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ehe will ja gut ſein, Väterchen, ſei doch nur ſtille. Ich ſchäme mich ſonſt zu ſehr.“
Mittler Weile war auch der kleine Ernſt herangeſchlichen, hatte ſich auf der Mutter Schooß geſchwungen und lugte mit Sehnſucht nach den Kuchenreſten. Der Vater bemerkte es und ſprach lächelnd:„Na, ſo gib dem kleinen Vielfraß nur noch ein Stück, er kann doch nicht eher ruhen, bis Alles vertilgt iſt.“ „„Papa!““ antwortete der kleine Schelm,„„du ſprichſt ja ſelbſt immer, man ſolle im Leben nichts halb thun; aber es iſt ja beinahe noch der ganze Kuchen da.““
Der Vater lachte und faßte auch ihn beim Kopf, zog ihn von der Mutter Schooß auf ſeine Kniee und herzte und küßte ihn.
Da fing der alte Mann draußen am Zaune bitterlich an zu weinen, hielt die Hand vor ſein Geſicht und ſchlich in bitterem Gram davon. Er hatte das Bild ſeiner Jugend erſchaut. Es war Vater und Mutter und die dem Elende preisgegebene Schweſter Hilda und er— der kleine Ernſt. Er ging dahin, den freſſenden Wurm im Herzen!——
Draußen am äußerſten Ende der Vorſtadt eines kleinen Städtchens ſtand ein unſcheinbares, aber freundliches Häuschen. Es hatte etwas ſo Trauliches und Einladendes, trotz ſeiner Aermlichkeit, ſeinem niederen Strohdache. Lag dies in der Sauberkeit ſeines Aeußern, welche der ſanftglänzende Mond verdoppelte, oder war es das bianke, gaſtlich erhellte, mit blühenden Topfgewächſen beſetzte Fenſter, oder ſeine armen Bewohner, genug, über das Ganze war in abendlicher Stille ein ſo tiefer Friede verbreitet, daß es eine wahre Freiſtatt des Glücks zu ſein ſchien.
Selbſt der Wandersmann im Schnee draußen war unter dem Fenſter ſtehen geblieben, hatte einem frommen Liede gelauſcht, das aus dem Häuschen von alten und jungen Stimmen ertönte.
Sein Herz ſchwoll in unnennbaren Gefühlen. Er glaubte ſeine eigene Stimme, gepaart mit einer andern aus der längſt entſchwundenen Jugendzeit zu hören, und die ſeiner geliebten Eltern. Der Geſang war ihm nur zu wohl bekannt. Vielemal hatte er ihn einſt geſungen, im Kreiſe der Seinen. Andäch⸗ tig faltete er die Hände, ſtimmte leiſe mit ein und ſang, ſeit langen Jahren zum erſtenmale, wie zum Himmel erhoben, tief gerührt und erfüllt mit ſüßer Wonne.
Da ſchloß endlich der Geſang, aber heller Gläſerklang ließ ſich bald darauf hören.„Großvater, hoch! Und nochmals: hoch! Und abermals: hoch!“
Der Wandersmann im Schnee erzitterte. War es die harte Winterkälte? Ach nein, die fühlte er kaum. Ein anderes Weh durchzuckte ſeine Gebeine, durch⸗ ſchauerte ſein Herz. Näher drängte er ſich dem einzigen Fenſter, von wo deutlich die Stimmen frommer und fröhlicher Menſchen ertönten. Aermlich, aber ſauber zeigte ſich das Innere des Häuschens, wie wir das Aeußere ſchon kennen. Eine wie Silber glänzende Lampe auf ſchneeweißem, wenn auch etwas grobem Tiſchtuche, darunter Kuchen und gefüllte Gläſer. Um den Tiſch der Gatte an der Seite ſeiner jungen blühenden Lebensgefährtin, umringt von zwei kleinen Engeln in Menſchengeſtalt, ihre Kinder. Das Alles bot ſich dem Einblick in die niedere Hütte dar.
„Was mag der Großvater machen?“ ſprach das junge Weib zu ihrem Manne. „Wer wird jetzt um ihn ſein, ihn pflegen, wenn er krank iſt? Ach, lieber, guter Mann, mein Herz kann nie recht fröhlich werden, auch heut' nicht, an ſeinem Geburtstage, der zugleich der unſeres Erlöſers iſt, ſo lange er noch zürnt und den Fluch nicht von Deinem Haupte genommen hat. Es iſt mir immer, als könne und dürfe es uns nicht wohl gehen, und ſelbſt in der Freude ſteigen trübe Gedanken in mir auf und verbittern ſie. Dazu kommt, wir wiſſen, er iſt alt, allein und hilflos, von Jedermann gemieden. Du armer, alter Mann, wie wollt' ich dich pflegen, wenn ich dürfte, wenn du es nur zuließeſt. Wollte ja nicht deine Schwiegertochter, nein nur deine Magd ſein!— Und auch Du, lieber Herzens⸗ mann, thuſt mir leid. Du könnteſt im Ueberfluß leben, brauchteſt Dich nicht wie ein gemeiner Handarbeiter mit des Lebens Nothdurft zu plagen. Könnteſt mit


