Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
753
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Vierte Folge.

No. 48.

III. Jahrgang.

Efine Tlochenchronik für Titeratur, Kunst, ſchöne Mliſſenſchaften und Geſellſchaſt.

Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.

Leipzig, am 1. December 1865.

Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.

Politiſche Gegenſätze.

Ein Zeitbild deutſcher Zuſtände vor dreißig Jahren

von Carl v. Keſſel. (Schluß.)

Vier Wochen ſpäter ſaß Herr von Steinau eines Tages in ſeinem Arbeitszimmer, an einem mit Pa⸗ pieren bedeckten Tiſch, mit deren Durchſicht er eifrig beſchäftigt war, während er zugleich von Zeit zu Zeit Zahlen zuſammenſtellte und bemüht zu ſein ſchien, eine Bilanz zu ziehen. Auf ſeinem Geſicht ſprach ſich Gram und Sorge aus, ſeine Züge waren in kurzer Zeit bedeutend gealtert, ſein Weſen bekundete Zerſtreutheit und eine Unruhe, welche auf einen dem Druck der Leiden erliegenden Seelenzuſtand hin⸗ deutete.

Es iſt umſonſt, rief er endlich,ſo ſehr ich guch bemüht bin, die wenigen Hülfsquellen, welche

mir noch zu Gebote ſtehen, in Anrechnung zu bringen, es ändert Nichts in der Sache, ich bin ruinirt, in der Hand dieſes Liebmann liegt es, mich von mei⸗ nem Eigenthum zu vertreiben und mich zum armen, mittelloſen Mann zu machen!

Der Baron ſtützte den Kopf in die Hand und ein ſchwerer Seufzer entſchlüpfte ſeiner Bruſt.

Bitter iſt es, fuhr er fort,in meinem Alter das Haus meiner Väter verlaſſen zu müſſen, aber ich ſehe keinen Ausweg, dieſer Menſch hat ein ſo feſtes Netz um mich gezogen, daß ich es bei aller Anſtren⸗ gung nicht mehr zu zerreißen vermag, und meine Kinder o meine armen Kinder! ſie werden die Schuld davon tragen müſſen, daß ich mich die⸗ ſem Wucherer in die Arme geworfen habe!

Der Baron war eben bei dieſer für einen Vater gewiß ſchmerzlichſten aller Betrachtungen angelangt, als eine mit zwei eleganten Schimmeln beſpannte Halbchaiſe in den Hof bog.

Da iſt er! rief Herr von Steinau, indem er mit dem Ausdruck unverkennbaren Abſcheues einen