung, recht gehandelt zu haben, ſie ſtütze. Indeß ſchon der Entſchluß, Edmund entſcheiden zu laſſen,
machte ſie ruhiger And ſo ging ſie denn in ihr kleines
Gemach, badete ihre Augen mit friſchem Waſſer und —machte zum Diner eine einfache, aber gewählte Toi⸗ lette.
Das Diner.
Die Geſellſchaft war klein, aber gut gewählt; außer den Familiengliedern hatte der Präſident nur Duresnelle, den Hauptmann von Germar, eine Freun⸗ din des Hauſes, welche ein bedeutendes Talent zur Malerei beſaß, und den Doctor Wallberger eingeladen.
Der Speiſeſalon war geräumig und kühl, höchſt geſchmackvoll mit Pflanzen und ſchönen Statuen deco⸗ rirt, denn, um die Wahrheit zu ſagen, bei aller Spar⸗ ſamkeit gab der Präſident in früheren Zeiten für Kunſtwerke mehr aus, als ſich mit ſeinem Einkommen vertrug. Die Speiſen und Weine verſtand er eben⸗ falls zu wählen, und wem es nicht im Hohenburg'ſchen Hauſe gefiel, der mußte ein ſehr langweiliger Menſch oder ein vollendeter Miſanthrop ſein.
Doctor Wallberger ſagte Jedem, der ihn einlud,
Novellen⸗ZJeitung.
daß er die Pünctlichkeit ſelbſt ſei, und ſo war es auch;
ſolle er alſo nicht zur beſtimmten Stunde einer Ein⸗
ladung Folge leiſten, habe er höchſt wichtige Abhall tungen und komme ungenirt, ſobald er Zeit habe. Man war gewohnt, ihn nach dem erſten Gericht ſtill fortgehen oder erſt bei dem Deſſert kommen zu ſehen, und lange wurde er damit geneckt, daß er vom Frei⸗ ſchützen immer nur den erſten Act geſehen und Jahre lang die Agathe nicht erblickt habe. Auch heute ließ
die Hausfrau zur beſtimmten Stunde auftragen, ſie
ſaß neben Duresnelle, nahm aber weniger Theil an
der Unterhaltung, als die Malerin Fräulein Helmoldt, welche ausgezeichnet Franzöſiſch ſpach und ihm zur linken Seite ſaß. 1
Das Geſpräch wurde nach der Suppe ſehr lebendig, auch Florentine beſaß Selbſtbeherrſchung genug, ſich heiter zu geben und auf einen Scherz Otto's in ähnlicher Weiſe zu antworten.
Man war ſchon bei der zweiten Schüſſel, als leiſe, wie es ſeine Art war, der Arzt in den Salon trat und neben Florentinen Platz nahm.
Der Präſident flüſterte dem Baron Duresnelle zu:„Ich glaube, die Herren kennen ſich ſchon,“ und rief dem Doctor, nachdem der Baron bejaht hatte, heiter zu:„Bon jour, lieber Doctor! Wieder abge⸗ halten? Doch nicht ein Freund erkrankt?“
„Nein, Herr Präſident, ein Fremder bedurfte meiner Hülfe, ich mußte nochmals zu ihm.“
„Wahrſcheinlich der Herr, welcher im deutſchen Hofe logirt, den der Poſtillon umgeworfen hat,“ ſagte Fräulein Helmoldt. 4
„Zu dienen, mein Fräulein, Graf Mailath, deſſen Name Ihnen wohl bekannt iſt, ich ſpreche nämlich von dem Schriftſteller.“
„Ah, das iſt mir ſehr intereſſant; natürlich bee: daure ich, daß der Graf Mailath in unſerer Stadt krank liegen muß, allein ich hoffe, er wird bald geneſen. Vielleicht erinnert er ſich meiner noch, ich lernte ihn vor Jahren in Wien kennen, zur Zeit meiner diplo⸗ matiſchen Laufbahn, welche eben nicht lange dauerte
Ich war ein Jahr als Geſandtſchaftsſecretär in Wien Geſellſchaft, hatte auch
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und ſah Mailath mehrmals in G Gelegenheit, mich ihm gefällig er Ein ganz eigenthümlicher Mann, „Wie ſo? Findeſt Du ihn als Schriftſteller ſo— außerordentlich?“ fragte die Präſidentigäee „Ich halte ihn für einen Heiſtreichen Mann, für eine poetiſche Natur, aber niſht für einen Schriftſteller, 8 Delsr ln der allererſen, Reihe ſteht; aber der Baf 2 beſitzt eine Gabe, wece 84 ieder bei irgend 5„Maſche ich nimol d eoloſſoles So6,
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