Jahrgang 
2 (1858)
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thal, Sterben und himmliſcher Frieden, die jüngſten Kinder ſcheu in der Ecke zu⸗ ſammenhockten, trat Traugott, der älteſte Sohn, ein. Sein Weſen hatte etwas Heftiges, er ſah ſeinen Vater eine Weile an und rief dann: die Sache muß anders werden!

Was willſt du? antwortete der Vater.

Du läſſeſt Alles gehen, wie es geht, verſetzte Traugott.

Willſt du es beſſer machen?

Ich rede nicht von der Wirthſchaft, erwiederte Traugott. Mag ſein, daß der Hofbauer unſere beſte Wieſe hat...

Er hat ſie gekauft, bezahlt; mit ſeinem Geld hat er ſie angerichtet.

Mag ſein, daß wir ſtatt dreier Kühe noch eine einzige im Stalle haben...

Hätte der draußen auf dem Wendelhof ſein Kapital gekündigt, ſo hätten wir weder Acker, noch Haus, noch Hof.

Es wird noch ſchlimmer kommen.

Wie ſo, mein Sohn?

Wo ich hinkomme, rief Traugott, da muß ich hören, daß Lene es mit dem Sohn des Hofbauern hält!

Nun?... ſagte Ellner theilnahmslos.

Nun! verſetzte der junge Menſch, mit Mühe an ſich haltend, kümmert dich das nicht?

Der Vater ſah ihn an.

Oeffentlich leugnet Richard Alles, und doch verkehren ſie heimlich mit einander.

Richard iſt ein guter Junge.

Er wird, ſo gut er iſt, Lenchen unglücklich machen, ſie verführen.

Meine Lene! rief Ellner plötzlich augagend; das Kind, welches ich wie meinen Augapfel liebe!...

Ich fürchte.

Nein! ihr Herz iſt lauter, ſie iſt rein wie Gold. Unſchuld kleidet ſie wie die Lilie des Feldes!

Manche zweifeln daran.

Was! rief Ellner; zweifeln? Verleumde deine Schweſter nicht; ſie iſt mein Licht, mein Troſt im Unglück.

Anneli hatte das Geſpräch bis hierher ſchweigend ang ehört, der feingeſponnene Faden war ihr zerriſſen, das Rad ſtand ſtill. Thränen ſpoſſen über ihre Wangen, ſie erhob ſich und ging auf ihren Mann zu. Ihre Füße wankten. vef Bernhard, Bernhard! rief ſie mit erſtickender Stimme, und verhuͤllte ihr Geſicht.

elner ſtarrte ſein Weib an. Seine Lippen zuckten, ſeine Hände ballten ſich krampfhaft. Sprich! rief er mit furchtbarer Stimme, ſprich, wie ſteht's?

abe Erbarmen mit deinem Kind! ſtammelte Anneli flehend; vergieb ihr, ſie

hat gefehlt!...

Entſetzlich! ſtöhnte Ellner, die Hände zum Himmel emporgeſtreckt.

Ein banges, peinliches Schweigen herrſchte in dem kleinen Gemach. Traugott, ſelbſt erſchüttert, redete bald die weinende Mutter, bald den Vater an, der regungs⸗ los da ſaß, ein Bild tiefen, ſtummen Schmerzes. Niemand antwortete; die Groß⸗ mutter wimmerte, die Kinder ſahen einander ängſtlich an.

Geh', Traugott, ſagte endlich der Vater mühſam gefaßt, geh' und ſage deiner Schweſter, daß ſie dieſe Schwelle nicht wieder betritt. Ihr Anblick würde mich tödten. Mag ſie bei ihrem Verführer bleiben, dort iſt ihr gewiß wohl!

Mit dieſen Worten verließ Ellner das Zimmer, begab ſich in die obere Stube und ſchloß die Thüre hinter ſich ab.

Als Lenchen erfuhr, was ſich zu Hauſe zugetragen hatte, entfernte ſie ſich, ohne Jemandem etwas zu ſagen, vom Wendelhof. Reue und Schmerz wuͤhlten in ihrem Inneren. Alles wollte ſie verſuchen, den Vater zu verſöhnen; Alles thun, was er von ihr verlangte. Es dunkelte bereits, als ſie in die elterliche Wohnung kam; ſie

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