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Endlich, endlich wollte man ihn in England in den Adelſtand erheben, aber— er ſchlug ees rund ab. Er wollte nichts weiter ſein, als Georg Stephenſon.
Sein Vaterglück war groß und ſein edles Herz verdiente dieſen reichen Lohn und Segen Gottes.
Sein Sohn Richard, auf deſſen Bildung er ſo viel verwandte, war nicht bloß ein guter, treuer Sohn— ſondern ein ausgezeichneter Mann, der des Vaters Sinn und Geiſt reichlich geerbt hat. Er hatte die Freude, ihn in ſeine Fußſtapfen treten zu ſehen; zu erleben, daß den jungen Mann alle Welt hochſchätzte, daß er Großes leiſtete und ſein Ruhm in ſtetem Wachſen iſt, wie es ſeine ausgezeichneten Kenntniſſe verdienen.
Glücklicher Vater, wer möchte dir dieſe Freude nicht gönnen?!— Im Glüͤcke und Ruhme blieb Georg Stephenſon der beſcheidene, ſanfte, gottesfürchtige und liebreiche Mann, wie er es immer in andern Lebensverhältniſſen geweſen war.
Im Jahre 1848, als der wüſte Sturm durch Europa brauſte, kam der Tod, ihn im 67. Jahre ſeines Lebens aus dieſer Welt abzurufen.
Sein Name als Menſch, als Künſtler, als Wohlthäter der Menſchheit wird ſtets in Chren bleiben. England blieb ihm viel ſchuldig und es ſcheint, als trüge es oder wollte es dieſe Schuld dem ausgezeichneten Sohne abtragen. Der edle Vater erließ ſie ihm gerne.—
Dies und Das.
Das Alter der Thiere. Was Engländer und Franzoſen nicht Alles herausklugeln! Da theilt ein Engländer mit, er habe ſorgfältig nachgeforſcht hier und da, zu Hauſe und in der Fremde, inalter und neuer Zeit, bei alten Leuten und inalten Büchern, und habe feſtgeſtellt, weil er's überall habe beſtätigt gefunden, daß der Bär, der Hund, der Wolf ſelten älter würden als zwanzig Jahre, der Fuchs aber ſchon im 14. bis 16. ſeiner Jahre das Zeitliche geſegne, wie man zu ſagen pflegt;(der Pfiffikus unter den Thieren muß ſo frühe ſterben!) die Katze aber ſchon im 15ten, das Eichhörnchen im 7ten oder 8ten und der Haſe im 7ten Jahre ſeines Lebens— verſteht ſich, wenn er nicht früher dem Jäger zur Beute wird oder— dem Fuchſe.— Der Elephant ſtammt von alter Familie, er wird nämlich 400 Jahre alt. Dafür ſoll eine Thatſache Zeugniß ablegen. Nämlich Alexander der Große, erzählt die Geſchichte(?), ſoll, als er Poros, den König der Indier, beſiegt hatte, einem ſchon ziemlich alten Elephanten eine Inſchrift haben feſtmachen laſſen, und der Elephant habe 350 Jahre ſpäter die Inſchrift noch getragen.— Das edle Thier erreicht übrigens jedenfalls ein außerordentlich hohes Alter, wie man ſicher weiß. Pferde, wenn ſie nicht mißhandelt werden von der Rohheit und der Hab⸗ ſucht der Menſchen, ſollen 60 Jahre alt werden. Freilich erliegt dies edle Thier in der Regel menſchlicher Quälerei und erreicht kaum ein Alter von 25 bis 30 Jahren. Das Kameel, dieß koſtbare Thier im heißen Afrika, wird 200 Jahre alt. Der gelehrte Cuvier in Paris behauptet, daß Wallfiſche 1000 Jahre alt würden. Daß ſie aber dieß Alter nicht mehr erreichen, dafür ſorgen die Thran ſuchenden Seefahrer, die den rieſigen Wallfiſch bis in die Eismeere am Nord⸗ und Südpol der Erde aufſuchen, und mit ihren Harpunen tödten, um aus ſeinem außerordent⸗ lich dicken Specke den Thran zu ſieden. Sie werden allgemach ſeltener und gar manches Schiff kommt federleicht von der weiten Raiſe heim— weil es nur wenige fand und tödten konnte.
Unter den Vögeln erreichen Adler und Raben das höchſte Alter. In Wien hatte man einen Adler, der, obgleich er gefangen gehalten wurde, was bekanntlich das Leben der Thiere verkürzt, 104 Jahre alt war, als er ſtarb. Raben ſollen ſelbſt uber 100 Jahre leben und die Schwäne ſogar— 360 Jahre— wenn ſie, ſagte Nachbar Philippspeter, indem er pfiffig den Finger an die Naſe legte— nicht früher ſterben!—
Der Name des Bernſteins. Gewiß haben die Meiſten unſerer Leſer und Leſerinnen ſchon Bernſtein geſehen und die ſchönen Sächelchen zum Schmucke, die man daraus verfertigt. Sie wiſſen auch, daß es das verſteinerte Harz eines unbekannten, längſt untergegangenen Baumes iſt, welches oft Mücken, Fliegen und andere Inſekten in ſich ſchließt. Sie wiſſen ferner, daß die Oſtſee häufig dieſes verſteinerte Harz an das Ufer ſchwemmt, beſonders, wenn heftige Stürme das Meer bis in ſeine Tiefe aufgewühlt haben, daß man es in Pommern und an der ganzen Küſte der Oſtſee, auch in der Erde, weit vom Meere gräbt, wo es neſterweiſe in der Erde, oft in bedeutender Tiefe, liegt; ſie wiſſen ferner, daß man den Bernſtein aber auch in Sicilien, Spanien und andern Ländern findet, und ſchon im grauen Alterthume ſehr theuer und werth hielt. Ob ſie aber wiſſen, woher der Name„Bernſtein“ kommt, weiß ich nicht, und will's darum hier, einem gelehrten Forſcher, dem Herrn Doctor Thomas aus Königsberg in Preußen folgend, mittheilen. Er berichtet nämlich, man habe in der Zeit, als die Römer ihre Herrſchaft über faſt die ganze, damals bekannte Welt ausgebreitet hatten, den Bernſtein: Stein der Berenica oder Berenicenſtein genannt, woraus ſich leicht, durch Abkürzung, bei den Deut⸗ ſchen der Name„Bernſtein“ bildete.
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