Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
584
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Ottilie machte ſich endlich los und ſchloß vor⸗ ſichtig die Thür, damit der Lärm von der Straße dieſen Schlaf nicht ſtöre; dann trat ſie zum Fenſter, um ungeſehen ihren Thränen freien Lauf zu laſſen.

Der junge Mann folgte ihr und ſagte:Wollte Gott, es ſtände in meiner Macht, Sie zu ſtützen und zu ſchützen, wie es nun meine Pflicht iſt, und eine Pflicht, die ich von ganzem Herzen gern über⸗ nehme!

Sie erfüllten dieſelbe ja ſchon von jeher, ent gegnete Ottilie.Aber warum entzogen Sie ſich un⸗ ſerem Dank, als Sie mich damals Abends vor dem Zudringlichen auf der Straße beſchützt hatten? Es wäre uns eine große Freude geweſen, zu wiſſen, daß ich dieſen Dank dem Freunde Edwin's ſchuldete. Denn in der kurzen Zeit des Feldzuges ſind Sie ihm, wie ſeine Briefe bezeugen, näher getreten, als ſonſt zuweilen Jugendgenoſſen.

Ich glaube das; theilte er mir doch ſogar Ihre Briefe mit, zeigte mir Ihre Photographie und jene der Mutter. Ich fühlte mich ſchon damals gewiſſer maßen heimiſch in der Familie.

Forſchend blickte Ottilie auf.Und dennoch die⸗ ſes Verſteckensſpielen? Faſt vergaß ſie für einen Moment den Kummer um die Mutter und die Mut⸗ ter ſelbſt.

Firſt's bleiches Geſicht erglühte.Sie hörten, ſagte er,weſſen man mich beſchuldigt. Ich erwar⸗ tete, bei meinem früheren Principal wieder einzutre⸗ ten; er hatte verſprochen, mir die Stelle offen zu halten, war überdies ſtets mit mir zufrieden und ge⸗ gen mich ſehr freundlich geweſen. So ſchrieb ich ihm denn, noch bevor ich hier eintraf, und ſtellte mich ihm bei meiner Ankunft ſogleich vor. Denken Sie ſich nun meinen Unwillen und meine Beſtürzung, als er mich höchſt kühl empfängt, mir Vorwürfe macht über die Unrichtigkeiten in meinem Buche. Dieſe waren aller⸗ dings vorhanden, wie ich mich überzeugte; aber ich ſchwöre Ihnen, daß nicht ich

Sie unterbrach ihn durch eine ablehnende Ge⸗ berde.Es hieß in den Zeitungen, daß fälſchlich Wechſel auf den Namen von Officieren ausgeſtellt worden, die in's Feld gerückt. Kann hier nicht ein ähnlicher Betrug vorliegen?

Er ſchüttelte den Kopf.Es handelt ſich um ſo unbedeutende Summen, um ſolche Lappalien, daß nicht anzunehmen iſt, die Fälſchung ſei in gewinn⸗ ſüchtiger Abſicht begangen. Aber Schultz iſt ein außer⸗ ordentlich accurater Mann und ich muß ihm, wie die Sachen einmal den Anſchein haben, ſogar voll⸗ kommen Recht geben. aufnehmen, konnte mir auch nicht ein günſtiges Zeug⸗

Novellen⸗Zeilung.

Er konnte mich nicht wieder

niß ausſtellen. Ich verdenke es ihm alſo nicht, er ſich deſſen weigerte, obgleich es mich faſt bis zur

Verzweiflung brachte und außerdem er ſtockte, und außerdem, da ich

fuhr aber entſchloſſen fort: ohne Zeugniß keine andere Stelle erhielt, in die miß⸗ lichſte pecuniäre Lage verſetzt. haltloſe Offenheit, die mir nun geboten erſcheint, nicht mißdeuten werden nicht glauben, daß ich auf irgend welche materielle Vortheile rechnete, indem ich Ihnen und Ihrer Mutter nun ſo nahe trat? Die Antwort erwartend, hielt er inne.

Ein trübes Lächeln erſchien flüchtig auf Otti⸗

liens Antlitz. Lebhaft bot ſie ihm dann die Hand, indem ſie ſagte:Wir paſſen in dieſer Hinſicht ganz zuſammen, was einmal die Dürftigkeit der Geldmit⸗ tel und dann dieſen Stolz anlangt, der lieber das Aeußerſte entbehrt, als auch nur die Armuth ein⸗ geſteht. Die kleine Penſion der Mutter reichte nicht

aus zu unſerm Unterhalt in der großen Stadt, wo Niemand ſich um den Andern kümmert, kümmern kann, vermochten wir, bei ſtillem Darben, immer noch den äußern Schein aufrecht zu erhalten. Endlich ſollte

Edwin unſere Stütze ſein und er wollte es auch. Nun er dahin iſt und zumal nun auch die Mutter Ihr Auge ſchweifte nach deren Lager; ſie konnte nicht weiter reden.

(Schluß folgt.)

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Literariſche Briefe von Otto Banck. b

Diesſeits und jenſeits der Alpen. Von Julius Rodenberg. Berlin, Verlag von Oswald Seehagen, 1865.

Es iſt gewiß nicht leicht, über Gegenden, die man nur flüchtig durchreiſt hat und ſelbſt nicht näher kennt, etwas Lesbares zu ſagen. ſonnirender Reiſe⸗Literatur wurde beſonders in der neueſten Zeit mit Vorliebe ausgebildet und durch die

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Neigung der Gegenwart für das Flüchtige, Müheloſe der m

unterſtützt. Man findet in dieſem Fache vorzugsweiſeſ beachtenswerthe Talente entwickelt, und der begabte Schriftſteller Julius Rodenberg, der in amüſanten

literariſchen Touriſtencauſerien erfahren iſt, hat in dem

vorliegenden WerkchenDiesſeit und jenſeit der Al⸗ pen bewieſen, wie trefflich er ſich in die erwähnte Geſchicklichkeit hineinzufinden verſteht und mit welche beweglichen Gewandtheit er alle möglichen Neben⸗ ſachen und zufällige Epiſoden herbeizuziehen vermag,

um ſeine Leſer durch kleine Plaudereien darüber zu

unterhalten. Nur durch fleißige Uebung und durch

das eifrige Beſtreben, etwas ſchreiben zu wollen, kann

zu die

letons innern in Tor und ch voln teſten.

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