Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
745
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mir gegenuͤber

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1⁸

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Vierte

Feder nur mit äußerſter Anſtrengung zu regieren vermag,müßt mir einen Bericht machen. Habe geſtern einen Ausländer wegen Landſtreichens und Bettelns über die Grenze transportiren laſſen Wo war er denn her?Da drüben aus Sachſen, drei Stunden weit, glaub' ich, iſt das Neſt, weiß nicht gleich, wie es heißt; ſchien übrigens ein ſtaats⸗ gefährliches Subject zu ſein, hat nur bei Demokraten gebettelt, auch bei eurem Nachbar Becker.Lieber Himmel! kann die Frau Cantorin ſich nicht enthalten einzuwerfen,alle wohlhabenden Bauern im Orte ſind ja liberal, und bei armen kann man doch nicht betteln. War übrigens ein ausgehungerter, ſpindel⸗ dürrer Schneidergeſelle, der gewiß nichts Staatsge⸗ fährliches im Kopfe hatte. Der Polizeiverwalter und Schulzenamtsverweſer begnügt ſich, zur Wahrung ſeiner Würde die freche Sprecherin mit einem verächtlichen Seitenblick zur Ordnung zu rufen, dann fährt er fort:Hat ja auch bei Euch gebettelt, Cantor, ſeid vielleicht auch ein Demokrat? und dabei wider⸗ ſpricht das ſtechende Lauern ſeines Blickes der Grimaſſe des Mundes, der ſich anzulaſſen ſucht, als habe er eben ein gnädiges Späßchen vorgebracht. Dem Cantor wird es nicht ganz wohl zu Muthe unter dieſem Polizeiblicke, verlegen ſtottert er:Ein Demokrat! Das können Sie doch nicht glauben, Herr Polizei⸗ verwalter?Nun, nun, gebt Euch nur, beſchwich⸗ tigt der Geſtrenge,es war ja nur mein Scherz. Könnt übrigens gleich zeigen, daß Ihr kein Demokrat. Iſt mir da etwas aus dem Landraths⸗Amte zugeſchickt worden, unterſchreibt das! Dabei ſucht er ein ſorgfältig verwahrtes Papier aus ſeiner Taſche hervor, enthüllt es vorſichtig und hält es dem Cantor hin. Ein vielſagender Blick ſeiner Frau hindert dieſen am ſofortigen Zugreifen, zögernd fragt er:Was iſt es denn? Ehe ich unterſchreibe, muß ich es doch leſen. Iſt nicht nothwendig, habe es auch nicht geleſen; kommt aus dem Landrathsamte zur Unterſchrift, muß alſo unterſchrieben werden. Iſt eine Adreſſe an den König, den die verdammten Abgeordneten abſetzen wollen! Ein abermaliger Blick ſeiner Frau macht dem Cantor ſcheinbar neuen Muth, mit feſterer Stimme antwortet er diesmal:Herr Polizeiverwalter, ich achte und ehre meinen König, wie es einem chriſt⸗ lichen Unterthan zukommt. Was die Abgeordneten wollen, weiß ich nicht; ſo ſchlimm, wie Sie es machen, kann es aber nicht ſein, denn ich kenne viele ehren⸗ werthe Männer darunter, die ſelbſt treue Diener des Königs ſind. Politik gar nicht, ich bin ein ſchlichter Dorfſchul⸗ lehrer, dem es nicht frommt, auch nicht zukommt, ſich in Dinge zu miſchen, von denen er nichts verſteht.

74⁵ Verſchonen auch Sie mich gütigſt damit! Eine Zorneswolke überſchattet des Gewaltigen hochgeröthetes Antlitz, er erbleicht ſichtlich, ſeine Papiere wieder ſorgfältig zuſammenpackend, preßt er, mühſam an ſich haltend, heraus:Wollt alſo nicht unterſchreiben? Auch gut! Werdet ſehen! Aber ſchämt Euch vor Euren eigenen Schulkindern, haben viele.... An der Thüre hält er noch einmal inne, und fragt leicht hingeworfen:Wie viel bringt Euch Euer Amt als Dorfgerichtsſchreiber ein?Gegen dreißig Thaler.Nun, werdet dann die Kleinigkeit um ſo eher verſchmerzen können; ſeid nachgerade zu alt ge⸗ worden, muß mich nach einem Andern umſehen. Und fort iſt er; dem Cantor ſteigt es nach den Augen, gewaltſam aber bezwingt er ſich, wirft einen ſchmerz⸗ lichen Blick nach oben und intonirt:Ehre ſei Gott in der Höhe!

Folge.

Recht ſo, gebt dem höchſten Herrn die Ehre! erſchallt es plötzlich hinter ihm in ſalbungsvollen Tönen. Erſchrocken dreht er ſich um, der eben ein⸗ getretene Pfarrer ſteht hinter ihm; er ſucht ſeine Frau, ſie hat geſchickt den günſtigen Augenblick be⸗ nutzt, zu entſchlüpfen, er iſt allein mit dem Gefürch⸗ teten. Leutſelig nimmt dieſer den dargebotenen Stuhl ein, während der Cantor demüthig vor ihm ſtehen bleibt, auch keine Einladung zum Niederſitzen erhält. Nun, fährt ſein geiſtlicher Herrſcher fort, dem ein weit geſchmeidigerer Ton zu eigen, als dem weltlichen Oberhaupte der Gemeinde,das ging ja viel beſſer, als bei der Liturgie! Ja, ja, Sie werden doch etwas alt; haben wohl inzwiſchen ein Morgenſchnäpschen zu ſich genommen? Der arme Cantor wird ganz roth ob ſolchen Verdachtes, faſt entſetzt ruft er aus: Schnaps, Herr Paſtor, Schnaps kommt nie über meine Lippen; das kann ich bei meinem Amts⸗ eidNur nicht gleich mit dem Heiligſten ge⸗ frevelt bei ſolcher Kleinigkeit, lautet die verweiſende Entgegnung,es ſollte ja kein Vorwurf ſein; bei Ihrem Alter könnte ſchon ſo etwas hingehen, zur Kräftigung, er hält zuwartend inne, und als der Cantor im Bewußtſein gekränkter Unſchuld ſchweigt, fährt er abbrechend fort:Sie waren geſtern im Armenhauſe? Bei wem?Bei der armen Müller, die dieſen Tag wohl nicht überleben wird, lag ſie doch geſtern ſchon in den letzten Zügen. Um Chriſti Barmherzigkeit willen läßt ſie um das heilige Abend⸗

mahl bitten.Sie hat Chriſtum verſchworen, ſie iſt aus der Landeskirche ausgetreten, mag ſie zur Ueberhaupt bekümmere ich mich um

Hölle fahren!Sie mußte es ja thun, erlaubt ſich der Cantor ganz beſcheiden zu bemerken, den es bei dem Gedanken an fremde Leiden faſt wie Muth überkommt,weil der Herr Paſtor ſie nicht mit ihrem