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daß ich einige Augenblicke der Meinung war, ſie wolle ſich der Kürze halber ſogleich hinunter in die See ſtürzen, die ich unten brauſen hörte; ſie ſchwang ſich⸗ aber über den Rand des Felſens und kletterte mit der Behendigkeit einer Katze abwärts.
Da ſie geſtern neben anderen Dingen nicht auch gefragt hatte:«Klettert der Sennor?s ſo ſetzte ſie ohne Zweifel dieſe Geſchicklichkeit bei mir voraus, und wohl oder übel folgte ich ihr jetzt, obgleich an⸗ fänglich feſt überzeugt, im nächſten Augenblicke hin⸗ abzuſtürzen. Indeſſen ging es beſſer, als ich dachte, da das zerklüftete baſaltiſche Geſtein mancherlei An⸗ haltspunkte bot, und in verhältnißmäßig kurzer Zeit war ich unten angelangt, was vielleicht noch raſcher geſchehen wäre, hätte mich meine Malermappe, welche ich an einem Riemen über der Schulter trug, nicht einigermaßen gehindert.
Als ich mich auf dem kleinen Plateau, auf wel⸗ chem ich Fuß gefaßt hatte, nun ſeewärts wendete, ſah ich allerdings das Boot Mercedes' unter mir im Waſſer; zu meinem abermaligen Mißvergnügen be⸗ merkte ich aber vier Burſche in demſelben, welche Ru— der in den Händen hatten und jeden Augenblick bereit ſchienen, vom Lande zu ſtoßen.
Das Boot war verhältnißmäßig lang und ſchlank gebaut und immerhin ſo groß, daß noch ſechs bis acht Männer in demſelben Platz gehabt hätten; auch lag ein Gegenſtand auf dem Boden desſelben, den
ich ſpäter für ein kleines Segel von dunklem Zeuge erkannte. Ich hatte indeſſen nicht lange Zeit, Be⸗ trachtungen anzuſtellen, denn Mercedes forderte mich auf ungeſäumt einzuſteigen und wies mir am Vor⸗ dertheile des Bootes meinen Platz an, während ſie einem der Burſche das Ruder aus der Hand nahm und ihm befahl, ſich an's Steuer zu begeben. Diego, ſo hieß der Mann, gehorchte augenblick⸗ lich, und Mercedes nahm hinter mir ſeine Stelle ein; ein ziemlich langer Menſch aber, der ihr nun gegen⸗ über ſaß, ſagte offenbar murrend: „Ihr habt lange zum Schwatzen gebraucht da oben!“ „Sei nicht einfältig, Ramon,“ verſetzte Merce⸗ des;„der Sennor kam im Augenblicke erſt an.“ Ramon brummte etwas, das ich nicht verſtand, was aber jedenfalls Unzufriedenheit ausdrückte, und wir flogen jetzt pfeilſchnell hinaus in die See. Mercedes war offenbar die Patronin des kleinen Fahrzeuges, denn ſie bezeichnete Diego mit kurzen, aber mir nicht verſtändlichen Worten die einzuhal⸗ tende Richtung, und auch die anderen beiden Burſche, welche— wie ich ſpäter erfuhr— Cayetano und Fre⸗ drico hießen, leiſteten ihr offenbar willig Gehorſam.
Novellen⸗Zeitung.
Ramon aber, welchem gegenüber Mercedes ſich geſetzt hatte, war brummig und offenbar in übler Laune, und dabei war klar erſichtlich, daß er ſich im Beſitz gewiſſer Rechte befand oder ſolche wenigſtens beanſpruchte, und daß Mercedes ihm nachgab und ihn zu beruhigen ſuchte. Der Menſch machte einen außerordentlich widerwärtigen Eindruck auf mich, und es war eben ſo unſchwer zu bemerken, daß ich ſelbſt ihm ein Dorn im Auge war; was mich aber ganz beſonders gegen ihn einnahm, war— ich geſtehe es offen— ſeine Figur, denn er war ein ziemlich lang⸗ gewachſener Schlingel, eine Seltenheit in Chile, wo Männer und Frauen meiſt eine mäßige Mittelgröße beſitzen.
Sie werden fragen: Wie kann man ſich über einen Menſchen ärgern, weil er vielleicht ein wenig längere Beine hat als andere Leute?
Ich will es Ihnen ſagen.
Der Beſitzer dieſer langen Beine war unzweifel⸗ haft auch der von den ungebührlich langen Unaus⸗ ſprechlichen, welche Mercedes trug, und die ihr zu lang und doch wieder auch zu enge waren; ſie hatte
dieſe von ihm geborgt, und der Inſtinct, mit welchem
man in Liebeshändeln häufig, wenn gleich nicht im⸗ mer, ſeinen Gegner erräth, ließ mich dieſes und eine Menge andere Dinge errathen, die mir nichts weni⸗ ger als angenehm waren.
Wir waren ſchon eine ziemliche Strecke hinaus in See gekommen, und trotz des fehlenden Mond⸗ ſcheins lagen jetzt doch die Umriſſe des felſigen Ge⸗ ſtades ziemlich deutlich abgegrenzt vom ſternenhellen Nachthimmel vor uns.
Ich zog, um doch wenigſtens eine kleine künſtle⸗ riſche Beute mit nach Hauſe zu bringen, eine ge⸗
ſpannte Leinwand aus meiner Mappe und wollte
eben beginnen, ſo gut es anging, die grotesken Contouren jener dunklen Felſenmauer zu zeichnen, als Ramon ſich zu mir neigte und, indem er auf meine Leinwand ſah, in verächtlichem Tone ſagte:
„Que disparate!“*) Was ſoll das für ein Ge⸗ kritzel ſein? Nehmt lieber Eure Musquete zur Hand, damit Ihr zu brauchen ſeid, wenn's dazu kömmt.“
Er zog bei dieſen Worten eine halb unter der Ruderbank, halb unter den Bretern des Bugſpriets verſteckte Flinte hervor und wollte mir dieſelbe in die Hand geben. Ich aber ſagte:
„Seid nicht unverſchämt, mein guter Burſche, und kümmert Euch um Euer Geſchäft und nicht um das meinige!“
„Ha,“ verſetzte Ramon,„was ſoll das heißen? Ihr ſeid in unſ'rem Geſchäfte, wißt Ihr das, oder
*) Que disparate— welche Tollheit! Welcher Unſinn!
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