Ein offenes Brieflein an Alle, welche der„Maje“ Haus und Herz öffnen wollen.
Mit dieſem erſten Heftlein der Zeitſchrift, welche ich mit gutem Vorbedacht „die Maje“ getauft habe, kommt ein alter Freund und Bekannter zu Euch, meine freundlichen Leſer. Es iſt der Spinnſtubenſchreiber, der ſo manches Jahr ſchon bei Euch eingekehrt iſt, und, will's der Herr, in der Spinnſtube und in der Maje bei Euch einkehren wird, ſo lange Er, von dem Alles kommt, gnädiglich Kraft und Tage gibt. Nehmt mich denn freundlich auf! Ich bringe Euch noch liebe Genoſſen, Gehülfen am Werke, Freunde, mit, die Ihr theils ſchon kennt und lieb habet, theils bald kennen lernen und liebgewinnen werdet. Ich freue mich ihrer Mithülfe von Herzen und Ihr werdet Euch ihrer auch gewiß bald freuen.
Ihr wiſſet, was Maje heißt, nämlich: Freude, Wonne, geſellige, reine Freude, und da, wo meine Wiege ſtand, wo der Rhein ſeine grünlichen Wogen zum Meere hinabwälzt, wo Moſel, Nahe, Main und Neckar ſich in ſeine Fluthen miſchen, iſt der Name für geſeklige Zuſammenkünfte zu traulicher Unterhultang wohlbekannt. Majengehen iſt eine Freude und Erholung für uns. Weiter im lieben, deutſchen Lande iſt das Wort wohl fremder, aber ich denke, ſie werden's auch verſtehen, und unſre„Maje“ wird ſich bei Ihnen auch heimiſch machen. Was die„Maje“ will? Nun, im Worte, im Namen liegt's ſchon. In die „Majen“, in die traulichen Freundeskreiſe am warmen Ofen, unter der Linde, im kühlen Schatten des Birnbaums oder des Weinſtocks im Garten, an Sonntag— nachmittagen und Winterabenden will ſie Liebes, Schönes und Gutes bringen. Was dann aber in's Beſondere? fraget Ihr. Ich antworte: Unterhaltung in friſcher, frommer, gemüthlicher Weiſe fur Alt und Jung— alſo Geſchichten aus dem Leben und für das Leben, in ernſter und heiterer Weiſe; aber das nicht allein; ſie wird auch Manches und Vieles Belehrende bringen aus Gottes herr⸗ licher Schöpfung, aus der Pflanzen⸗ und Thierwelt, aus Luft und Meer, am Himmel und auf der Erde; auch aus der Menſchenwelt in vergangenen Tagen und von Jetzt und zwar von fremden Völkern, ihren Sitten und Gewohnheiten, und da ſchauen wir wohl in die andern Welttheile und ſuchen da das auf, was Euch anmuthig belehrt und Euern Geſichtskreis im Erkennen erweitert. Und an wunderreichen Erzählungen wird's da nicht fehlen, ſo wenig, als an dem, was Euch Gottes Allmacht, Weisheit und Güte auf's Neue kennen lehrt und zu ſeinem Preiſe führt. Daß auch einmal das Leben eines ausgezeichneten Menſchenkindes vor euch hintreten wird, kann Euch nur lieb und willkommen ſein, ſowie, wenn wir von wunderſamen Lebensführungen und einzelnen edlen Thaten erzählen. Und das wollen wir in einfacher, herzlicher, verſtändlicher, frommer Weiſe thun, damit aus Allem erwachſe ein Segen fuͤr Haus und Herz.
Nun denn in des Herrn Namen friſch und freudig an's Werk!
Nehmet die Maje freundlich auf. Sie wird ſich dieſer Aufnahme werthe
machen und, ich wette drauſ, bald begrüßt Ihr jedes neue Heft mit Freuden und unſer Liebesbund wird ein dauernder und Früchte⸗ und Segensreicher. Das walte Gott, dem ich Euch Alle in Liebe befehle!
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