Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
769
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Gine Mochenchronik für Niteratur, Kunst, ſchöne Miſſenſchaften undh Geſellſcchaſt.

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Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.

Leipzig, am 8. December 1865.

Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.

Michael Angelo.

Hiſtoriſche Novelle * von 1 Friedrich Dentler Sieh', Zecco, ſieh' nur, wie der dort träumt,

nief Domenico, ein Zögling Bartoldo's, von ſeiner

Bildhauerarbeit zu einem ſeiner Mitſchüler hinüber. So ſitzt er ſtundenlang, Domenico, erwiderte der Angeredete;mir ſcheint's, er iſt verliebt! Sag' lieber, ein Phantaſt, der ſich viel zu tief lin die Kunſt verſenkt. Wenn er es ſo forttreibt,

vermag er nimmer Großes zu ſchaffen.

Niemals errang der eine Meiſterſchaft, der ngelang an ſeinem Werke gebrütet. Ein echter Künſt⸗ ler malt mit kühnem Pinſel und zaubert kurz ſein Jild auf die Leinwand, wie die Phantaſie es ihm eingegeben. Hat er vollendet, erkennt er erſt ſeine Fanze Schöpfung, fiel Girandolo, welcher an einem Voßen Carton zeichnete, dem Vorredner ins Wort.

Ein gutes Bild zu malen, fordert Zeit, fuhr Zecco fort,allein nicht ſo piel Zeit, wie der Angelo braucht.

Ich denke anders, Brüder, rief Girandolo, Schnelligkeit iſt Kunſt.

Alle dieſe Worte galten einem jungen, kaum vierundzwanzigjährigen Manne, der in der Mitte der Werkſtatt an einem langen Tiſche ſaß und emſig zeichnete. Er ſchien ſich ganz in ſeine Arbeit vertieft zu haben, denn er höorte Nichts von den halb leiſe geſprochenen Worten, welche ſeine Mitſchüler eben ausgetauſcht. Die Züge des jungen Zeichners hatten den echt italieniſchen Typus. Sein muskulöſer, mittel⸗ großer, graziöſer Körperbau ähnelte den Krieger⸗

geſtalten alter Zeit und beſaß das Ebenmaß der Jugend und Schönheit. Die dunkelſchwarzen, feurigen, großen Augen, von dunklen Brauen und Wimpern umrandet, brannten wie ein Paar Feuer und kennzeich⸗ neten das faſt zu bleiche Künſtlergeſicht, deſſen Züge ein tief denkendes Gemüth, eine Seele voller Gefühl verriethen. Ein jung aufſproſſender Schnurr⸗ und