20 wenn ein junges ſchönes Mädchen mit einem mürri⸗
iſt, aber bei alledem nehmen alle Verbindungen, die nicht zum Altar führen können, einen Ausgang, der mindeſtens für einen Theil traurig iſt.«
»Du ſprichſt als Freund Wallberger,« entgegnete Bachmüller,»deshalb vertraue ich Dir, daß ich die Gräfin aufrichtig liebe. Ich bleibe ihr treu, ihr Ge⸗ mahl iſt ein Sechziger, kränklich; ſobald ſie frei iſt, biete ich ihr vor der Welt meine Hand.⸗
»Lieber Freund, ich verlange nicht, daß Du für das Leben des alten Grafen beteſt, aber— warte nicht auf ſeinen Tod. Er kann länger auf Erden wandeln, als wir jungen Menſchen; es iſt nicht recht,
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thue das nicht!⸗
»Moraliſt!« ſprach er und verſuchte zu lächeln. Ich fuhr fort: Beſitzt die Gräfin Vermögen? Wird ſie ihren Gemahl beerben?«
»Die Güter fallen nach des Grafen Tode an deſſen Neffen, falls Melanie kinderlosbleibt; ſie be— kommt dann nicht viel für ihren Stand, aber ich bin ein Mann, welcher ſchon ſeinen Weg machen wird.«
Er ſagte das in einem Tone, daß ich nicht Luſt hatte, noch eine Bemerkung zu machen, es iſt wider meine Grundſätze, Rath ertheilen zu wollen, wo man meine Worte nicht gern hört.
Ich war wieder dem weniger. Eines! zu der Zeit, wo er mich zu Hauſe wußte, trat er raſch bei mir ein. Er ſah ruhig, aber etwas bläſſer als gewöhnlich aus.
»Willſt Du mir einen Freundſchaftsdienſt leiſten?⸗
»Gern, wenn ich es vermag,⸗ antwortete ich.
»So ſecundire mich, ich habe ein Piſtolenduell morgen früh um ſechs Uhr im Prater.⸗
»Ich würde mich wenig wundern, wenn Du mir ſagteſt, daß Dein Gegner Graf Stanislaus Bichovski wäre.⸗
»Er iſt es!⸗
»Wegen der Gräſin?⸗
„Lies dies Billet.«
Der Neffe des alten Grafen mußte von dem Verhältniß ſeiner jungen Tante gehört haben, und da er dieſe nicht compromittiren wollte, ſuchte er auf andere Weiſe Streit mit Bachmüller, den er offenbar für einen Baron von Bach hielt, denn im Adelsſtolze leiſtete der junge Graf Etwas, das war bekannt. Bachmüller beſprach das Nöthige mit mir. Auf meine Bemerkung, ob er, falls er verwundet würde, Aufträge
ſeinx die Gräfin habe, ſagte er:»Ich danke Dir, ich ſtand wlich nicht tiefer in die Geſchichte verwickeln, als
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Novellen⸗ZJeitung.
ſchen Manne vermählt wird, der ſo alt wie ihr Vater aber ich ſchieße ihn nieder, vielleicht alſo fallen wir
auf den Tod eines Anderen ſeine Hoffnung zu bauen;
eneſen und ſah Bachmüller ſeit⸗
feuern. Ich weiß nicht, ob er ein guter Schütze iſt, Beide. Ließe ich ihn am Leben, würde er die arme Melanie entſetzlich quälen, wohl gar Schimpf und Schande über ſie heraufbeſchwören. Und meinſt Du etwa, daß dieſer Pole mich aus moraliſcher Entrüſtung gefordert hat, oder um die Ehre ſeines Oheims zu retten? Quod non, er fürchtet, Melanie könnte den alten Grafen mit einem Erben beglücken, den dieſer anerkennen würde; denn ich weiß von ihr, daß der Oheim den Neffen haßt: er bewies ſich ſtets un⸗ dankbar für große Summen, welche der Majoratsherr dem Neffen ſchenkte. Er würde einen ächten Spröß⸗ ling vergiften, wenn Einer da wäre.«
»Wie, glaubſt Du, daß Melanie Mutter werden könnte?«
»Nein, gewiß nicht! Laß uns nicht mehr darüber ſprechen, und reuet Dich Deine Zuſage— denn ich ſage Dir, es wird blutig hergehen— ſo gebe ich Dir Dein Wort zurück!«
»Wort bleibt Wort; ich kann nicht ſagen, daß ich nicht im Innerſten erſchüttert wäre, aber ich ſecundire Dich!«
Am andern Morgen waren wir zuerſt auf dem Platze, im Prater, am Ufer der Donau. Auch der Graf und ſein Secundant ließen nicht auf ſich warten. 4 Alles ging ehrlich zu, ſoweit man überhaupt ein Duell ehrlich nennen kann. Beide feuerten zugleich. Bach⸗ müller ſtand feſt, nur aus dem linken Ohr tröpfelte (Blut, der Graf hatte ihm das Läppchen dieſes Ohres abgeſchoſſen. Der Pole fiel rückwärts in das Gras,— in der Regel fallen die in die Bruſt Getroffenen auf das Geſicht. Er rührte ſich nicht mehr. 3
Der Secundant bückte ſich zu ihm nieder und— l ſagte:»Hier iſt Hülfe vergebens. Laſſen Sie uns fort⸗ gehen, Bichovski würde, hätten Sie ihn nicht getödtet, ſich in den nächſten Tagen dieſen Dienſt ſelbſt gethan haben. Er hatte Gründe. Schweigen wir alle Drei, dieſer Tod wird für Selbſtmord gelten.«“
Der Doctor machte eine Pauſe und blickte düſter vor ſich nieder.„Es war ein ſchöner Mann, dieſer Graf,“ fuhr er nach einer Pauſe fort.„Bachmüller
war furchtbar erſchüttert, ſeine That reuete ihn, er ſagte mir Dank für den geleiſteten Dienſt und reiſte noch denſelben Tag von Wien ab. Die Zeitungen redeten von dem Selbſtmorde des jungen Grafen und 4*½ von einer furchtbaren Schuldenmaſſe, welche er hinter laſſen hatte.“
„Und die Gräfin?“ fragte der Dichter;„Deine Geſchichte wird doch einen Schluß haben?“ „Ich ſah ſie bald nachher in der Meſſe.
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Graf Bichovski und ich werden a tempo ſah blaß aus, aber nicht unglücklich. Es war ihr
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