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geſchah' auch mal auf ſeinem Rückzug von Italien, zu welcher Zeit der großmächtige Kaiſer Karl dem genannten Anton Fugger grade 30,000 Goldgulden ſchuldete.
Gleich beim Eintritt in Fugger's Haus erinnerte ſich der Kaiſer der geliehenen Summe, entſchuldigte ſich aber auch, daß er ſie vor der Hand noch nicht zuruckzahlen kͤnne, da ihm der letzte Feldzug große Opfer gekoſtet habe.
Als ſie ſelbander in ein koſtbar ausgeſtattetes Gemach traten, fröſtelte den Kaiſer, trotz des luſtig flackernden Kaminfeuers, und höchſt mißmuthig äußerte er ſich eben nicht zum Beſten über das deutſche Klima, wohingegen er das welſche über alle Maßen lobte.
Das verdroß den Anton Fugger, und um dem Kaiſer vor der Hand eine andere Meinung beizubringen, zündete er eigenhändig ein Kaminfeuer von Zimmtholz an, von dem die Unze dazumal zwei Dukaten koſtete, und ſiehe— des Kaiſers Züge erheiterten ſich, denn er fühlte ſich wohl bei der überaus lieblich duftenden und milden Gluth.
Mit ganz beſonderer Freude bemerkte Fugger dieſe Veränderung, und um auch noch den letzten leiſen Anflug des kaiſerlichen Mißmuths zu verſcheuchen, nahm Fugger aus einer ſilbernen Truhe die Schuldverſchreibung über die betreffenden 30,000 Goldgulden(nach unſerm jetzigen Münzfuß etwa 60,000 Thaler) und warf ſie ruhig und gelaſſen, wie irgend einen unnützen Wiſch, in das praſſelnde Feuer.
Und— Kaiſer Karl der Fünfte wehrte dieſem Vorgang nicht, ſondern war wohl froh, 30,000 Goldgulden weniger ſchuldig zu ſein, aber gewiß auch ſtolz— einen ſolchen Bürger in ſeinem Reiche zu beſitzen.———
Nun, wie gefällt Euch dieſes Stücklein?——
Nicht beſonders! höre ich da Euch ausrufen, da mit der ſo abſcheulich vergeudeten Summe ein unberechenbarer Segen geſtiftet und die Ehre des Herrn in der Gemeinde gefördert wer⸗ den konnte.
Nun ja, zugegeben! Aber zur Ehre und zum ewigen Ruhm der Familie Fugger will ich Euch noch ſagen, daß dies auch ſchon vorher und nachher auf eine umfaſſende Art und Weiſe geſchah, denn wer arm, krank und hülflos war, fand bei den Fuggers Troſt, Rath und Unter⸗ ſtützung.— So baueten ſie auch Kirchen, Schulen und Kranken⸗ und Gemeindehäuſer; und unzählbare Wohlthaten, die Niemand als der liebe Gott kennt, floſſen in die Hütten der Siechen und Preßhaften.
Aber der ſprechendſte Beweis ihres wahrhaftigen Chriſtenſinnes und ihrer aus dem Glauben ſtammenden werkthätigen Liebe iſt eine Vorſtadt von Augsburg, nach ihren Erbauern die „Fuggerei“ genannt, die aus 106 kleinen Häuſern beſteht, in denen noch heute arme Bürgers⸗ leute gegen einen geringen Miethzins ihre alten Tage in Ruhe verleben und die das Gedächtniß der edeln und hochherzigen Familie der Fugger von Geſchlecht zu Geſchlecht vererbt.
Wieder ein Schreckbild weniger. Wir Alle erinnern uns ſehr wohl, daß uns in unſerer Jugend bei dem geographiſchen Unterricht der Mael⸗Strom als ein furchtbarer Meerſtrudel mit trichterartiger Einſenkung dargeſtellt wurde, der meilenweit ſchon ſeine Ringe zu drehen anfinge und jedes Schiff, das in den Bereich dieſer, in bodenloſe Tiefe hinabführende Trichter⸗ ringe des Maelſtroms geriethe, unrettbar mit Mann und Maus hinabziehe. Der amerikaniſche Reiſende Bayard Taylor berichtet darüber:„Dieſſeits Vaerbe lag die große Inſel Mosköe. Zwiſchen dieſer und einem großen einzelnen Felſen befindet ſich der beruühmte Maelſtrom— jetzt, leider, ebenſo ſagenhaft, als der Kroaken oder das große See⸗Ungeheuer der Norwegiſchen Fiords(Meerbuſen),[von dem noch in der alten Ausgabe von Raff's Naturgeſchichte Ergötz⸗ liches zu leſen iſt].— Er erzählt nun weiter, daß es mit dem Maelſtrom Nichts ſei, und er alle ſeine Schrecken verloren habe. Wahr ſei es, daß unter gewiſſen Verhältniſſen des Windes und der Fluth ein Wirbel in der genannten Straße gebildet würde, der kleineren Booten ge⸗ fährlich werden könne, aber kein Schiff fürchte ihn..
Seltſam, daß ſich ſolche Fabeln ſo lange erhalten konnten! Oder war der Maelſtrom wirklich das, was man von ihm erzählte, ſo könnte vielleicht das Meer einen Felſen zertrümmert und entfernt haben, der ihn ſo gefährlich machte— oder ein unterſeeiſches Erdbeben oder die bekannte Erhebung der Küſte es veranlaßt haben, daß hier eine ſo außerordentliche Veränderung eintrat. Soviel iſt gewiß, kein Schiff fürchtet den Maelſtrom und luſtig ſegeln ſie darüber hin und— das Maͤhrlein unſrer Knabenzeit iſt dahin.— Dem Lichte neuerer Forſchung verdanken wir es, daß überhanpt die geographiſchen Mährlein ſeltener werden.


