Jahrgang 
22 (1854)
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390 Der nürnberger Kassendiebstahl.

war. Genug, wir erfahren hier nichts von Einwen⸗ dungen und Kämpfen, er ſprang aus dem Bette und folgte ihm.

Nur ein Mann, den ſie für einen Nachtwächter hiel⸗ ten, begegnete ihnen auf ihrem athemloſen Wege, ſonſt keine lebende Seele. Noch war die Hausthüre, wie ſie Göſſer verlaſſen, noch ſtand die Schreibſtube offen, die Kaſſe an ihrem alten Platze. Sie war jetzt aufgehoben und ward fortgeſchleppt. Sie brachten ſie glücklich bis in Göſſel's nicht zu entfernte Wohnung.Hierauf, heißt es in dem Verhör,ſei die Kaſſe ſogleich von ihnen Beiden eröffnet, das Geld, während ſeine Frau auf dem Markte geweſen(einige Stunden nach dem Diebſtahl), getheilet worden und habe Jeder davon einen Scharmützel*), er, Inculpat, aber das Gold, das über 100 Gulden betragen haben mag und welches er vor einem Vierteljahre gegen Silbergeld verwechſelt, zum voraus erhalten und es bis zur Theilung in einer Schupfe in einem alten Faſanenkorb, worin ſonſt alte Schlüſſeln geweſen, verborgen gehalten. Wie viel der Geſelle ihm für das Gold gegeben, wiſſe er eigent⸗ lich nicht, da er ſolches ſeiner Frau gegeben und an verſchiedenen Orten ſchuldiges Eiſen hiervon bezahlt habe. 800 900 Gulden ſeien auf ſeinen Antheil gekommen. Ganz genau könne er die Summe nicht beſtimmen, da ſowol er als der Geſelle vorher, ehe ſie ſolches mit⸗ einander gezählet, davon genommen. 700 Gulden mögen auf den Antheil des Geſellen gekommen ſein, wovon dieſer ihm(dem Meiſter) wiederum 100 Gulden behän⸗

*) Nach Adelung ein in Sſtreich, Baiern, Böhmen übliches Wort, um eine papierne Tüte zu bezeichnen. Die in Nürnberg gangbare Form lautete eigentlich: Schnaritzel.