Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
560
Einzelbild herunterladen

560 Novellen

ſie nach einer gewiſſen Reihenfolge zuſammen, und die dazu nöthigen Berechnungen beſchäftigten den Geiſt in angeneh⸗ mer Weiſe. Da nun der Abt des Kloſters ſie überwachte, beſchloſſen ſie, ſobald ſie auf dem nach ihrer Zelle führenden Corridor ſeine Schritte hörten, mit lauter Stimme den erſten Veſperpſalm: Dixit Dominus Domino... herzuſagen, und weil ſie nur dieſe drei Worte auswendig wußten, ſo blie⸗ ben ſie ſtets bei Domino ſtehen. Dieſes beſtändig wiederholte Wort blieb, und ſie nannten ihren neuen Zeitvertreib das Dominoſpiel. Nachdem ſie aus ihrer Haft befreit waren und ſie ihre Ausgänge wieder begannen, lehrten ſie dieſes Spiel den Italienern, denen ſie die dazu gehörigen Steine verkauften und die verſchiedenen Combinationen erklärten. So wurde das Spiel, welches dem trägen Lazzaroni kein großes Kopfzerbrechen verurſachte, ſehr beliebt und nach und nach unter dem Namen bekannt, den die Mönche ihm gege⸗ ben hatten.

Man verfertigte nun die Steine aus Holz, Blei, Kno⸗

chen, Elfenbein u. ſ. w. und vervollkommnete es immer mehr. In Paris verbreitete es ſich erſt um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, und da es den dem Wagen im Spiel geneigten

Zeitung.

Vom deutſchen Büchermarkt.

Gedichte und Märchen von Wilhelm Hauff. Stuttgart, Riegerſche Verlagshandlung. 1865. 3

So wenig Bedeutung Hauff als lyriſcher Dichter hat, ſo lebhaften Eingang haben deſſen Märchen gefunden. In der That haben ſie ein behagliches und echt deutſches Element, einen vaterländiſchen Grundton, der durch die Leichtigkeit des Erzählens noch etwas beſonders Einſchmeichelndes gewinnt. Es lebt darin eine lebendige, oft heitere Phantaſie, die durch⸗ aus nicht ohne poetiſchen Kern iſt.

Die vorliegende Auflage, vortrefflich ausgeſtattet und bereits die zehnte bildend, ſoll als eine wohlfeile es nicht nur unbemittelteren Bürgerſchulen, ſondern auch Privatleuten möglich machen, dieſes empfehlenswerthe Buch für die Ju⸗ gend beiderlei Geſchlechts anzuſchaffen. B.

Das Ehrenwort. Novelle von Ernſt am Strand. Berlin, bei Ferdinand Heinicke.

George Heſekiel hat zu dieſer Erſtlingsarbeit ein empfeh⸗ lendes Vorwort geſchrieben, und zwar, wie er ſelbſt unterzeich⸗

Franzoſen zuſagte, ward es bald in allen Städten heimiſch. Die ernſten, ſich mehr an das Poſitive haltenden Engländer ſpielen es ſehr wenig.

Das Domino wird am meiſten in Frankreich geſpielt. In allen Kaffeehäuſern bis zur elendeſten Dorfkneipe herab ſucht man dieſen friedlichen Zeitvertreib. In Paris muß man jedoch von dieſer allgemeinen Regel ausnehmen das ehe⸗ malige ehrwürdige Café Foy, den faſhionablen Tortoni, die Rotunde des Palais⸗Royal und noch zwei andere, deren Namen mir entfallen ſind.

Der eigentliche Tempel des Domino iſt der des Schach⸗ ſpiels, das Café de la Regence. Paris, Rouen und Poitiers ſind die drei Städte, welche behaupten, die ſtärkſten Spieler zu beſitzen.

Mehrere unſerer Leſer werden ſich wahrſcheinlich des

berühmten Hundes Munito erinnern, der mit ſeinem Herrn Domino ſpielte, weshalb man von dieſem klugen Thier er⸗ zählte, daß es keinen Hundskopf hätte. e.

Misrellen.

Die Venetianer, welche es verdroß, als Alfonſo der Zweite, König von Neapel, nach ſeiner Abdankung ſich lieber nach Sieilien, als nach Venedig geflüchtet hatte, ſuchten alles Mögliche hervor, um ihn dem Könige von Arragonien, Fer⸗ dinand dem Katholiſchen, der damals auch Stcilien beſaß, verdächtig zu machen. Als nun eines Tages der Senator Leonard Loredano ſich beikommen ließ, zu Don Lorenzo Sua⸗ rez von Figueroa, ſpaniſchem Geſandten in Venedig, zu ſagen, nach der Art, wie Alfonſo ſich in Sicilien benehme, zeige er ſich mehr als König denn als Gaſt, weil er Ritter ernenne und mehrere andre königliche Verrichtungen ausübte, ſo gab ihm der Spanier, der wohl ſah, daß es dem Venetia⸗ ner nur darum zu thun war, zwiſchen beiden Königen Zwie⸗ ſpalt zu ſtiften, zur Antwort:Wenn dem ſo iſt, ſo zeigt es von der Macht und Größe meines Herrn, daß er in Sicilien einen untergeordneten König hält, der Ritter und Edelleute macht, ſowie ein Titularbiſchof in der Diöces eines Andern

von einer weiblichen Feder.

net,am Tage Fabian Sebaſtian, eine Erſparung des Datums, welche Heſekiel's Ausſpruch, er ſei nur ein Epigone der Romantiker, beſtens unterſtützt. Wenn wir auch nicht ganz die günſtige Meinung jenes älteren Erzählers für das hier kundgegebene Talent des jüngeren theilen können, ſo läßt ſich doch in der kleinen Novelledas Ehrenwort jene Wärme und Hingebung nicht verkennen, die immer an und für ſich ſchon geeignet iſt, dem Publicum Theilnahme für die Arbeit eines Autors einzuflößen.

Stolz und Still. Eine Novelle. Berlin, Verlag von Ludwig Rau. Ohne Jahreszahl und ohne Namen, wahrſche Dieſelbe ſchildert Lebendigkeit und ihre Handlung ſpielt auf einem n Edelſitz. Was aber der Partei, für welche dieſes ſchrieben iſt, am liebſten ſein wird, iſt die unverkennbare Ten⸗ denz, Liebe zum Evangelium zu verbreiten und dieſes und

ſjenes verirrte oder gar räudige Schaaf in den Stall des

guten Hirten zurückzuführen und für die kirchliche Gemeinde nützlich zu machen. O. B.

Der Graf von Monte Chriſto. Von Alex. Dumas. Peſth, Wien und Leipzig, Hartleben's Verlags⸗ Expedition. 186

Die Freunde der Dumas'ſchen Romantik und ſtofflichen Erfindungskraft, welche ſelbſt in der franzöſiſchen Literatur

Prieſter einweiht.

Redigirt unter Verantwortlichkeit von Ouo Sriednch Dürr in Leipzig. Verlag

ohne Gleichen iſt, erhalten hier eine billige von einem unge⸗ T nannten Ueberſetzer gearbeitete Lieferungsausgabe, welche mit lieber 24 Illuſtrationen, die nicht übel gerathen ſind, der über⸗ tung ſt ſchwenglichen Phantaſie des Autors bei den Leſern eine kleine es 9 Nachhülfe zu geben verſucht. O. B. geſ dem G * Am ſiebenten December 1864. Novelle von Marie er Inhalt* Roskowska. Zuletzt doch erwiſcht. Nach dem Engliſchen 3 mi von Friedrich Coßmann.(Schluß.) Literariſche Briefe von Otto us ex Banck. 1 Feuilleton. Die verrätheriſche Dienerin. Obriſt Laborde. leen Die Relativität der Sonnenwärme. Das Dominoſpiel. Mis⸗ en cellen. Vom deutſchen Büchermarkt. Kräͤng ſo un der Dürr'ſchen Buchhandlung in Leipzig. Druck von A. Edelmann in Leipzig. thun

4

4

/